Ochtruper Philip Fontein hat zwei Jahre für Schalkes U23 gespielt
Gereift in der Knappenschmiede

ochtrup -

Nach zwei Jahren ist für Philip Fontein das Abenteuer Schalke 04 vorbei. Der Mittelfeldspieler erhält bei den „Knappen“ keinen neuen Vertrag mehr. Der angehende Lehrer erlernte das fußballerische Einmaleins bei Arminia Ochtrup.

Dienstag, 07.07.2020, 15:58 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 15:24 Uhr
Ochtruper Philip Fontein hat zwei Jahre für Schalkes U23 gespielt: Gereift in der Knappenschmiede
Foto: Sven Rapreger

Nach zwei Jahren ist für Philip Fontein das Abenteuer Schalke 04 vorbei. Der Mittelfeldspieler erhält bei den „Knappen“ keinen neuen Vertrag mehr. „Mit 26 Jahren zählt man in der U23 schon als alt“, sagt der gebürtige Ochtruper. Der angehende Lehrer erlernte das fußballerische Einmaleins bei Arminia Ochtrup, weitere Stationen in der Jugend waren der FC Twente Enschede, Preußen Münster und FCE Rheine, wo er sechs Jahre in der Oberliga-Mannschaft spielte, ehe es durch konstant starke Leistungen in die Knappenschmiede ging.

 

Zwei Jahre beim FC Schalke 04 endeten jetzt am 30. Juni. Haben Sie schon einen neuen Verein?

Fontein: Nein, im Moment ist noch nichts fix. Es kommen zwar Anfragen herein, ich höre mir Angebote an, aber irgendwo neu unterschrieben habe ich noch nicht.

Wie hat man Ihnen die Trennung mitgeteilt?

Fontein: Während der Corona-Zeit habe ich mit Teammanager Gerald Asamoah schon mal locker per Videocall gesprochen. Die endgültige Entscheidung, nicht mit mir verlängernzu wollen, kam dann relativ kurzfristig. Schalke hatte für seine U 23 schon die Zusage von drei älteren Spielern, da war dann klar, dass sie einen weiteren ältereren Spieler nicht mehr verpflichten würden. Da war ich dann quasi der Leidtragende, denn mit 26Jahren zählt man bei einer U 23 schon als alt. Es ist aber alles vernünftig und fair abgelaufen. Mit Gerald Asamoah habe ich ein super Verhältnis, er ist ein sehr entspannter Typ, zu dem man mit allen Anliegen kommen kann. Ich kann komplett verstehen, dasser den Spielern, die den Verein verlassen müssen, erst jetzt die Entscheidung mitgeteilt hat. An der Verzögerung hat die Corona-Krise den größten Anteil.

Haben Sie einen schönsten Moment, denn Sie mit Ihrer Zeit in Gelsenkirchen verbinden?

Fontein: Aus Sicht meiner damaligen U 23-Mannschaft war das ganz klar der Aufstieg in die Regionalliga im Sommer 2019. Für mich persönlich der schönste Moment oderbesser gesagt Abschnitt war die Zeit bei den Profis. Im Testspiel habe ich vor 42000 Zuschauern gegen Zenit St. Petersburg gespielt und gehörte zum Bundesligakader für die Partie gegen Bayer Leverkusen. Da konnte man wirklich nicht mit rechnen, als ich damalsvom FC Eintracht Rheine nach Gelsenkirchen gewechselt bin.

Warum hat es aus Ihrer Sicht nicht gereicht, dauerhaft dem Bundesligakader anzugehören?

