Interview mit Marc Fascher
Widerstand zwecklos: SCP-Coach geht selbstbewusst in Vertragsgespräche

Freitag, 02.12.2011, 00:12 Uhr

Münster - Im März 2010 trat Marc Fascher das Traineramt beim SC Preußen Münster an, damals löste er Roger Schmidt ab. Während Letztgenannter nach dem Erwerb der Fußballlehrerlizenz beim Zweitligisten SC Paderborn nun für Furore sorgt, ist der 43 Jahre alte Fascher beim SC Preußen zum „Meistertrainer" aufgestiegen. Er führte den SCP aus der Regionalliga in die 3. Liga, sein Kontrakt läuft am Saisonende aus. In den nächsten Wochen wird über eine Verlängerung beraten und entschieden. Ansgar Griebel und Alexander Heflik sprachen mit dem Coach über die aktuelle Situation. Wie fühlt sich „Ja, aber“ an, können Sie damit leben? Marc Fascher: Ja, aber? Naja, die Stimmung in den Entscheidergremien des SC Preußen ist ungefähr so zu beschreiben. Ja, wir wollen mit Marc Fascher weiterarbeiten, aber wir warten noch sein Konzept ab. Fascher: Es ist doch völlig legitim, dass sich beide Seiten austauschen wollen. Jetzt sind alle gespannt, wie das Konzept von Marc Fascher, das in naher Zukunft präsentiert werden soll, aussehen könnte? Marc Fascher: Ich hatte mir das schon gedacht, dass das Interview um dieses Thema kreisen würde. Aber ich kann ja nicht in irgendeiner Form vorgreifen. Das macht man nicht. Mein Verhältnis zu den Entscheidungsträgern im Verein ist gut, weil wir uns konstruktiv austauschen. Die Frage nach einem Konzept halten Sie für normal mitten in der Saison und nach dem gelungenen Aufstieg in die 3. Liga im Sommer. Oder haben Sie das bis hierhin ohne Konzept geschafft? Marc Fascher: (lacht) Konzept ist ein großes Wort. Jeder hat da so seine Vorstellungen über Zielsetzungen, was da geändert werden sollte, was Kaderzusammenstellung betrifft, was Strukturen anbelangt. Das ist normal, ich nenne das, was da kommen wird, mal einfach Meinungsaustausch. Würden Sie den Trainer Marc Fascher in Münster weiterverpflichten? Marc Fascher: Selbstverständlich. Wir tasten uns da mal anders ran. Warum würden Sie Marc Fascher weiterverpflichten? Marc Fascher: Marc Fascher steht dafür, dass er fast immer seine Ziele erreicht, deshalb wäre eine Verpflichtung für mich selbstverständlich. Carsten Gockel , der Sportvorstand, hat erklärt, der SC Preußen hat eine gewisse Stufe erreicht. Nun aber würde es darum gehen, den nächsten Schritt zu gehen. Wie könnte eine Weiterentwicklung des SCP aussehen? Marc Fascher: Aktuell ist der Klassenerhalt unser Ziel. Wir haben dann sechs bestehende Verträge, es soll einen Umbruch geben, so deute ich auch Carstens Aussagen. Es sollen mehr U-23-Spieler integriert werden, das ist uns in den letzten zwei Jahren nicht so gelungen, da müssen wir zulegen. Was ist so schwierig daran, gute U-23-Spieler für den SCP zu finden? Marc Fascher: Sie können mir glauben, dass wir einige U-23-Spieler auf dem Zettel hatten. Was unglücklich gelaufen ist, war die Nummer mit Marc Rzatkowski, der zu Arminia Bielefeld ging. Das war schon ärgerlich. Es war aber auch der eine oder andere Spieler, der noch unter Vertrag stand, bei dem aber die Berater betont hatten, dass sich das auflösen lassen würde. Wie Berater das immer so großspurig erzählen – und dann fordern die Vereine am Ende des Tages plötzlich Ablösesummen. Es gibt einen Tenor, der sagt, dass Marc Fascher lieber mit erfahrenen Mannschaften spielt und mit jüngeren Spielern nicht zurechtkommt? Marc Fascher: Das ist aber Quatsch, Schubladendenken. Warum haben wir diesen Kader genau so? Wir wollten Typen haben in der letzten Saison, die Erfahrung haben und unter Aufstiegsdruck nicht zusammenbrechen, die auch gegen Zweitvertretungen der