Ochtrup
Die Frauen sind am mächtigsten

Metelen. Vom einen auf den nächsten Sattel. Vom Pferd aufs Fahrrad. Das dauert nur ein paar Sekunden. Und schon tritt Amke Stroman (RFV Isterberg) ihre zweite Ehrenrunde an. Diesmal nicht auf der zwölfjährigen Schimmelstute Kalahari...

Sonntag, 06.07.2008, 20:07 Uhr

Metelen . Vom einen auf den nächsten Sattel. Vom Pferd aufs Fahrrad . Das dauert nur ein paar Sekunden. Und schon tritt Amke Stroman (RFV Isterberg) ihre zweite Ehrenrunde an. Diesmal nicht auf der zwölfjährigen Schimmelstute Kalahari , sondern auf dem Rad. Genauer gesagt: auf einem Herrenrad. Gerade hat sie am Samstagabend den ersten Platz im Mächtigkeitsspringen belegt – und der Preis dafür: 1000 Euro und die neue Fietse.

„In den letzten Jahren haben immer Männer gewonnen, deshalb haben wir ein Herrenrad als Geschenk“, entschuldigt sich der Kommentator Josef Palster. Die 24-jährige Siegerin nimmt es gelassen. Denn was die Verantwortlichen nicht geahnt haben: In diesem Jahr machen die Frauen im Preis der Herforder Brauerei das Rennen.

Das zeichnet sich schon im Umlauf ab. Die acht Starterpaare erwartet ein anspruchsvoller Parcours, darunter eine Trippelbarre (1,45 Meter hoch, 1,80 Meter tief) und die Mauer mit einer Starthöhe von 1,60 Meter. Als einziger Mann schafft Thomas Holz auf Capt’n Joe (RFV Greven) eine strafpunktfreie Runde. Die erst 16-jährige Jana Wargers auf Cora (RFV Greven) und Amke Stroman auf Kalahari qualifizieren sich ebenfalls für das Stechen. Glück hat die vorletzte Starterin Chantal Regter (RV Ahaus-Ammeln). Ihr Pferd Now it’s Time streichelt das oberste Mauerteil, es verrutscht – und bleibt liegen. Vier Paare sind im Stechen.

Parcourschef Günther Dieks und seine Kollegen bauen um. Die Mauer wächst auf 1,85 Meter. Und die über 2000 Zuschauer halten den Atem an. „Niemand darf mit Blitz fotografieren“, macht Palster klar. Zu nervös sind die Pferde. Alle Paare reiten vor dem Start noch einmal an der Mauer entlang. Es kommt auf blindes Vertrauen zwischen Mensch und Tier an.

Dann geht es los: Thomas Holz legt vor der Mauer ein zu hohes Tempo vor. Und lässt Capt’n Joe keine Chance, in die Höhe zu steigen. Die hölzernen Mauerteile purzeln durcheinander. Mit mehr Ruhe meistert Wargers auf ihrer erst achtjährigen Stute den Stechparcours. Stroman und Regter schaffen es noch souveräner über die Mauer. „Da war noch jede Menge Luft“, staunen die Reitexperten im Parcourszelt.

Drei Starter sind für das zweite Stechen übrig. Doch Wargers verzichtet. Sie möchte ihrem jungen Pferd die Anstrengung nicht weiter zumuten. Die Mauer ist nun 1,95 Meter hoch, die Trippelbarre misst 1,65 mal zwei Meter. Für Amke Stroman und Kalahari ist das immer noch kein Problem – obwohl die Stute zum ersten Mal im Mächtigkeitsspringen antritt. Das Publikum ist begeistert. Stroman ist schon längst wieder auf dem Abreiteplatz, da hört sie aus der Ferne, wie ihre Konkurrentin patzt. Regters Pferd Now it’s Time berührt den obersten Baustein der Mauer, der Klotz schwankt – und fällt.

„Ich bin superglücklich“, sagt Siegerin Stroman, die aus Eiterfeld bei Fulda kommt und früher auch mehrere Jahre für den Metelener Stall Becker geritten ist. Und was macht sie nun mit ihrem Herrenrad? „Vielleicht schenke ich es meinem Chef“, plant Stroman. Der ist der bekannte Springreiter Ralf Litz. „Oder ich tausche es um“, meint sie – und radelt davon.

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