Fontein: Unter dem damaligen Profitrainer Domenico Tedesco war ich die ganze Zeit im Bundesligakader. Ich habe viele Gespräche mit ihm geführt, er hat mich im Trainingoft beiseitegenommen und mir viele Tipps gegeben, wie ich welche Situation besser lösen kann. Oft war ich der 18. oder 19. Spieler auf der Kaderliste, klar ist aber auch, wenn zum Beispiel ein Spieler wie Suat Serder aus einer Verletzung zurückkommt, dassder Trainer ihn dann mit zum Spiel nimmt, anstatt mich. Vielleicht fehlte mir einfach ein Stück weit auch das Glück, aber daran lag es natürlich nicht nur. Nach der Entlassung von Tedesco ging es für mich unter Huub Stevens erstmal wieder zurück in die U 23.Ich habe mich zwar dann wieder ins Blickfeld gespielt und wieder „oben“ mittrainiert, das war aber schon so ein kleiner Dämpfer in meiner Karriere. Wer weiß wie es ausgesehen hätte, wenn ich durchgängig im Profikader trainiert hätte?

Rückwirkend betrachtet, was war der größte Unterschied zur Oberligazeit in Rheine und der Zeit beim S04, wo Sie in der Oberliga gestartet und im ersten Jahr direktin die Regionalliga aufgestiegen sind?

Fontein: Der größte Unterschied ist sicherlich die Professionalität, mit die der Club geführt wird. Verstehen Sie mich nicht falsch: Der FCE ist für einen Oberligistensehr gut aufgestellt mit dem Trainer, dem Physiotherapeuten und all dem drumherum. Aber bei Schalke ist alles drei Nummern größer und viel mehr professionalisiert. Da gibt es quasi für jedes Körperteil einen eigenen Physiotherapeuten, die Plätze werden jedenTag gewässert und sind immer Top in Schuss, und wir hatten eine eigene Fitnesshalle. Zumal machen sich die Verantwortlichen ganz genaue Gedanken, welchen Spieler man holt und wie der dann integriert und aufgenommen wird.

Sie sind erst 26 Jahre alt, wollen Sie noch einmal im Profifußball angreifen oder konzentrieren sie sich auf Ihren Job als angehender Lehrer?

Fontein: Ich möchte auf jeden Fall noch einmal im Profibereich angreifen, das war von vorneherein mein Plan. Ich habe mir für mein Lehramtsstudium aber keine Urlaubssemestergenommen, sondern überlegt, wann ich wie welche Klausuren schreiben kann. Alle Arbeiten konnte ich aber nicht mitschreiben, weil mich David Wagner (Trainer des Bundesligakaders, d. Red) zum Beispiel im vergangenen Sommer mit ins Trainingslager nach Mittersillin Österreich genommen hat.

Haben Sie als Spieler der 2. Mannschaft die Krise des Bundesligaclubs (16 Spiele in Folge ohne Sieg) mitbekommen? War das Klima ein anderes rund ums Berger Feld?

Fontein: Es gab schon vor der Corona-Pandemie ein paar Spiele, die nicht so berauschend waren. Ich war in der jetzt abgelaufenen Saison immer mal wieder „oben“ dabei,in diesen Zeiten hat man schon gemerkt, dass die Stimmung vor den Spielen etwas angespannter war und man hat gespürt, dass die Niederlagen irgendwann weh tun. Aber in der U 23-Mannschaft hat man das eher weniger mitbekommen, zumal wir während der Corona-Zeitstrikt von den Profis getrennt waren und man fast nur noch Kontakt über die sozialen Medien gehalten hat.

Verfolgen Sie noch das Abschneiden ihres alten Vereins FC Eintracht Rheine?

Fontein: Ja, da bin ich auf jeden Fall noch hinterher. Ich habe lange Zeit dort gespielt und mich wirklich gefreut, das der FCE so gut abgeschnitten hat. Im jetzigenKader stehen aber nicht mehr so viele Spieler, mit denen ich damals noch zusammen gespielt habe.

Gibt es noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Fontein: Mit Philipp Brüggemeyer bin ich noch in sehr engem Kontakt. Er ist zum super Freund, eine wichtige Persönlichkeit in meinem Leben, geworden.

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