Reiten
Finanzielle Entlastung für Turnierveranstalter

Telgte/Ostbevern/Westbevern -

Die Veranstalter von Reitturnieren dürfen sich auf ermäßigte Gebührensätze seitens der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) freuen. Im Gegenzug wird die Züchterprämie reduziert und ein Turniersport-Förderbeitrag von den Pferdesportlern erhoben.

Samstag, 28.12.2019, 05:00 Uhr
Die Pferdesportler werden zukünftig mehr Nenngeld entrichten müssen.
Die Pferdesportler werden zukünftig mehr Nenngeld entrichten müssen. Foto: Aumüller

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung ( FN ) hat zum 1. Januar eine finanzielle Entlastung von Turnierveranstaltern beschlossen. Das bedeutet, dass die FN-Gebühr für das Veranstalten von Turnieren halbiert wird. Damit verbunden sind eine Reduzierung der Züchterprämie und die Einführung eines Turniersport-Förderbeitrags in Höhe von 0,52 Euro pro Startplatzreservierung für alle Turniere ab dem 28. Februar 2020.

„Wir werden immer häufiger damit konfrontiert, dass unsere Veranstalter angesichts steigender Kosten und der Konkurrenz mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Um sie nicht zu verlieren, haben wir beschlossen, die Gebühren für alle deutschen Turnierveranstalter, national wie international, zu reduzieren“, sagt FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. „Das bedeutet, dass die Teilnahme am Turnier etwas teurer wird, da die Entlastung der Veranstalter gegenfinanziert werden muss. Da wir erhoffen, dass dadurch Zahl und Qualität der Turniere nicht nur erhalten bleiben, sondern sogar ansteigen, kommt sie letztlich vor allem den Aktiven zugute.“

3500 Turnierveranstaltungen in Deutschland stellen eine wichtige Säule im deutschen Turniersport dar. Die Gebühren, die Turnierveranstalter an ihren Dachverband abgeben müssen, sind in Deutschland deutlich höher als in anderen europäischen Ländern. Die Qualität von Turnieren im Ausland wird immer besser.

Die großen internationalen Veranstalter in Deutschland haben immer mehr mit Wettbewerbsnachteilen gegenüber Veranstaltungen im Ausland zu kämpfen und befinden sich nach eigener Aussage in einer existenzbedrohenden Lage. Ähnlich ergeht es vielen ländlichen Turnierveranstaltern, die vor der Herausforderung stehen, ihre Turniere attraktiv und gleichzeitig kostendeckend zu gestalten. FN und Landesverbände haben deshalb beschlossen, die Gebühren für alle deutschen Turnierveranstalter zu reduzieren.

Gänzlich abgeschafft wird mit dem Leistungssport-Förderbeitrag auch der sogenannte „Olympia-Groschen“. Nach jedem Turnier erhält der Veranstalter eine Rechnung von der FN mit verschiedenen Posten. In Addition mit der gesenkten FN-Grundgebühr liegt die Ersparnis bei insgesamt 55 Prozent. Die Züchterprämie wird um 36 Prozent gesenkt.

„Eine Gebührensenkung ist immer positiv“, sagt Petra Weiligmann als Vorsitzende des RFV Gustav Rau Westbevern. „Uns haben die finanziellen Anforderungen aber noch nicht in Sorge verfallen lassen, weil wir auf viele ehrenamtliche Helfer zurückgreifen können. Und den Reitern wird die Erhebung eines Förderbeitrages von 52 Cent nicht weh tun.“

Ähnlich sieht es Hubertus Nowag: „Grundsätzlich finden wir diese Veränderung gut. Das Pro­blem ist, dass die Anzahl der Turniere – vor allem in den neuen Bundesländern, Baden-Württemberg und Bayern zurückgeht, weil die Kosten zu hoch sind. In Mecklenburg-Vorpommern müssen die Pferdesportler teilweise weite Fahrten für Turnier-Teilnahmen in Kauf nehmen. Wir in Westfalen sind damit ja noch gut gesegnet. Von Jahr zu Jahr nehmen allerdings die Anforderungen für solche Veranstaltungen zu, der Kostenapparat wird immer höher.“

Der Vereinschef des RV Ostbevern erklärt aber auch wie man dennoch ein Plus erwirtschaftet: „Die Kehrseite der Medaille ist: Wir haben seit Jahren gute Sponsoren, an die wir jede Prüfung verkauft haben. Um sie muss man sich dann aber auch kümmern – zum Beispiel machen wir einmal im Jahr ein Sponsoren-Frühstück.“

„Das ist ein Zeichen in die richtige Richtung“, ergänzt Andrea Korte vom RFV Telgte-Lauheide. „Die Auslagen für Sanitäter, Ärzte etc. werden immer höher. Völlig klar, dass das manchen Veranstaltern zusetzt. Eine schwarze Null muss erreichbar sein, ansonsten sagen die Mitglieder trotz allem Enthusiasmus und aller Leidenschaft: Das lohnt sich nicht mehr. Es gibt immer wieder Personalprobleme bei der Durchführung von Turnieren. Im schlimmsten Fall muss man Leute von außerhalb bezahlen.“

Gute Erfahrungen haben die Telgter mit Late Entrys gemacht, die inzwischen zweimal jährlich angeboten werden. Für den vermehrten Aufwand wird dann die Höhe des Nenngeldes verdoppelt. Bei anderen Turnieren zeigt sich der Verein häufig großzügig und verzichtet auf seinen finanziellen Anteil bei Nachmeldungen.

Die absolute Entlastung fällt für jedes Turnier unterschiedlich aus, da die Höhe der Gebühren in Relation zum Preisgeld ermittelt wird. Dieses ist bei internationalen Turnieren deutlich höher als bei kleinen ländlichen Turnieren. In der Summe bedeutet die Entlastung eine Halbierung der FN-Gebühren, nicht jedoch der gesamten Rechnung. Denn die In-Rechnung-Stellung von 50 Prozent der Einnahmen aus Nachnennungen bleibt unverändert. Hierbei handelt es sich nicht um eine Veranstalter-Gebühr, sondern um eine Gebühr für Teilnehmer, die zu jeweils 50 Prozent an Veranstalter und FN zu entrichten ist. Der Veranstalter nimmt sie zunächst im Ganzen ein und zahlt der FN ihren Anteil später aus.

Infolge der Halbierung der FN-Grundgebühr müssen rund 1,4 Millionen Euro refinanziert werden. Dies erfolgt auf verschiedenen Wegen: Zum einen durch eine Reduzierung der Züchterprämie um 36 Prozent. Die Registrierung für international startende Reiter und Pferde kostet nun 22,50 statt 15 Euro pro Jahr. Zudem wird ein Turniersport-Förderbeitrag von 0,52 Euro pro Startplatzreservierung für Turniere ab dem 28. Februar eingeführt.

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