Handball: Ochtruper messen sich mit dem VfL Gummersbach und Co.
Die Zeit der großen Namen

Ochtrup -

Heiner Brand in Ochtrup? Kein Witz, der ehemalige Bundestrainer der Deutschen Handballnationalmannschaft war tatsächlich mal in der Töpferstadt zu Gast und spielte gegen den SC Arminia. Ist allerdings lange her.

Dienstag, 26.01.2021, 14:24 Uhr aktualisiert: 27.01.2021, 15:31 Uhr
Am 17. Februar 1984 gab die ungarische Handball-Nationalmannschaft (rote Trikots) ihr Stelldichein in Ochtrup.
Am 17. Februar 1984 gab die ungarische Handball-Nationalmannschaft (rote Trikots) ihr Stelldichein in Ochtrup.

Kaum zu glauben, aber Ochtrup war mal die Bühne für einige der größten Handballer der Welt. Erhard Wunderlich, Alfred Gislason oder Peter Kovacs gaben alle einmal ihre Visitenkarte in der Töpferstadt ab. Möglich machte das eine Serie von Spielen, die der SC Arminia zwischen 1977 und 1988 gegen eine Reihe international renommierter Mannschaften bestritt.

Insgesamt 14 Mal kam es zu dem Vergleich „David gegen Goliath“. Den Auftakt machte am 18. September 1977 der Vergleich zwischen den Arminen und dem schwedischen Meister HK Drott Halmstad. Mit sieben Nationalspielern waren die Skandinavier angereist und entschieden das ungleiche Duell mit 28:13 für sich.

Ein gutes Jahr später stellten sich Ungarns Pokalsieger Volan SC Szeged vor und begeisterte 600 Zuschauer mit feinster Handballkunst. 35:25 setzten sich die Osteuropäer durch. Am 4. Januar 1979 wurde es exotisch, als Kanadas Nationalmannschaft – immerhin Olympia-Teilnehmer – gegen den SCA mit 15:14 gewann.

„Dem Verein ging es darum, Werbung für den Handball zu machen und gleichzeitig den Leuten etwas zu bieten“, erklärt Manfred Wiggenhorn , Urgestein der Handballabteilung.

Die Kontakte zu den Teams wurden teils über private Kontakte hergestellt, teilweise wurde auch ein Spielvermittler zwischengeschaltet. Der saß in Kassel und hatte vor allen Dingen zu den Vereinen aus dem Ostblock einen exzellenten Draht. So war Honved Budapest gleich zwei Mal zu bewundern. Und das mit echten Superstars wie dem WM-Torschützenkönig von 1978, Peter Kovacs, oder dem damals vielleicht weltbesten Linksaußen Josef Kenyeres. Den Sportlern aus der Puszta gefiel es in Ochtrup so gut, dass im Februar 1984 sogar ihre Nationalmannschaft ein Stelldichein hier gab.

Zwei Mal, 1979 und 1983, kreuzte der VfL Gummersbach in Ochtrup auf. Rolf Kossmann erinnert sich noch genau an die Partien, in denen er es, im Mittelblock verteidigend, mit dem späteren Bundestrainer Heiner Brand zu tun bekam: „Das war schon eine echte Granate. Da war die Halle rappelvoll, ich tippe mal auf 800 Zuschauer.“ Kein Wunder, denn die Gummersbacher reisten 1983 als amtierender Europapokalsieger der Landesmeister an. „Solche Mannschaften hast Du selbst im Fernsehen nicht oft gesehen. Und die dann sogar mal live in der Halle zu sehen, dass hat den Reiz ausgemacht“, denkt Wiggenhorn gerne an die „Promi-Spiele“ zurück.

Was die großen Stars auszeichnete, das war die Seriosität, mit der sie auftraten. „Ein Mix aus ernstem Handball, gespickt mit technischer Raffinesse. Dabei kam nie der Eindruck auf, dass sie uns auf den Arm nehmen wollten“, hat Kossmann die Vergleiche mit den Spitzenteams noch genau vor Augen. Dass Gummersbach 1983 zu Besuch war, ist auf VfL-Trainer Herbert Wittchen zurückzuführen. Der wohnte in Emsdetten und war mit SCA-Coach Herbert Nießing befreundet.

Gut gefüllt bis voll war die Halle I des Schulzentrums fast immer, wenn sich die Profis die Ehre gaben. Nur der Bundesligist MTSV Schwabing schaffte es 1983 nicht, richtig Publikum anzulocken. „Das mag daran gelegen haben, dass wir im Hochsommer gespielt und die Leute was besseres zu tun hatten“, mutmaßt Wiggenhorn. Ende der 80er Jahre klangen die Vergleiche mit den bekannten Gästen aus. Und dafür kamen Teams aus dem hohen Norden, nämlich aus Island. Der UBK Breidablik weilte 1986 für ein Trainingslager in Och­trup. Zwei Jahre später kamen Alfred Gislason und der KRV Reykjavik.

„Die Spiele wurden damals über die Eintrittsgelder und Werbung finanziert. Heute wäre das undenkbar. Wenn die Rhein-Neckar Löwen kommen würden, wäre das doch gar nicht zu bezahlen“, rechnet Manfred Wiggenhorn. Er glaubt, dass Spiele dieser Art auch aus der Mode gekommen sind. „Die Leute wollen den Kampf um Punkte sehen und nichts anderes. Wenn wir gegen den TV Emsdetten spielen würden, würde das kaum interessieren. Ich tippe mal, die Halle wäre nur halb so voll wie bei einem Meisterschaftsspiel.“

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