Fußball: SC Preußen
Seinsch macht Münster Hoffnung auf neues Stadion an der Hammer Straße

Münster -

Das könnte eine runde Sache für den SC Preußen und den gesamten Sport in Münster werden. Walther Seinsch, wohnhaft in Münster und einst Präsident beim rasanten Aufstieg des FC Augsburg, will mit einem Stiftungsmodell und der Hilfe von Investoren das Stadion an der Hammer Straße um- und vielleicht sogar auf Erstliga-Niveau aufrüsten.

Freitag, 05.06.2015, 13:06 Uhr

Die Stadion-Diskussion hat einen neuen Impuls bekommen. Walther Seinsch , von 2000 bis 2014 Präsident des heutigen Fußball-Bundesligisten FC Augsburg und treibende Kraft beim Bau der neuen SGL-Arena, wird ein Stiftungsmodell Preußen-Stadion am 22. Juni der Öffentlichkeit präsentieren. Die Perspektive des Projekts: Der Bau eines in der letzten Ausbaustufe Erstliga-tauglichen Stadions an der Hammer Straße . In Augsburg entstand 2009 eine Arena für aktuell 30 000 Zuschauer, die am Ende 52 Millionen Euro gekostet hat und in der der Ex-Viertligist nun bis hinauf in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Zwei Fliegen...

„Die Stiftungsidee ist der Versuch, das Finanzierungsproblem der Stadt zu lösen“, sagt Seinsch, der mittlerweile wieder in Münster wohnt. Und: „Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Aus den Erträgen wird der Breitensport in Münster gefördert. Das Stiftungsziel wäre die Förderung von Sport bei Kindern aus prekären Verhältnissen.“

Stadionbau und soziales Engagement? Seinsch und elf Investoren haben sich bereits gefunden, Zusagen für eine geplante Einlage von 20 Millionen Euro liegen allerdings noch nicht im vollen Umfang vor. Mit dieser oder einer ähnlichen Summe würde das Preußenstadion an der bekannten Stelle ausgebaut werden können. Die Pläne dürften dann zu einer vollüberdachten Arena führen, zunächst in die Richtung der von SCP-Präsidiumsmitglied Uwe Landherr vorgestellten rund 15 000 Zuschauer, in einem weiteren Schritt durchaus auch hin zu 30 000 oder 35 000 Zuschauer. Das Problemfeld Emissionsschutz (Lärm) wäre auf jeden Fall zu bewältigen.

Feste Zusagen erforderlich

Und was käme auf die Stadt zu? Bei diesem Modell müsste die Kommune feste Zusagen für die Finanzierung der Infrastruktur im Umfeld geben. Andererseits könnte beim Verbleib des Stadions an der Hammer Straße auch die für einen Neubau vorgesehenen Fläche zwischen Halle Münsterland und Kanal neu vermarktet werden – wohl eine Millioneneinnahme für die Stadt Münster. Der Bebauungsplan für die Arena soll spätestens in der ersten Jahreshälfte 2016 ja neu erstellt worden sein.

Zwar ist das Stiftungsmodell ein anderes Konzept als es die Seinsch-Planungen in Augsburg waren, dennoch gibt es Parallelen. In Augsburg war die Stadt an der Stadion GmbH mit 15 Millionen Euro beteiligt, vom Land Bayern kamen weitere 5 Millionen Euro. Zudem wurden durch einen Allianz-Kredit weitere 15 Millionen Euro generiert, den Rest lieferte die Investorengruppe.

Jährliche Miete

In Münster würde das Modell zunächst das Kapital für den Stadionausbau bereitstellen, in der Folge würde der SCP eine jährliche Arena-Miete zahlen. In vergleichbaren Fällen dürften für den Drittligisten 300 000 bis 600 000 Euro per anno fällig werden, als Zweitligist würde die Miete an der Millionengrenze kratzen, als Erstligist würden wohl bis zu zwei Millionen Euro fällig.

Seinsch hat bereits Kontakte in den Verein und die Sportszene geknüpft. Norbert Reisener, Vorsitzender des Fußballkreises Münster und offiziell Einladender zu der Projekt-Vorstellung würde wie auch andere Sportverbände von den Erträgen der Stiftung profitieren.

Bäumer aufgeschlossen

Thomas Bäumer, der Aufsichtsratsvorsitzende des SC Preußen , steht dem Modell aufgeschlossen gegenüber: „Grundsätzlich ist die Idee absolut positiv. Für den Verein ist es wichtig, dass er in allen Belangen berücksichtigt wird. Zwei Dinge sind wichtig: dass erstens die Stadt Münster Zusagen geben und zweitens der Verein weiter professionalisiert werden muss.“ SCP-Präsident Georg Krimphove ist angetan von den neuen Plänen: „Das ist eine sehr gute Idee und eröffnet uns als Verein tolle Chancen. Aber bevor wir jetzt in Jubelstürme ausbrechen, muss alles sachlich analysiert werden. Wir stehen am Anfang der ganzen Arbeit.“

-------------------------------------------------------------------------

Kommentar: Dran bleiben und Fakten schaffen

Die Idee hat Charme, ja, eigentlich richtigen Biss: Investoren, die sich für ein visionäres Preußenstadion starkmachen wollen, eine klar definierte Aufgabenstellung für die Stadt, und obendrein eine gute Sache für Münsters Breitensport – was will man mehr?

Aber aus dem Gedankenspiel harte Fakten zu schaffen, setzt bei den handelnden Personen Hartnäckigkeit voraus. Vor allem die Politik ist gefordert, zügig dieses Thema zu bearbeiten. Erste Schritte sind bereits getan worden, die Änderung des Bebauungsplans war dafür zwingend notwendig. Ein guter Schritt.

Was das Stiftungsmodell wert ist, werden die nächsten Wochen zeigen. Gibt es denn einen gemeinsamen Willen für eine neue Arena? Die Antwort haben fast 200 000 Besucher des Preußenstadions in der letzten Saison gegeben

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3300758?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F
Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Interview: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Nachrichten-Ticker