Historischer Zweitligasieg gegen Schalke 04
Guido Fleige feierte mit Preußen Münster vor 25 Jahren eine Sternstunde

Münster - In der Universitätsstadt Münster hatte Guido Fleige Ende der 1980er Jahre einen optimalen Standort als Fußballer und Student gefunden. Fünf Saisons (1987 bis 1992) trug der Offensivspieler, der etwa 50 Einsätze in der 2. Liga hatte, den Preußen-Adler auf der Brust. Eine Karriere als Profifußballer strebte er aber nie an.

Dienstag, 17.03.2015, 07:03 Uhr

Nach seiner Zeit beim SCP beendete der gebürtige Billerbecker erfolgreich sein Studium der Fächer Sport und Germanistik, um den Lehrerberuf auszuüben. Seit mittlerweile 2014 arbeitet Fleige bei der Bezirksregierung Arnsberg. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Mirko Ludwig erinnert sich der 50-Jährige, der Vater zweier Töchter ist und in Münster-Hiltrup wohnt, an den Aufstieg des SCP 1989 in die 2. Liga und einen schönen Jahrestag.

Der 17. März 1990 war ein ganz besonderer Tag – vor allem für Sie…

Guido Fleige: Das Zweitliga-Spiel gegen Schalke 04 vor 28.000 Zuschauern im Preußenstadion, die damals noch reindurften, war ein einmaliges Erlebnis. Dass ich noch das entscheidende Tor zum 2:1-Sieg schieße, war ja nicht zu erwarten, weil ich zwar vorne gespielt habe, aber nicht so der Torjäger war. Aber ich konnte mich immer ganz gut durchtanken, kämpfen und auflegen.

War bei Ihrem Siegtreffer alles regelkonform?

Fleige: TV-Kommentator Rolf Töpperwien hat in dieser Szene vehement behauptet, ich hätte vorher ein Foul begangen. Ich sehe meinen Einsatz gegen Schalkes Verteidiger Dietmar Schacht als „korrektes Rempeln“ (lacht). Ich habe ihn wohl auf dem falschen Fuß erwischt, denn der Kerl war wirklich hart zu bespielen. Aber ich war früher recht schnell und durchsetzungskräftig. Dass ich Jens Lehmann im Tor dann noch überlupfen konnte, war einfach schön.

 

Weiterer Höhepunkt...

Fleige: ...war das DFB-Pokalspiel in Aachen - ebenfalls eins meiner wichtigsten Spiele. Beim Sieg auf dem Aachener Tivoli waren die Ränge fast leer, aber dafür haben rund 1000 Preußen-Fans richtig Gas gegeben. Die kleine Menge, die im großen Stadion Radau gemacht hat, war beeindruckend. Das war eine Pokalschlacht, die wir völlig unerwartet 1:0 gewannen.

In Münster wird derzeit vom Aufstieg in die 2. Liga geträumt. Sie hatten bereits das Vergnügen...

Fleige: Es war eine intensive, schöne Zeit – auch wenn sie mit dem Abstieg verbunden war. Das zweite Jahr in der 2. Liga war schlechter, da wurde die Unruhe größer und die Stürmer andauernd getauscht. Da bin ich etwas ins Hintertreffen geraten. Ungeachtet dessen hatte ich in Münster den Riesenvorteil, dass ich hier studieren, leben und Fußball spielen durfte. Es war für mich mit die beste Zeit.

Was hat das Aufsteiger-Team von 1989 ausgezeichnet?

Fleige: Wir hatten mit Helmut Horsch einen Trainer, der über ein gutes Einfühlungsvermögen und große fußballerische Kenntnisse verfügte, sowie eine tolle Mischung im Team. Wir hatten viele Studenten, was eigentlich ja hinderlich ist, wie man früher meinte. Also Spieler, die viel diskutieren wollen (lacht) und möglicherweise nicht befolgen, was der Trainer will. Aber das Gegenteil war der Fall: Arbeiten statt diskutieren – das war das Erfolgsmotto.

Wie stand es um den Teamgeist?

Fleige: Wir haben uns super verstanden und auch privat getroffen - zum Beispiel zum Doppelkopfspielen oder sind gemeinsam rausgegangen, wenn wir durften, was aber sehr eingeschränkt war. Mit vielen hat es auch geklappt, sich auch rund 15 bis 20 Jahre später noch zu treffen und zum Teil bis heute in der Traditionsmannschaft zusammenzuspielen. Der Aufstieg und die Zweitligazeit mit Wahnsinnsspielen schweißen zusammen.

Bestehen noch Kontakte zu Mitspielern aus dieser Zeit?

Fleige: Am meisten Kontakt habe ich zu Justus Stech, Ludger Pickenäcker und Uli Gäher.

fleige

Guido Fleige

Sie kamen einst im Alter von 23 Jahren zum SC Preußen….

