Reiten: Interview mit Fritz Otto-Erley
Abwärtstrend im Turniersport hält an

Kreis Warendorf -

Im reiterlichen Turniersport gibt es immer weniger Starts, außer in der schweren Klasse. Dieser Trend setzte sich auch 2019 fort. Außerdem wird Reiten immer weiblicher. Für beides hat der Leiter Turniersport der Reiterlichen Vereinigung (FN), Fritz Otto-Erley, eine Erklärung.

Mittwoch, 01.04.2020, 05:07 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 10:58 Uhr
Fritz Otto-Erley
Fritz Otto-Erley Foto: -wik-

Der Abwärtstrend im deutschen Turniersport hielt auch 2019 an. Bei 3567 Reitturnieren wurden rund 1,34 Millionen Starts registriert. In allen Klassen ging die Zahl zurück, außer bei denen auf S-Niveau, die um 2,3 Prozent zulegten. Fritz Otto-Erley , Leiter der Abteilung Turniersport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ( FN ), ordnet die Zahlen im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Uwe Niemeyer ein.

Die Anzahl der Prüfungen von der L- mit einem Minus von 4,02 Prozent bis zur E-Klasse (-1,05 Prozent) ist rückläufig. Mit der Ausnahme derer auf S-Niveau. Worin sehen Sie die Gründe?

Fritz Otto-Erley: Das ist in erster Linie auf die zunehmende Professionalisierung zurückzuführen. Anteilig gibt es in der letzten Jahren immer mehr Profis im Sport. Die Zahl der entsprechenden Angebote steigt mit der Nachfrage. Womöglich sind S-Prüfungen in Sachen Sponsoring mit vermeintlich prominenteren Startern zudem besser zu vermarkten.

Auch die Starts befinden sich bei minus 2,96 Prozent in einem Abwärtstrend.

Otto-Erley: Das hat vielfältige Gründe: Demografie, Gesamtschule, fehlende Angebote an den Wochenenden durch den Wandel in der Turnierlandschaft und vieles mehr. Ganz bestimmt steht der Abwärtstrend im Zusammenhang mit den sogenannten Startplatzbegrenzungen, die den Turnier-Verantwortlichen die Planungen erleichtern sollen.

Die positive Kunde ist, dass sich der Rückgang bei Pferde-Neueintragungen verlangsamt. Eine Folge aus der Pferdezucht?

Otto-Erley: Die Talsohle in der Zucht ist durchschritten. Die Zahl der Neueintragungen konsolidiert sich. Der Männeranteil bei den Turnierlizenzen nimmt aber ab. Seit 2000 um rund 55 Prozent. Allein 2019 waren es 1567 weniger. Der Frauenanteil liegt bei 87 Prozent.

Ist Reiten also bald nur noch Frauensache?

Otto-Erley: Das ist im Übrigen nicht nur in Deutschland so. Ich bin mir aber sicher, dass die Männer im gehobenen Leistungssport auch in Zukunft ebenbürtige Konkurrenten sein werden. Das sicher für geraume Zeit. Einer von den Jungen Wilden im Springsport ist Jan Andre Schulze Niehues aus Warendorf. Sicher war der gehobene Turniersport früher eine Männerdomäne.

Worin sehen Sie für den Turniersport die größte Herausforderung und Potenzial für eine Kehrtwende?

Otto-Erley: An diesen Frage arbeiten wir derzeit mit Hochdruck und entwickeln eine Vielzahl von Konzepten, Anregungen und Ideen. Dabei spielen Phänomene wie Digitalisierung, die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, der Klimawandel, die Tierwohlbewegungen und ganz aktuell die Corona-Krise eine wesentliche Rolle.

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