Vereine verkaufen Geisterspiel-Tickets
Gespenstisches Vergnügen in Ochtrups Stadien

Ochtrup -

Keine Fußballspiele, keine Zuschauer, keine Einnahmen – darauf hat Jan Holtmann keine Lust. Dem Vorstandsmitglied der SpVgg Langenhorst/Welbergen kam eine besondere Idee: Geisterspiel-Tickets. Das sind Eintrittskarten für Partien, die gar nicht stattfinden. So soll ein bisschen Geld in die Kassen kommen. Und noch ein anderer Verein aus der Töpferstadt macht da mit.

Montag, 11.05.2020, 14:28 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 16:44 Uhr
Jan Holtmann war bei der SpVgg Langenhorst/Welbergen der Initiator der Geisterspiel-Ticket-Aktion. Passend dazu werden im Vechtestadion auch Geisterspiel-Stadionwurst und Geisterspiel-Bier angeboten.
Jan Holtmann war bei der SpVgg Langenhorst/Welbergen der Initiator der Geisterspiel-Ticket-Aktion. Passend dazu werden im Vechtestadion auch Geisterspiel-Stadionwurst und Geisterspiel-Bier angeboten. Foto: SpVgg

Keine Spiele, keine Zuschauer, keine Einnahmen – den durch den Corona-Virus bedingten Abbruch der Fußballsaison bekommen auch die Amateurvereine zu spüren. Doch die Not macht erfinderisch, und so haben sich die beiden Ochtruper Kreisligisten SpVgg Langenhorst/Welbergen und FC Schwarz-Weiß Weiner etwas Besonders ausgedacht: Sie verkaufen Geisterspiel-Tickets. Das sind Eintrittskarten für Meisterschaftsspiele, die gar nicht stattfinden.

Die Idee dazu hatten die beiden Regionalligisten ­ Kickers Offenbach und Lok Leipzig. Mit dem Erwerb der ­Tickets bekunden die Fans ihre Solidarität zum Verein und unterstützen diesen so finanziell in schwierigen Zeiten.

Initiator der Idee bei den Lan­genhorstern ist Jan Holtmann . Der 22-Jährige ist Vorstandsmitglied, Platzkassierer, Platzwart und Kapitän der dritten Mannschaft in Personalunion. Er weiß also genau, wie tief die corona-bedingten finanziellen Einschnitte sind. „Mal abgesehen vom Eintrittsgeld – bei den Heimspielen unserer ersten Mannschaft geht immer gut was durch“, verweist Holtmann auf über 100 verkaufte Würstchen und diverse Getränke in Flaschen- und Kistenform pro Partie.

In den sozialen Medien – auf Facebook und Instagram – wirbt die SpVgg für den Kauf von Geisterspiel-Tickets. Und nicht nur dafür. Um den virtuellen Besuch im Vechtestadion zu einem echten Erlebnis zu machen, können Geisterspiel-Stadionwurst, Geisterspiel-Limo und eine Kiste Geisterspiel-Bier erworben werden. „Jeder kann Stückzahl und Preis selbst bestimmen und uns die Summe dann überweisen“, erklärt Holtmann.

Rund 200 Euro sind dabei in die Kasse des Vereins gekommen. „Wir hoffen, dass das mehr wird und wollen daher zusätzliche Werbung für unsere Geisterspiele machen“, plant Holtmann. „Wir lassen das noch einen oder zwei Monate so laufen. Dann sollte es ja irgendwann auch mit dem richtigen Fußball wieder losgehen.“

Die technische Unterstützung bei der Umsetzung dieses Projektes bekommen die Ochtruper vom TC Freisenbruch. Der Kreisligist aus Essen war der erste echte Amateurclub, der Geisterspiel-Tickets anbot. Da der Verein aus der Ruhrgebietsmetropole digital bestens aufgestellt ist, kam ihm schnell die Idee, anderen Vereinen der gleichen Größenordnung bei den Geisterspielen zu helfen. Und das ohne übliche Einrichtungs- oder Systemgebühren. Lediglich die Betriebskosten inklusive anfallender Steuern rechnen die Essener ab. Zahlreiche Fußballvereine sind mittlerweile an Bord, deutschlandweit ist dabei eine Summe von über 230 000 Euro zusammen gekommen.

„Das ist eine sehr gute Sache, die da ins Leben gerufen wurde“, findet Tobias Bußmann , Vorsitzender des FC SW Weiner. „So kommt ein bisschen was in die Kasse. Das ist auch nötig, denn die Platzpflegekosten laufen ja auch weiter.“

Während die Langenhorster weiterhin Geisterspiel-Tickets im Verkauf haben, hat die Weiner die Aktion nach fünf Wochen eingestellt. Bußmann zeigt sich zufrieden: „Gut, am Ende wurde es ein bisschen weniger, aber insgesamt haben wir 450 Euro eingenommen. Das ist doch was.“

Spannend: Die Schwarz-Weißen hatten neben Wurst, Bier und Eintrittskarte noch ein breiteres Portfolio. Wer wollte, konnte sich für „Goleone“, die berühmte Doppeldecker-Bratwurst im Brötchen entscheiden oder für 15 Euro den Schiedsrichter anpöbeln. „Ein Spender hat das sogar gemacht“, schmunzelt Bußmann über ausnahmsweise gern gesehene Schiri-Schelte.

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