Fußball: Vortrag in Ostbevern
Reiner Calmund: „Meinen dicken Bauch gepinselt“

Ostbevern -

Reiner Calmund ist ein Unikat im deutschen Fußball. Vor seinem Vortrag beim Neujahrsempfang in Ostbevern spricht der frühere Fußball-Manager von Bayer Leverkusen über seine Beziehungen ins Münsterland, seine große Zeit bei Bayer 04 und kurz auch über seine Körperfülle.

Freitag, 17.01.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 12:56 Uhr
Reiner Calmund im August 2002, damals noch Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, bei einer Hilfsaktion in Dresden für Hochwasseropfer.
Reiner Calmund im August 2002, damals noch Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, bei einer Hilfsaktion in Dresden für Hochwasseropfer. Foto: imago-images/Hentschel

Reiner Calmund hält am morgigen Sonntag beim Neujahrsempfang der Gemeinde Ostbevern (11 Uhr, Beverhalle) einen Vortrag. Der frühere Manager von Bayer Leverkusen – mit seiner Energie, seiner Wortgewalt und Körperfülle ein Unikat im deutschen Fußball – arbeitet heute als TV-Experte, Autor, Moderator und Referent. Im Interview spricht der 71-Jährige über seine Beziehungen ins Münsterland, über seine große Zeit bei Bayer 04 und den heutigen Transfermarkt im Fußball.

 

Was hat Sie zu einem Vortrag ins tiefe Münsterland verschlagen?

Calmund: Bürgermeister Wolfgang Annen und Manfred Läkamp haben mir mit der Einladung zum Neujahrsempfang in Ostbevern schon ein bisschen meinen dicken Bauch gepinselt. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, Bischof Professor Dr. Wolfgang Huber und TV-Star-Koch Johann Lafer meine Vorgänger waren. Auch karnevalistisch bin ich mit dem Münsterland eng verbunden. 2015 wurde ich mit dem „Oscar“ der Münsteraner Karnevalsgesellschaft Paohlbürger ausgezeichnet. Nicht zu vergessen. Einer meiner besten Freunde ist der Münsteraner Helmut Kalthoff, der als Manager und Trainer viele Jahre beim Wuppertaler SV, Hannover 96 und dem VfL Osnabrück aktiv war. Aktuell unterstütze ich gemeinsam mit dem bekannten Osnabrücker Sportjournalisten Harald Pistorius im Kuratoriumsvorstand die Stiftung von Helmut Kalthoff, die sich die Nachwuchs- und Ausbildungsförderung des Fußballs zum Ziel gesetzt hat.

„Mit Kompetenz und Leidenschaft zum Erfolg“ – so lautet der Titel Ihres Vortrags. Erzählen Sie aus Ihrem Leben?

Calmund: Mein Vortrag hat zwei praktische Schwerpunkte. Zunächst den Vergleich zwischen Fußball und Wirtschaft und dann die Begründung der These, dass nur Kompetenz und Leidenschaft gemeinsam die Formel für den Erfolg sind.

Haben Sie nach dem Vortrag noch Zeit für Smalltalk mit den Gästen?

Calmund: Auf alle Fälle. Das ist so ein bisschen mein Elixier. Und die Fragen können ruhig auch kritisch sein, diskutieren ist eines meiner größten Hobbys.

Sie werden angekündigt als „pfundiges Highlight“. Nerven Sie solche Anspielungen auf Ihr Gewicht?

Calmund: Nein, dass ich einige Pfunde zu viel habe, kann ja jeder sehen. Und wenn mein Auftritt als Highlight bewertet wird, bin ich hochzufrieden.

Denken Sie noch oft an das Jahr 2002, als Bayer Leverkusen in Meisterschaft, Pokal und Champions League dreimal Zweiter wurde?

Calmund: Ja klar, ich werde ja oft genug daran erinnert. Ich denke an diese Zeit mit einer Mischung aus Stolz und Wehmut. Wir haben den besten Fußball gespielt und keinen Titel gewonnen.

Welches Gefühl überwiegt bei Ihnen heute: Dass Sie bei Bayer Leverkusen eine große Ära mitgeprägt haben oder dass als Krönung ein großer Titel fehlt?

Calmund: Mein wichtigstes und größtes Ereignis war der Ausgleichstreffer von Markus Münch 1996 in der 82. Minute gegen den 1.FC Kaiserslautern. Mit seinem 1:1 blieben wir in der Bundesliga und der 1. FCK musste in die 2. Liga. Natürlich tut es mir bis heute weh, dass wir mit Bayer nie Deutscher Meister geworden sind, allerdings trösten der Uefa-Cup-Sieg 1988, der DFB-Pokal 1993 und viele Top-Spiele als Vizemeister auf europäischem Niveau ein bisschen.

Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung bei Bayer Leverkusen?

Calmund: Meine Nachfolger Rudi Völler, Fernando Carro oder die jungen Simon Rolfes und Stefan Kießling machen einen sehr guten Job. Bayer 04 steht aktuell in der Uefa-Klubwertung hinter Bayern München und Borussia Dortmund an dritter Stelle der Bundesligisten. Trotzdem ärgert es mich natürlich, dass sie in dieser und auch der vergangenen Saison trotz hochüberlegen geführter Spiele zu viele Punkte verschenkt haben.

Sie selbst haben große Spieler wie Ulf Kirsten, Andreas Thom, Bernd Schuster und Michael Ballack nach Leverkusen geholt. Einige Brasilianer wurden in Ihrer Zeit bei Bayer zu gefragten Stars. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung auf dem Transfermarkt?

Calmund: Die Zeiten ändern sich in allen Lebensbereichen, das Geld spielt dabei eine wichtige Rolle. Egal ob im Sport, bei Unternehmen oder in den Familien – grundsätzlich ist der Wunsch nach immer mehr in fast allen Lebensbereichen bei fast allen Menschen sehr ausgeprägt. Der Profi- Fußball finanziert sich heute in erster Linie durch TV- und Werbe-Einnahmen. Zwei Beispiele: 1988 wurde Bayer 04 Uefa-Cup-Sieger, wir hatten zehn Spieler aus der eigenen Jugend im Kader, im Finale kamen davon vier zum Einsatz, das gesamte Team kostete knapp 15 Millionen DM an Transfergelder. Die drei Final-Torschützen Tita, Götz und Bum Kun Cha kosteten insgesamt rund zwei Millionen Euro. 14 Jahre später spielten wir den attraktivsten Fußball in Europa, wir holten in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League leider nur drei Vize-Titel. Der engere 16er-Kader mit Butt, Sebescen, Zivkovic, Lucio, Nowotny, Ze Roberto, Placente, Vranjes, Babic, Ramelow, Ballack, Bastürk, Kirsten, Neuville, Berbatov, Bradric, kostete rund 50 Millionen Euro – dafür bekommen sie heute einen Nationalspieler der Kategorie 1B oder 2A. Die Situation heute lässt sich nicht mehr vergleichen.

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