Arminia-Handballer landen vor 35 Jahren einen Riesencoup
Die Löwen von Ochtrup

Ochtrup -

Was war das für eine Mannschaft, die 1986 Ochtruper Handball-Geschichte geschrieben hat! Fast nur aus waschechten Eigengewächsen bestehend, gelang dem SC Arminia völlig überraschend ein echter Coup – der Aufstieg in die Verbandsliga. Der wurde am vorletzten Spieltag mit einem Heimsieg über den TV Borghorst perfekt gemacht. Der Trainer und der Kapitän von damals erinnern sich noch gut an eine wunderbare Zeit.

Mittwoch, 30.12.2020, 14:06 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 12:34 Uhr
Arminia Ochtrups Handballer werden Landesliga-Meister (h.v.l.): Heinz Brüning (Spielwart), Bernhard Patte (Abteilungsleiter), Ralf Wicher, Franz-Josef Wilp, Jürgen Lenz, Hermann Beckmann, Hans Schürmann, Josef Kohl, Herbert Nießing (Trainer) sowie (v.v.l.): Max Wörmann, Rolf Koßmann, Manfred Kuiper, Andreas Bartsch, Frank Hartwig, Armin Blech, Franz Göbel und Manfred Wiggenhorn (Betreuer).
Arminia Ochtrups Handballer werden Landesliga-Meister (h.v.l.): Heinz Brüning (Spielwart), Bernhard Patte (Abteilungsleiter), Ralf Wicher, Franz-Josef Wilp, Jürgen Lenz, Hermann Beckmann, Hans Schürmann, Josef Kohl, Herbert Nießing (Trainer) sowie (v.v.l.): Max Wörmann, Rolf Koßmann, Manfred Kuiper, Andreas Bartsch, Frank Hartwig, Armin Blech, Franz Göbel und Manfred Wiggenhorn (Betreuer). Foto: Tageblatt Ochtrup

Vor 35 Jahren wurde eines der größten Kapitel in der Ochtruper Sportgeschichte geschrieben. Im Mittelpunkt standen die Arminia-Handballer, die in der Saison 1985/86 für einen echten Coup sorgten – den Aufstieg in die Verbandsliga, der damals vierthöchsten Klasse. „Eine ganz wunderbare Zeit“, gerät Hermann Beckmann , der Kapitän von einst, noch heute ins Schwärmen.

Gelenkt wurde die Truppe von Abteilungsleiter Bernhard Patte und Trainer Herbert „Hadschy“ Nießing . Beide feiern im kommenden Jahr ihren 75. Geburtstag. Der eine ein Organisator, der es verstand, zu integrieren und für Zusammenhalt zu sorgen. Der andere ein Taktiker mit psychologischem Feingefühl. Das fiel bei der Mannschaft auf fruchtbaren Boden. „Ein Team mit einer hohen sozialen Kompetenz“, hat Nießing noch genau vor Augen, was für einen eingeschworenen Haufen er da trainierte. Der überwiegende Teil des Kaders waren waschechte Ochtruper, vor der Spielzeit kamen Rechtsaußen Franz Göbel aus Gronau und Hans Schürmann aus der Reserve dazu. Das reichte, denn „die Mannschaft war gewachsen“, so Nießing, der zwei Jahre zuvor mit dem SCA den Sprung in die Landesliga geschafft hatte.

„Das erste Jahr ging es darum, drin zu bleiben, im zweiten wollten wir eigentlich nur gucken“, dreht Nießing das Rad der Zeit zurück. Im oberen Drittel hinter den stark eingeschätzten Teams aus Münster und Hamm-Heesen zu landen – das schien machbar. Aber der Aufstieg?

„Die Substanz für die Saison haben wir uns in der Metelener Heide geholt“, legte Nießing Wert auf eine stimmige Physis. Und das zahlte sich aus, denn in der Heide wurden echte Kämpfer geformt. „Wir haben so gut wie kein Spiel hoch gewonnen, aber uns zeichnete diese Gier aus. Wir haben gekämpft wie die Löwen. Hinten standen wir immer richtig gut, und vorne sind wir voll drauf. Egal, ob es was auf die Maske gab“, hat Beckmann den Verlauf der Saison noch gut vor Augen.

In sein Gedächtnis eingebrannt haben sich vor allem die Heimspiele, die sonntags um 18.30 Uhr angepfiffen wurden. „Schon eine halbe Stunde vor dem Beginn war die Halle mit 500, 600 Zuschauern proppevoll. Da war die Hölle los.“ „Das war schon was ganz Besonderes. Die meisten Gegner, zu deren Heimspielen vielleicht nur 50 Zuschauer kamen, kannten die Atmosphäre nicht. Ein klarer Pluspunkt für uns in einer ansonsten ungeheuer ausgeglichenen Liga“, bedankt sich Nießing jetzt noch beim Anhang.

Talent, Wille, Physis und vor allem eine sehr starke von Abwehrchef Rolf Koßmann organisierte Defensive waren die Faktoren, die den SCA in die Spitzengruppe der Landesliga hievten.

Am 12. April hatten sich die Töpferstädter den ersten Matchball erarbeitet. Ein Heimsieg gegen den Kreisrivalen TV Borghorst vorausgesetzt und eine gleichzeitige Niederlage von Marathon Münster bei Sparta Münster würden das Meisterstück perfekt machen. Und irgendwo hatte wohl auch ein guter Drehbuchautor seine Hände im Spiel, denn tags zuvor wurde Bernhard Patte 40 Jahre alt. „Jungs, macht mir das größte Geschenk“, weiß Beckmann noch ganz genau, was auf Pattes Wunschzettel ganz oben stand.

Gespielt wurde ausnahmsweise an einem Samstagabend, da an den letzten beiden Spieltagen alle wichtigen Partien zeitgleich ausgetragenen werden mussten. Für die Hausherren war das erstmal keine große Umstellung, denn nach zehn Minuten lagen sie mit 4:1 vorne. Doch nach einem verworfenen Siebenmeter und drei Fehlwürfen auf Ochtruper Seite stand es plötzlich 5:5. Dann jedoch mussten die Borghorster die Segel streichen. Eine einmal mehr eine bombastische Abwehrleistung und ein glänzend aufgelegter Frank Hartwig im Tor waren die Basis für den 22:20-Erfolg. Und die gleichzeitige 15:23-Pleite von Marathon bedeutete, dass sich der SC Arminia Ochtrup um 20.33 Uhr als Meister der Landesliga feiern durfte.

Die Gaststätte „Bi de Buer“ wurde zur Partyzentrale umfunktioniert. „Wir haben gefeiert, wie es junge Leute eben so machen. Als wir aufgehört haben, sind die ersten Leute schon zur Kirche gegangen“, kann sich Nießing noch gut daran erinnern, dass seine Jungs auch in Hälfte drei stark sein konnten. Insgesamt sieben Jahre coachte Nießing die Arminia-Handballer, ehe es für ihn zum damaligen Oberligisten Ibbenbüren ging. „Ich habe mich in Ochtrup immer richtig wohl gefühlt. Meine Kinder sind praktisch in der Halle groß geworden“, erklärt der Emsdettener.

Noch heute trifft sich ein großer Teil der Aufstiegshelden von damals regelmäßig. Aufgrund der erstklassigen Kontakte nach England auch als „Liverpool-Truppe“ bekannt, wird immer noch was unternommen. „Das war damals einen Bombenkameradschaft und ist es heute noch“, weiß Beckmann über die kämpfenden Löwen von Ochtrup zu berichten.

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