Bundesligisten die Ärmel hochkrempeln – das hat meine Mannschaft in der Rückserie auch wunderbar umgesetzt. Diese Bilanz hat einen ganz entscheidenden Punkt im Aufstiegsjahr ausgemacht. Aus dem Aufstieg heraus gibt es auch viele Anschlussverträge, dadurch stand der neue Kader schnell. Andererseits spielt in manchen Fällen das Alter auch keine Rolle. Zudem mussten wir den Etat zusammenhalten. Unser Anforderungsprofil, gerade bei den U-23-Spielern, war auch, dass sie über Drittliga-Erfahrung verfügen. Björn Kluft ist so ein Beispiel, den wir aus Ahlen geholt haben. Das Gleiche galt bei Jose-Pierre Vunguidica, der in Offenbach Drittliga-Erfahrung gesammelt hatte. Er hätte die U-23-Regel erfüllt, wäre er nicht gerade im Verhandlungszeitraum zum angolanischen Nationalspieler geworden. Das ist für uns supernegativ gelaufen. Wir haben ihn dennoch geholt, weil wir von seiner Qualität überzeugt waren. Was aber wäre für Sie jetzt eine Weiterentwicklung, was wäre Ihr Wunsch, Ihre Vision? Marc Fascher: Sorry, da kann ich nicht vorgreifen. Andersherum: Was ist für Preußen Münster auf lange Sicht möglich? Marc Fascher: Da bin ich mir ziemlich sicher, dass in Münster die 2. Bundesliga möglich ist. Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Münster in den letzten 21 Monaten entwickelt? Marc Fascher: Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich sehr wohlfühle. Zu Anfang musste ich mich reinfinden, das war ja nicht so leicht. Da habe ich mich in die Sache reingearbeitet, reingebissen. Aber mit der neuen Saison war das auch mein Baby. Damit begann praktisch meine Arbeit. In Berlin hat sich Trainer Markus Babbel Bedenkzeit ausgebeten, er kann entscheiden, ob er den neuen Vertrag unterschreiben will. In Münster sind Sie aufgestiegen, stehen in der 3. Liga ganz ordentlich da, aber hier liegt kein Vertrag vor. Ist das fair? Marc Fascher: Ich glaube, man muss jeden Fall separat betrachten. Es könnte aber auch so sein, dass der Fußballlehrer Marc Fascher Begehrlichkeiten bei anderen Clubs geweckt hat und ein Angebot gar nicht annehmen würde, weil er sich beim SCP eine noch bessere Reputation verschafft hat? Marc Fascher: Das hoffe ich doch ganz stark. Das wäre auch traurig, wenn die geleistete Arbeit nicht anerkannt würde. Ich bin selbstbewusst genug und hatte Glauben in meine Fähigkeiten schon, als ich vor zwei Jahren mein erstes Gespräch hier geführt habe. Wollen Sie in Münster bleiben? Marc Fascher: Ich kann es mir jedenfalls sehr gut vorstellen. Also, was spricht gegen eine Vertragsverlängerung beim SC Preußen Münster? Marc Fascher: Im Moment fällt mir nicht so viel dagegen ein, aber man weiß nie. Hoch eingestiegen als Aufsteiger, dann eine Krise, nun stabilisiert. Wo kann das noch mit dem SCP in dieser Saison hingehen? Marc Fascher: Ganz ehrlich? Das ist ganz schwer einzuschätzen. Wir haben schon vieles erlebt in der Hinserie. Unsere Leistungen und Auftritte waren ein Spiegelbild für die 3. Liga, das erleben nicht nur wir so, sondern jede Mannschaft mit Ausnahme von Spitzenreiter SV Sandhausen. Fast alle haben dieses Wechselbad der Gefühle durchwandert. Ich glaube, das wird bis zum Ende der Saison auch so bleiben. Es geht darum, wer seine Mannschaft am besten ausbalanciert. Stand jetzt: Gefühlte 15 Teams spielen noch irgendwie um den Aufstieg, bleibt das wirklich so? Marc Fascher: Im Moment traue ich nur Sandhausen alles zu. Alles andere ist eine Wundertüte. Wehen-Wiesbaden ist eigentlich auch dazuzurechnen, weil sie gegen uns wie eine Spitzenmannschaft aufgetreten sind. Sandhausen hat zwei besondere Merkmale. Bei Standards haben sie eine Riesenqualität, das ist gerade bei den vielen Unentschieden-Spielen ein Faktor. