Preußen Münster
Auf schmalem Grat

Donnerstag, 04.03.2010, 20:36 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 04.03.2010, 20:36 Uhr

Münster - Guerino Capretti schritt alles andere als gelöst den Katakombengang zur Umkleide der Preußenspieler hinauf. Es war ein harter Arbeitstag für ihn gewesen, keine Frage, aber nach Siegen sehen Kapitäne in der Regel entspannter, fröhlicher aus. Doch Capretti, der Abwehrchef, war angefasst: „Kann mir das einer erklären, dass die eigenen Fans bei einer 1:0-Führung `Trainer raus` schreien? Ich verstehe es nicht.“ Die ganz besondere Atmosphäre rund um den SCP bleibt - natürlich - auch der Mannschaft nicht verborgen. Wo sonst Gegengerade und Haupttribüne sich verbal mit „Preußen“ und zurück mit „Münster“ anheizen und befeuern, schallte es dieses Mal „Trainer“ und „raus“.

Der Betroffene selbst reagierte beherrscht, keinerlei Anflug von Genugtuung oder Selbstgefälligkeit gegenüber seinen Kritikern war zu erkennen, als Roger Schmidt , Trainer des SC Preußen Münster, den 2:1-Heimsieg über die Reserve des 1. FC Kaiserslautern analysierte. Es sei ein Arbeitssieg in schwieriger Situation gewesen, durchaus verdient für seine Elf, am Samstag im nächsten Heimspiel gegen Düsseldorf 2 wolle man die Bilanz des Jahres 2010 weiter aufpolieren. Denn bislang stehen sieben Punkte aus vier Partien zu Buche, allerdings untermalt von zwei extrem schwachen Auftritten in Bochum (1:4) und Verl (0:0). Schmidt stimmte in den Kanon ein, dass die spielerische Qualität aktuell große Anschubhilfen benötige, aber: „Wer das Spitzenspiel Saarbrücken gegen Lotte gesehen hat, der hat da auch keinen besseren Fußball als bei uns gesehen.“ Da bewegt sich Schmidt auf einem schmalen Grat, weil einerseits Ergebnis-Orientierung tatsächlich das Gebot der Stunde ist, andererseits Fußball-Magerkost andernorts nicht für dürftigen Sport der Preußen als Entschuldigung gelten kann.

Immerhin offiziell 2787 Zuschauer wollten den SCP an diesem ruppigen März-Abend noch sehen. Die Befürchtung, dass die Besucherzahl unter die 2000er Marke rutschen würde, wurde nicht bestätigt. Und die Beobachter sahen bei den Hausherren vor allem einen gefestigten Defensiv-Quader. Die beiden Innenverteidiger Guerino Capretti und Arthur Matlik agierten schnörkellos und resolut. Davor räumte Marc-Andre Nimptsch wie ein Kellner bei Lokalschluss alles Stück für Stück ab, fast alles. Denn nachdem die Preußen durch eine sehenswerte Kurzpassstafette nach 24. Minuten durch Orhan Özkara in Führung gingen, war es ein Fehltritt von Nimptsch, der den Gästen durch Mario Klinger (73.) den Ausgleich ermöglichte. Bis dahin hatte Özkara - er durfte im Übrigen zum zweiten Mal in der Mittelfeldzentrale den Laden zusammenhalten - mit dem Trio Capretti, Matlik und Nimptsch allerlei Unbilden vor dem Preußen-Tor verhindert.

Dem späten Ausgleich für Kaiserslautern folgte der noch spätere und eigentlich unerwartete Siegtreffer für Münster. Der eingewechselte Wojciech Pollok war zur Stelle, stocherte in der 84. Minute den Ball über die Linie, wie es nur ein „gelernter“ Strafraumstürmer zu tun pflegt. Das war der Sieg, immerhin, so leicht will sich der gestrauchelte Titelaspirant wohl doch nicht unterkriegen lassen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/290651?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F594792%2F594803%2F
Pedelecfahrer von Auto erfasst und gestorben
Bei einem Verkehrsunfall auf der L 592 ist ein 79-jähriger Pedelecfahrer verstorben.
Nachrichten-Ticker