Fußball: Kreisliga B2
Sprache und Sport als Starthilfe für Mohamed Alali vom BSV Ostbevern

Ostbevern -

Im Dezember 2015 flüchtete Mohamed Alali vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Über die Balkanroute führte sein Weg nach Deutschland, wo er inzwischen in Ostbevern eine neue Heimat gefunden hat. Mit den Fußballern des BSV möchte der 22-Jährige in die A-Liga aufsteigen.

Freitag, 15.11.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 20:22 Uhr
Nach einem Jahr in der dritten Mannschaft und zwei Spielzeiten in der Zweitvertretung ist Mohamed Alali inzwischen fester Bestandteil der ersten BSV-Fußballmannschaft.
Nach einem Jahr in der dritten Mannschaft und zwei Spielzeiten in der Zweitvertretung ist Mohamed Alali inzwischen fester Bestandteil der ersten BSV-Fußballmannschaft. Foto: Kock

„Natürlich ist der Aufstieg mein Ziel. Ich habe noch nie in der A-Liga gespielt“, sagt Mohamed Alali , der erst seit dem Sommer in der ersten Fußballmannschaft des BSV Ostbevern spielt. Während viele seiner Mitspieler die gesamte Jugendzeit im Trikot der Blau-Weißen durchlaufen haben, ging der 22-Jährige während der Teenagerzeit noch in seiner Heimatstadt Alhassaka in Freizeitmannschaften auf Torejagd. Der Krieg in Syrien brachte sein Leben dann gehörig durcheinander.

Alali stammt aus dem Kurdengebiet im Nordosten Syriens. „Der IS war bei uns in der Nähe. Wir hatten Angst. Mit 18 sollte ich in die kurdische oder syrische Armee eingezogen werden“, sagt der Fachabiturient an der Hans-Böckler-Schule in Münster. Also entschloss sich die Familie, ihm schweren Herzens gemeinsam mit seinem Bruder Saad und Cousin Wassif die Flucht nach Europa zu ermöglichen.

„Wir waren zwölf Tage unterwegs“, berichtet er von den dramatischen Tagen im Dezember 2015. Mit dem Schlauchboot setzte er vom türkischen Festland auf die griechische Insel Mytilene über. „Wir haben Angst gehabt. Man weiß nicht, ob man sterben wird. Aber wir haben Glück und einen erfahrenen Bootsmann gehabt.“ Über Athen, Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien ging es schließlich nach Österreich und Bayern. „Eigentlich war Belgien unser Ziel. In Deutschland hat es uns gefallen, und wir sind geblieben.“ Die Alalis wohnten zwischenzeitlich in Notunterkünften in Mannheim, Dortmund, Neuss und Siegen, ehe sie in Ostbevern in der Turnhalle der Josef-Annegarn-Schule und später in Räumen der Kulturwerkstatt untergebracht wurden.

„Wir haben noch einmal Glück gehabt und sind schon am 25. Januar 2016 anerkannt worden“, erzählt der Mo-Salah-Fan vom weiteren Verfahren in seiner neuen Heimat. Ein Jahr besuchte er Deutschkurse und erkannte schnell die Bedeutung des Sprachunterrichtes: „Die Sprache ist wie ein Schlüssel, der Türen öffnet.“ Inzwischen spricht Alali neben Arabisch, Kurdisch und Englisch auch prima Deutsch.

Schon seit drei Jahren jobbt er in der Eisdiele in Ostbevern. Im nächsten Jahr möchte das Sprachentalent eine Ausbildung als Kommunikations- und Informationstechniker beginnen und daran vielleicht auch ein Studium anschließen. Die Eingliederung in einen völlig anderen Kulturkreis hat in seinem Fall problemlos funktioniert. „Wenn man will, dann geht das.“

Seine Eltern hat der Ostbeverner seit seiner Flucht noch nicht wieder gesehen. Nach der türkischen Offensive Anfang November in Nordsyrien sind sie inzwischen wieder in ihr Haus zurückgekehrt. Ob und wann es eine Familienzusammenführung geben wird, steht in den Sternen. Um so mehr hat ihm der Sport geholfen, in neuer Umgebung Kontakte zu knüpfen. „Über den Fußball habe ich Freunde gefunden“, freut sich Alali.

Inzwischen ist der Mittelfeldspieler fester Bestandteil der BSV-Erstvertretung. Was ihm an Technik aufgrund seines späten Einstiegs in den Wettbewerbssport vielleicht noch fehlt, macht er durch Schnelligkeit wieder wett. Und wer weiß, vielleicht wird im Sommer ja auch sein Wunsch vom Aufstieg in die Kreisliga A wahr. Einen anderen Traum, den von einem selbstbestimmten Leben in Frieden, hat sich Mohamed Alali schon selbst erfüllt.

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