Fußball
Zweischneidiges Lieblingshobby – junge Schiedsrichter berichten

Ostbevern/Westevern/Telgte -

Schiedsrichter zu sein, ist eine alles andere als leichte Aufgabe – gerade dann, wenn die Emotionen auf dem Platz oder am Spielfeldrand überborden. Die Westfälischen Nachrichten wollten wissen, wie junge Unparteiische damit umgehen und welche Erfahrungen sie bislang gemacht haben.

Donnerstag, 26.07.2018, 20:00 Uhr

Der 17-jährige Leon Piochowiak aus Ostbevern bezeichnet die Schiedsrichterei als sein Lieblingshobby.
Der 17-jährige Leon Piochowiak aus Ostbevern bezeichnet die Schiedsrichterei als sein Lieblingshobby. Foto: Kock

Schiedsrichter zu sein, ist eine alles andere als leichte Aufgabe – gerade dann, wenn die Emotionen auf dem Platz oder am Spielfeldrand überborden. Da verlieren Spieler, Trainer, Eltern oder Zuschauer gerne mal die Beherrschung, Beschimpfungen, Beleidigungen oder in Ausnahmefällen sogar körperliche Übergriffe in Richtung Gegenspieler oder Referee landen immer wieder vor Spruchkammern verschiedener Fußballkreise. Die Westfälischen Nachrichten wollten nun wissen, wie junge Unparteiische mit solchen Gefahren umgehen und welche Erfahrungen sie bislang gemacht haben.

Leon Piochowiak ist 17 Jahre jung und pfeift seit Sommer 2017 Begegnungen von der D- bis zur A-Jugend. Hobbymäßig hat der Schüler am Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf aber schon seit seinem zwölften Lebensjahr Matches für seinen Heimatverein BSV Ostbevern geleitet. „Als ich selber noch gespielt habe, fand ich es immer schon interessant, wie die Regeln ausgelegt werden. Dann habe ich zugeschaut, wie ein Kumpel von mir den Schiedsrichterschein gemacht hat und mir gedacht: Das kannst du ja auch mal ausprobieren und es hat Spaß gemacht“, berichtet der Teenager von den Anfängen.

Seine bisherigen Erfahrungen sind gemischt. „Manchmal denkt man auf dem Gang in die Kabine oder auf dem Heimweg schon: Heute war ich nicht so gut. Jeder macht mal Fehler. Aber meistens habe ich ein gutes Gefühl dabei gehabt, die Spiele zu leiten.“ Wirklich drastische Szenen auf oder neben dem Platz hat der Ostbeverner noch nicht erlebt. „Ich versuche immer ruhig zu bleiben und erkläre den Spielern, wie ich es gesehen habe.“ Die Leitung des C-Jugendspiels zwischen dem DSC Arminia Bielefeld und dem SC Preußen Münster war sein bisheriges Highlight. Bei den B-Mädchen stand er als Assistent beim Regionalliga-Match zwischen der Warendorfer SU und Alemannia Aachen an der Linie. Piochowiak: „Ich habe schon den Ehrgeiz, mal höherklassige Spiele zu pfeifen. Es ist mein Lieblingshobby und ich denke, ich werde auch in zehn Jahren noch Schiedsrichter sein.“

Ein Vorbild in der eigenen Familie hat Antonius Eichholt zur Pfeife gebracht. „Mein Großvater Josef Eichholt war 50 Jahre als Schiedsrichter aktiv“, sagt der 16-jährige Westbeverner. „Werner Eicher hat mich dann darauf angesprochen. Er unterstützt mich, war bei den ersten Spielen dabei und stärkt mir den Rücken.“

Die Zahl seiner Einsätze hält sich bislang noch im überschaubaren Rahmen. „Das ist auch gut so, weil man dann immer mit einem klaren Kopf zum Spiel fährt“, berichtet der Schüler des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums in Telgte. „Man sollte das nötige Selbstvertrauen haben und zu Fehlentscheidungen stehen. Klar wird man mal von außen angemacht, aber dann muss man kühlen Kopf bewahren und weitermachen. Ich war schon überrascht, wie laut einzelne Trainer zu jungen Schiedsrichtern werden, aber als Unparteiischer sitzt man ja letztlich immer am längeren Hebel.“

Der Nachwuchsmann weiß aber auch von schönen Begebenheiten zu berichten: „Als es sehr heiß war, kam nach Ende des Spiels mal ein Offizieller zu mir und hat mir eine kalte Cola angeboten. Das war ganz nett.“ Ob er allerdings – wie sein Großvater – auch in fünf Jahrzehnten noch als Entscheider über die heimischen Fußballplätze läuft, da ist sich Antonius Eichholt nicht so sicher: „Ich mache es so lange, wie es mir Spaß macht.“

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