Fleige: …was eigentlich einen ganz witzigen Hintergrund hatte. Als ich mit dem Studieren anfing, spielte ich mit Billerbeck noch in der Kreisliga. Dann nahm mich mein Kommilitone Michael Oenning einmal mit zum Uni-Training. Hinterher meinten Mitspieler, ich müsse mit dem Fußballspielen doch Geld verdienen. Über diese Kontakte bin ich dann für jeweils ein Jahr in Dülmen und Emsdetten gelandet und stand dann vor der Wahl, zum ASC Schöppingen oder SC Preußen Münster zu wechseln - und habe mich für den SCP entschieden.

Wie war denn das Leben als kickender Student in Münster?

Fleige: Keine Frage: Es war eine aufregende Zeit für meine persönliche Entwicklung. Ich habe viele Leute kennengelernt, es war eine tolle Sache für mich. Dazu kam, dass damals in der Stadt die Aufregung rund um die 2. Liga sehr groß war und man einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte. Man wurde auch in der Stadt erkannt, es hatte aber keine Ausmaße in Richtung „Star-Sein“.

Viele Jungen träumen davon, Profifußballer zu werden - Sie nicht...

Fleige: Das stimmt. Ich habe Sport und Deutsch in Münster auf Lehramt studiert. Der Fußball kam quasi dazwischen, deswegen habe ich etwas länger fürs Studium gebraucht (schmunzelt). Fußballer werden wollte ich im Prinzip nie - das war nie mein Wunsch.

Fußballerische Stationen von Guido Fleige

- VfL Billerbeck

- TSG Dülmen

- SpVg Emsdetten 05

- Preußen Münster

- VfL Gevelsberg

- SpVgg Erkenschwick

- Davaria Davensberg

...

Wie verlief Ihre Laufbahn nach dem Abschied bei Preußen Münster ?

Fleige: Nach dem Zweitligaabstieg habe ich noch eine Saison bei den Preußen gespielt. Da die 2. Liga da keine Rolle mehr spielte, wollte ich unbedingt mein Studium beenden. Deshalb habe ich nach meiner Zeit beim SCP nur noch ein bisschen in der Verbands- und Oberliga gespielt. Das Fußball-Engagement hatte ich deutlich zurückgeschraubt und den Fokus auf die berufliche Entwicklung gelegt.

Es folgte 1999 das Karriereende. Ausschlaggebend war...

Fleige: ...eine Kombination mehrerer Gründe: Ich hatte schon zwei Töchter, meine Frau arbeitete und da kam die Überlegung auf, die Wochenenden nach vielen Jahren der „Wochenenddienste“ auch mal anders zu verbringen. Das Berufliche spielte ebenso eine Rolle, zudem wurde es im Alter mit den Verletzungen nicht weniger (schmunzelt).

Rückblick

17.3.1990: 27. Spieltag der 2. Bundesliga.

Preußen Münster: Dirk Winter – Uwe Ptok, Dirk Römer, Thomas Knauer, Reinhard Geise – Dirk Bremser (85. Jörg Silberbach), Peer Posipal, Ulrich Gäher, Dirk Riechmann – Jürgen Koop (59. Hans-Jürgen Bargfrede),  Guido Fleige. – Trainer: Ernst Mareczek.

Schalke 04: Jens Lehmann – Michael Prus, Egon Flad, Dietmar Schacht, Günter Schlipper (74. Jürgen Marquardt) –  Jürgen Luginger, Andreas Müller, Ingo Anderbrügge, Alexander Borodjuk, Peter Sendscheid (40. Jaroslaw Kotas) – Wladimir Ljuty. – Trainer: Peter Neururer.

Tore: 0:1 Borodjuk (24.), 1:1 Gäher (51.), 2:1 Fleige (68.). – Zuschauer: 28 000.

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Ist Preußen Münster 2015 reif für den Aufstieg?

Fleige: Zurzeit spüre ich in den Kreisen, in denen ich mich bewege, noch viel Zurückhaltung. Vielleicht ist es gerade das, was die Preußen ausmacht. Es gilt eben nicht das offensive Motto: Ihr müsst jetzt aufsteigen! Genau das sehe ich eher als Chance, dass der Druck von außen nicht so groß ist wie in den Vorjahren. Fußballerisch punktuell wahrgenommen habe ich, dass im Sturm ein bisschen die Durchschlagskraft fehlt. Ansonsten sehe ich viele technisch und spielerisch sehr gute Spieler im Kader, sodass ich die Hoffnung habe, dass die Preußen es schaffen könnten.

Spielen Sie noch Fußball?

Fleige: Ich habe viele Jahre in der Tradtionsmannschaft gespielt, letzten Sommer habe ich aber endgültig aufgehört. Weiterhin bekomme ich aber die Einladung dazu: Wenn Bedarf ist und ich fit bin, springe ich wohl nochmal ein. Letztlich will ich schon aufhören. Seit einigen Jahren spiele ich außerdem Tennis - das ist für meinen Körper förderlicher als Fußball…

Stadionbesuche als Zuschauer...

Fleige: ...mache ich immer dann, wenn ich eingeladen werde. Also wenn ein persönlicher Bezug da ist, dass ich jemanden treffe. Zu den Preußen gehe ich im Schnitt zwei bis vier Mal im Jahr. Unter anderem auch, weil ich Carsten Gockel gut kenne, mit dem ich in Hamm noch zusammengespielt habe.

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