Fußball: Umfrage
Videobeweis spaltet die heimische Trainerzunft

Telgte/Ostbevern/Westbevern -

Beim Confed-Cup in Russland wird der Videobeweis getestet. Die WN haben die Trainer der SG Telgte, des BSV Ostbevern und des SV Ems Westbevern nach ihrer Ansicht zu dieser Neuerung befragt. Die Meinungen gehen weit auseinander.

Donnerstag, 29.06.2017, 06:06 Uhr

Der Videobeweis wird beim Confederations-Cup in Russland getestet.
Der Videobeweis wird beim Confederations-Cup in Russland getestet. Foto: dpa

Beim Confederations-Cup in Russland haben derzeit Video-Schiedsrichter das letzte Wort. Wann immer es um strittige Torentscheidungen, Elfmeter, Feldverweise oder Verwechslungen geht, werden die Unparteiischen im Kontrollraum vor den Bildschirmen um ihre maßgebliche Meinung gefragt. In der Bundesliga soll dieses Verfahren in der nächsten Saison ebenfalls getestet werden. Die Westfälischen Nachrichten fragten heimische Fußball-Experten nach ihrer Meinung zu dieser Neuerung – mit überraschenden Ergebnissen.

„Ich hoffe, dass man nicht zu viel Salz aus der Suppe nimmt“, sagt Ems-Coach Ralf Hohmann . Er sorgt sich darum, dass der „Reiz vom Fußballspiel weggenommen wird. Man muss aufpassen, dass nicht alles zu elektronisch wird“. Hohmann meint: „Wenn man das Tor immer weiter aufmacht, wird irgendwann ein Scheunentor daraus. Dabei machen doch gerade die heiklen Diskussionen am Stammtisch den Fußball aus. Menschliche Fehler sind gar nicht so schlimm, die gleichen sich im Verlauf einer Saison immer wieder aus.“

Sebastian Wende

Sebastian Wende Foto: Biniossek

Ähnlich kritisch sieht auch sein Kollege auf der Ostbeverner Trainerbank den Einsatz moderner Technik im Lieblingssport der Deutschen. „Man sollte sie weglassen, ich halte nix davon. Es gibt sonst zu viele Eingriffe von außen“, so Sven Frommer. „Von der Idee her ist es ja gut, aber wollen wir das wirklich? Was bleibt dann noch von der Fußball-Kultur?“ Gleichwohl ist auch dem BSV-Übungsleiter klar: „Es ist zu viel Geld im Spiel. Deshalb sollten die Entscheidungen schon korrekt sein. Es ist gut, wenn Ungerechtigkeiten rauskommen, aber sie werden nicht aufhören.“

Unter dem Eindruck der fragwürdigen Roten Karte gegen Kamerun im Match gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kommen auch Sebastian Wende Zweifel am Einsatz der neuen Oberschiedsrichter: „Ich bin zwiegespalten. Wenn man das Spiel gesehen hat, muss man schon sagen, dass es zur Farce werden kann. Fehlentscheidungen nach Videobeweis gehen ja gar nicht. Da muss nachjustiert werden. Andererseits geht es um viel Geld, da kommt man um den Einsatz des Video-Schiedsrichters wahrscheinlich nicht herum. Die Hand Gottes wäre jedenfalls nicht passiert, wenn es ihn damals schon gegeben hätte. Egal, wie man’s macht, macht man‘s wahrscheinlich nicht richtig.“

Man darf Fehler machen, aber es gibt zu viele Fehlentscheidungen.

BSV-Trainer Andrew Celiker

Mario Zohlen räumt ein, er habe „anfangs befürchtet, dass der Spielfluss verloren geht. Aber es hat ja keine Riesenunterbrechungen gegeben, das geht ja doch zügig.“ Für den Telgter Coach, der nur wenige Spiele vom Confed-Cup gesehen hat, ist wichtig, dass klar geregelt ist, in welchen Fällen die Fernsehbilder herangezogen werden und dass die dort getroffenen Entscheidungen auch akzeptiert werden.

Andrew Celiker 

Andrew Celiker  Foto: Biniossek

Klarster Befürworter der Videotechnik ist BSV-Damentrainer Andrew Celiker. Als Amerikaner kennt er den Einsatz dieses Hilfsmittels aus verschiedenen US-Profi-Sportarten. So hat beim American Football jeder Chefcoach pro Begegnung mehrfach die Möglichkeit, eine Videokontrolle der soeben von den Referees getroffenen Entscheidung zu verlangen. Mit positivem Auswirkungen auf die Matches, wie er festgestellt hat. „In wichtigen Spielen braucht man den Video-Schiedsrichter. Ich finde ihn gut. Man darf Fehler machen, aber es gibt zu viele Fehlentscheidungen, die die Spiele verändern. Das ist nicht fair.“

Fünf Experten, fünf teilweise sehr unterschiedliche Ansichten zur Neuerung im Profi-Fußball. Gemeinsam ist ihnen, dass sie als Amateur-Trainer mit dem Video-Schiedsrichter persönlich kaum in Kontakt kommen werden. Gleichwohl verfolgen sie mit Interesse, ob sich der Videobeweis durchsetzen wird – wie die Torlinientechnik – oder ob er schon bald wieder in der Versenkung verschwindet wie seinerzeit das Golden Goal.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4964688?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F57553%2F
Nachrichten-Ticker