Fußball: Von harten Schuhen und schweren Bällen bis zum nassen Trikot
Früher hatte alles mehr Gewicht

kreis Steinfurt -

Beim Sportmaterial haben Forschung und Entwicklung immense Fortschritte gemacht, die den Athleten heutiger Tage das Schwitzen angenehmer machen oder das Radfahren bequemer und schneller. Die WN wollen in einer Serie darstellen, wie sich das Material – egal ob beim Fußball, im Radsport oder bei der Leichtathletik – in verschiedenen Sportarten verändert hat, damit der Sportler schneller wird, weniger schwitzt oder bessere Aufschläge setzen kann.

Freitag, 08.01.2021, 12:34 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 12:37 Uhr
Ob in Rot, Gelb oder klassisch Schwarz – mittlerweile sind Fußballschuhe – wie auf unserem Bild aus dem Jahr 2013 – in zig Varianten zu bekommen. Mal sind sie zum Schnüren, mal zum Reinschlüpfen, mit Erhöhung bis zum Knöchel oder ohne, auf jeden Fall sind sie im Vergleich zu den früheren Tretern um einiges leichter geworden, sehr viel leichter sogar. Und aus Leder sind sie auch nicht mehr.
Ob in Rot, Gelb oder klassisch Schwarz – mittlerweile sind Fußballschuhe – wie auf unserem Bild aus dem Jahr 2013 – in zig Varianten zu bekommen. Mal sind sie zum Schnüren, mal zum Reinschlüpfen, mit Erhöhung bis zum Knöchel oder ohne, auf jeden Fall sind sie im Vergleich zu den früheren Tretern um einiges leichter geworden, sehr viel leichter sogar. Und aus Leder sind sie auch nicht mehr. Foto: Vera Szybalski

Fußball – in kaum einer anderen Sportart – außer vielleicht der Formel 1 – ist die Veränderung bei Material und Ausrüstung augenfälliger als bei des Deutschen liebsten Sports. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass das Gekicke – zumindest auf national höchstem Niveau – via Bildschirm beinahe täglich in sämtliche Wohnstuben übertragen wird. Schuhe, Bälle, Trikots, Torwarthandschuhe – alles hat sich verändert und verbessert, ist leichter geworden und bequemer, lässt sich einfacher anziehen und – verschwitzt – abstreifen.

„Ich könnte mit Schuhen ohne Schnürsenkel gar nicht Fußball spielen“, äußerte sich jüngst der Trainer des SV Burgsteinfurt auf das Thema angesprochen. Christoph Klein-Reesink hat zwei Söhne, die, wie er selbst früher, beim SV Burgsteinfurt in einer Mannschaft spielen. Deren Schuhe haben keine Schnürsenkel mehr, man schlüpft einfach rein – wie in einen Pantoffel. „Wenn die Jungs nach Hause kommen, müssen sie ihre Schuhe nicht nur auspacken, sie müssen sie auch in der Garage stehen lassen. Die sind komplett aus Plastik“, deutet Klein-Reesink an, dass der Geruch der Treter im Haus gen unerträglich tendiert, wenn die Ausdünstung nach anderthalb Stunden Trainings – womöglich im Regen – nicht bei ständiger Luftzirkulation stattfindet.

Gab es ab Mitte der 1960er Jahre in Deutschland nur zwei Paar Schuhe, zwischen denen der junge Kicker wählen konnte – Adidas in der Ausführung „Uwe Seeler“ oder „Franz Beckenbauer“ – sind die Möglichkeiten heute geradezu unbegrenzt. Einerseits, weil sich die Zahl der Hersteller und Anbieter auf dem mittlerweile globalen Markt deutlich vergrößert hat, andererseits, weil die Modelle eine Vielzahl erreicht haben, die den Konsumenten manchmal verzweifeln lässt. Ganz abgesehen von der Farbauswahl, die das frühere Einheitsschwarz verdrängt hat. Aber mal ehrlich: Wer freiwillig Fußballschuhe in Pink trägt, dem ist nicht zu helfen.

Selbstverständlich ist auch bei den Jerseys die Zeit nicht stehen geblieben. Waren die Trikots bis zum Anfang der 1970er Jahre noch aus Baumwolle, sind sie heute aus Polyester. Vorteil: leichter, atmungsaktiv und pflegeleicht. Wer erinnert sich schon gern an die Baumwollzeiten zurück, als die Klamotten nach dem Spiel, triefend vor Schweiß, am Körper klebten und kaum ausziehen waren. Und wenn es während der 90 Minuten Kickerei auch noch geregnet hatte, kam das Problem des Gewichts hinzu. In Kombination mit den alten Lederschuhen, die bei Regen natürlich auch Wasser zogen, war der Spieler locker um ein Kilo schwerer als vor dem Anstoß.

Auch der Ball, wahrlich nicht mehr das runde Leder von 1954, ist heute aus Kunststoff und bunt. Das Schwarz-Weiß aus den Anfangstagen der Bundesliga 1963 ist passé. Originale Schuhe aus den 50er Jahren oder einen Ball aus derselben Zeit inklusive einer Person, die damit gespielt hat, sind heutzutage kaum mehr aufzutreiben. Zeitzeugen wie Norbert Steiner (ehemaliger Vorsitzender von Preußen Borghorst) oder Klaus Drunkenmölle (SG Burgsteinfurt), beide bereits in den Achtzigern, besitzen ihre alten Treter nicht mehr. „Die haben wir damals bei einer Fahrt mit den Alten Herren, das war in den 80er Jahren, in Chicago im Eriesee versenkt“, lacht Drunkenmölle am Telefon los, als er an seine Schuhe erinnert wird.

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