Deutsche Futsal-Nationalmannschaft
Große Sache mit kleinem Ball

Ochtrup -

Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat eine Futsal-Nationalmannschaft ins Leben gerufen. Trainer der Hallenfußballer wird der Ochtruper Paul Schomann. Im April 2016 sollen die ersten Länderspiele stattfinden, 2017 steht die EM-Qualifikation auf dem Plan. Im WN-Interview äußerte sich der Töpferstädter zu den Zielen und Aufgaben, die er in seiner neuen Position verfolgt.

Dienstag, 08.12.2015, 14:12 Uhr

Paul Schomann (M.) will sich einen schlagkräftigen Kader für die im Januar 2017 beginnende EM-Qualifikation zusammenstellen.
Paul Schomann (M.) will sich einen schlagkräftigen Kader für die im Januar 2017 beginnende EM-Qualifikation zusammenstellen. Foto: Weiß

Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat auf seiner jüngsten Sitzung in Düsseldorf entschieden, eine Futsal-Nationalmannschaft zu gründen. Den Trainerposten übernimmt der Ochtruper Paul Schomann. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Marc Brenzel sprach der 64-Jährige über seine neue Aufgabe und die Ziele, die der DFB verfolgt.

Herr Schomann, herzlichen Glückwunsch. Sie sind der erste deutsche Futsal-Nationaltrainer in der Geschichte des DFB. Welche Aufgaben sind mit dieser neuen Funktion verbunden?

Paul Schomann: Im Prinzip ist das keine neue Funktion, sondern die Fortsetzung von dem, was ich vorher schon gemacht habe. Zu meinem Tätigkeitsbereich als DFB-Trainer gehört bereits seit 2010, dass ich den Futsal begleite.

Was hat sich denn seit dem Präsidiumsbeschluss am Freitag verändert?

Schomann: Dass jetzt mit Beginn des Jahres 2016 offiziell eine Futsal-Nationalmannschaft ins Leben gerufen wird. Zudem ist ein Etatposten mit nicht unerheblichen finanziellen Mitteln geschaffen worden, um die ersten Länderspiele und Fördermaßnahmen zu gewährleisten. Wir wollen die Entwicklung des Futsals jetzt intensiv in Angriff nehmen. Diese Variante des Hallenfußballs ist in anderen Ländern ex­trem populär, steckt bei uns aber noch in den Kinderschuhen. In Deutschland gibt es nur rund 200 Teams.

Wie sieht der Plan des DFB denn konkret aus?

Schomann: Wir möchten semiprofessionelle Strukturen aufbauen, um den leistungsorientierten Futsal zu etablieren. Heute spielen die meisten Futsaler zudem noch auf dem Feld und trainieren vielleicht nur einmal in der Woche in der Halle. Wir wollen mehr Spezialisten, die sich vier bis sechs Mal pro Woche dem Futsal zuwenden. Außerdem wäre es begrüßenswert, wenn wir eine Bundesliga mit vielleicht 14 Vereinen gründen könnten, damit das Wettkampfniveau steigt. Bislang organisieren sich die Futsaler in regionalen Ligen, denen ein Final-Four-Turnier um die Deutsche Meisterschaft angeschlossen ist.

Wann sollen die ersten Länderspiele stattfinden?

Schomann: Mitte April, direkt nach dem Final Four. Bei diesem Termin orientieren wir uns auch an den Wünschen von Sport 1, der Sender möchte die Spiele übertragen. Als Gegner hat sich die Schweiz angeboten, der Austragungsort steht noch nicht fest.

Welches Gesicht wird die Futsal-Nationalmannschaft haben?

Schomann: Wir sichten beim Länderpokal im Januar, bei dem alle 21 Landesverbände vertreten sind. Danach folgen weitere Lehrgänge. Wir werden einen erweiterten Kader von 25 bis 30 Spielern haben.

Wer ist wir?

Schomann: Mein Trainerstab und ich. Wendelin Kemper vom UFC Münster und Daniel Gerlach von den Futsal Panthers Köln sind Co-Trainer, Fred Michalsky kümmert sich um die Torhüter. Alle drei sind absolute Fachmänner, was den Futsal angeht.

Wie lassen sich die sportliche Ziele definieren?

Schomann: Im Januar 2017 beginnt die Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 in Slowenien. Da wir bislang noch keine Spiele bestritten haben, fangen wir ganz unten mit der Vorqualifikation an. Der DFB ist einer der letzten Verbände in Europa, die eine Futsal-Nationalmannschaft ins Leben gerufen haben. Wir sind uns bewusst, dass wir am Anfang wohl Lehrgeld zahlen müssen, aber wir gehen die Aufgabe offensiv und positiv an.

Was finden Sie persönlich eigentlich so reizvoll am Futsal?

Schomann: Das ist die Hallenfußballvariante, die dem Spiel auf dem Feld am nächsten kommt. Unter diesem Gesichtspunkt ist sie auch sehr interessant für die Talentförderung. Futsal steht für technisch sauberen Fußball, hohes Tempo, viele Torraumszenen, raffinierte Spielzüge und Handlungsschnelligkeit auf engstem Raum.

Sie sind auch Vorsitzender des SC Arminia Ochtrup, dessen Jugendfußballabteilung immer Ende Januar den Volksbankcup veranstaltet – eines der größten Hallenturniere für U 15-Fußballer, bei dem sich der Bundesliga-Nachwuchs die Klinke in die Hand gibt. Da wird aber noch mit Bande gespielt, die es beim Futsal ja nicht gibt. Wieso?

Schomann: Der Volksbankcup ist ein über die Jahre gewachsenes Turnier, bei dem die Spieler über eine so überdurchschnittliche Technik verfügen, dass sie die Bande als Hilfsmittel nicht brauchen. Zudem bedarf es bei einem Turnier dieser Größenordnung auch eines Entgegenkommens an die Teilnehmer. Und momentan ist es eben so, dass elf von zwölf Vereinen lieber noch mit Bande spielen.

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