Fußball: Westfalenligaspieler wird ein Auswanderer
Preußen-Stratege Gatzke erhält USA-Stipendium

Münster -

Noch steckt Marco Gatzke mit der U 23 des SC Preußen im Aufstiegskampf zur Oberliga. Doch im Sommer wartet auf den 22-Jährigen ein Abenteuer. Dann geht er, wenn nicht noch Gravierendes schief läuft, zum Master-Studium in die USA. Der Fußball öffnete ihm dafür die Tür.

Samstag, 11.04.2015, 10:04 Uhr

Die heimischen Sportstätten tauscht Marco Gatzke (r.) Ende des Sommers gegen amerikanische Fußball-Plätze ein. Der Mittelfeldstratege von Preußen II spielt dann dank eines Stipendiums für die Winthrop University in South Carolina.
Die heimischen Sportstätten tauscht Marco Gatzke (r.) Ende des Sommers gegen amerikanische Fußball-Plätze ein. Der Mittelfeldstratege von Preußen II spielt dann dank eines Stipendiums für die Winthrop University in South Carolina. Foto: Marco Steinbrenner

Schon seit Generationen waren die USA das große Ziel von deutschen Auswanderern. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts hinterließen erste Immigranten zarte Spuren auf der anderen Seite des Atlantiks, Millionen folgten bis heute – und werden auch noch in Zukunft folgen. Einer von den modernen Abenteurern wird im August auch Marco Gatzke sein. Der Fußballer des Westfalenligisten Preußen Münster II erhielt an der Winthrop University in Rock Hill (South Carolina) ein Stipendium – und erfüllt sich damit einen kleinen Traum.

Tipps von Büscher

Die Idee, an die Ostküste der Staaten zu gehen, entwickelte sich langsam, aber sicher. Und nach einem Gespräch mit seinem (partiellen) SCP-Teamkollegen Julian Büscher, der im zweiten Jahr für die Syracuse University im Bundesstaat New York spielt, stand sein Entschluss fest. „Ich habe mich mit Büschi ausgetauscht und gefragt, ob es nach seinen Erfahrungen Sinn macht“, erklärt Gatzke. „Und da mir der Sport die Chance ermöglicht, möchte ich sie nutzen.“

Gesagt, getan. Mit der Zulassung in der Tasche packt der 22 Jahre alte BWL-Student also Ende des Sommers seine Fußball-Klamotten in den Koffer, um eine neue Kultur auf und neben dem Platz kennenzulernen. Vorausgesetzt, er meistert an der FH Dortmund die letzten Hürden auf dem Weg zum Bachelor. „Zeitlich ist es etwas knapp, es könnte noch scheitern. Aber wenn alles glatt läuft, bin ich Ende Juli fertig“, erläutert der vielseitige Mittelfeldstratege, der in seiner künftigen Wahlheimat ein Master-Studium mit dem Fußball kombinieren wird. „Der Tagesablauf ist durchgeplant“, sagt Gatzke.

Zwei Deutsche im Team

Was ihn außerhalb des Hörsaals und abseits von Vorlesungen erwartet, kann der frühere Junior des FC Schalke 04 nur schwer einschätzen. Ein Bild vor Ort hat er sich noch nicht gemacht, von seinem Team, in dem mit Torwart Fabian Broich (Rommerskirchen) und Max Hasenstab (Idstein) aktuell zwei Deutsche spielen, weiß er noch nicht viel. Zumindest mit Headcoach Rich Posipanko hatte er schon via Skype Kontakt. „Es ist für mich schwer einzuschätzen, welches fußballerische Level dort herrscht. Ich denke, dass es vergleichbar mit Oberliga-Niveau ist“, meint Gatzke. Einer Sache aber ist er sich bereits jetzt sicher: Der Aspekt Fitness steht bei den Amerikanern hoch im Kurs. „Athletisch ist das ein Unterschied. In dem Bereich kann ich bestimmt noch zulegen“, sagt der feine Techniker, der nach einem Kreuzbandriss und einer Meniskusverletzung ohnehin mehr für den Muskelaufbau getan hat. „Im Moment habe ich keine großen Probleme. Ich bin froh, wieder zocken zu können. Auch wenn ich mal einen Tag mehr zur Regeneration brauche.“

Guter Draht zum Coach

Bis zu seinem Wechsel in die USA steht für Gatzke neben dem Studium aber der SCP im Vordergrund – sehr zur Freude von Trainer Sören Weinfurtner, der große Stücke auf seinen Spielgestalter mit dem feinen Fuß hält. „Spieler wie Marco wünscht man sich als Coach. Er ist in den vergangenen Jahren gereift. Er ist sehr selbstkritisch mit seiner Leistung, ist ehrgeizig und verbissen. Aber nun mit der nötigen Lockerheit“, sagt Weinfurtner, zu dem Gatzke einen guten Draht hat. „Wir haben schon ein gutes Verhältnis“, erklärt der 22-Jährige, der daher seinen Pass bei den Preußen lässt und so weiter für den SCP spielberechtigt sein wird. So sind die Stadtmeisterschaften am Berg Fidel immer ein Thema für den gebürtigen Nottulner, auch für den Saison-Endspurt im Frühjahr 2016 stünde er wieder parat. „Immer wenn ich hier bin, helfe ich gerne aus.“ Doch zuvor wartet auf den Auswanderer ein Abenteuer.

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