Reiten: Kontrollen jederzeit möglich
Schnelle Einsatzbereitschaft: Tierarzt auf ländlichen Turnieren

Ostbevern -

Auf einem ländlichen Turnier gilt für den Tierarzt eine schnelle Einsatzbereitschaft. Er muss in Notfällen zur Stelle sein, aber auch für unangekündigte Kontrollen der Pferde. „Die meisten Reiter haben ein gutes Gespür dafür, ob ihr Pferd fit genug ist“, sagt Dr. Marc Goldberg aus Ostbevern.

Samstag, 07.09.2019, 10:00 Uhr
Hier nur fürs Foto im Einsatz: Marc Goldberg, Tierarzt aus Ostbevern, mit dem Pferd Rosalie und seiner Tochter Antonia.
Hier nur fürs Foto im Einsatz: Marc Goldberg, Tierarzt aus Ostbevern, mit dem Pferd Rosalie und seiner Tochter Antonia. Foto: Aumüller

Es ist ja nicht so, dass Dr. Marc Goldberg nicht anpacken kann. Oder dass der Tierarzt aus Ostbevern nicht stressresistent ist. Aber gegen einen ruhigen Dienst bei einem Reitturnier hat er natürlich nichts einzuwenden. Man kommt mal mit Reitern und Pferdebesitzern ins Gespräch. Man kann sich in Ruhe den Sport anschauen. „Auf ländlichen Turnieren passiert zum Glück sehr wenig“, sagt Goldberg. Im regulären tierärztlichen Dienst erlebt er mitunter deutlich extremere Fälle.

Seit 2004 kümmert sich der heute 51-Jährige gemeinsam mit einer Berufskollegin bei den Sommerturnieren des RV Ostbevern und mittlerweile auch beim Vielseitigskeits-Event Cross Country Days (CCD) ums Tierwohl. Die „Tierärztliche Praxis Dr. Bockholt und Dr. Goldberg“ mit Sitz in Warendorf und Ostbevern übernimmt auch andere Turniere im Kreis Warendorf. Goldberg beschränkt diesen Sonderdienst auf die Pferdesport-Veranstaltungen in seinem Heimatort.

Anwesenheitspflicht

Bei internationalen Prüfungen wie den CCD sind zwei Tierärzte vor Ort, darunter einer von der Reitsport-Dachorganisation FEI (Fédération Equestre Internationale). Für die Tiermediziner gilt eine ständige Anwesenheitspflicht. Vor jeder Prüfung schauen sie sich alle Pferde an, kontrollieren die Identität des Vierbeiners und die Papiere, unter anderem nach den Impfungen.

Enge Zusammenarbeit

„Bei nationalen oder ländlichen Turnieren gibt es diese verpflichtenden Vorprüfungen nicht“, erklärt Goldberg. Dann ist nur ein Tierarzt auf dem Platz, für den eine schnelle Einsatzbereitschaft gilt. Das bedeutet, er muss innerhalb von zehn Minuten auf der Anlage sein. Bei diesen Turnieren arbeiten Arzt, Richter und der Vertreter der Kommission für Pferdeleistungsprüfung in Westfalen (KLW) eng zusammen. Lahmt ein Pferd oder ist es anderweitig offenkundig beeinträchtigt, greift der Tierarzt ein. Das letzte Wort, welche Maßnahme ergriffen wird, hat der KLW-Vertreter.

Dass die Offiziellen einschreiten müssen, „ist eher ungewöhnlich“, sagt Goldberg. „Die meisten Reiter haben ein gutes Gespür dafür, ob ihr Pferd fit genug ist.“ Das Verhältnis zum Sportpartner sei im Normalfall sehr innig.

Stichprobenartige Kontrollen

Aber auch auf ländlichen Turnieren gibt es die Maßgabe, stichprobenartig zu kon­trollieren. Das kann schon auf dem Hängerplatz passieren mit einer umfassenden Überprüfung inklusive Papiere. Aber auch bei einer x-beliebigen Prüfung, über die der KLW-Vertreter ohne Vorankündigung entscheidet. „Das ist auch ein Zeichen an alle Reiter, dass jederzeit auch ihr Pferd kon­trolliert werden kann“, sagt Goldberg. Der Arzt streicht dann zum Beispiel über das Fell unter dem Sattel, untersucht die Fesselbeugen oder schaut ins Maul. Beim Sommerturnier in Ostbevern wurden ungefähr 15 Pferde einer L-Springpferdeprüfung und 15 auf M-Niveau näher in Augenschein genommen. „Es gab nur ein paar Kleinigkeiten, auf die wir hingewiesen haben, vor allem am Maul – aber nichts zum Maßregeln oder für einen Ausschluss“, berichtet Goldberg.

Dopingtests

Auch bei ländlichen Turnieren werden Dopingproben durchgeführt. Ist innerhalb von 30 Minuten keine Urinabgabe möglich, nimmt der Tierarzt dem Pferd Blut ab. Welches Ross getestet wird, entscheidet der KLW-Vertreter. „Auch der Tierarzt weiß vorher nicht, wann es wen trifft“, so Goldberg.

Bei den RVO-Turnieren gab es in all den Jahren seit 2004 auch schon mal Pferdebesitzer, die uneinsichtig waren, dass ihr Vierbeiner ausgeschlossen wurde – und das auch deutlich zu erkennen gegeben haben. „Das ist aber die Ausnahme“, versichert Goldberg.

Bei aller Liebe zum Reitsport sagt der Familienvater: „Alle vier Wochen möchte ich das nicht machen. Es ist immer noch ein Wochen­end-Dienst und keine Freizeit.“ Der Doc weiß: „Auch der ruhigste Tag kann bei einem Unfall schnell zu einem megastressigen werden.“

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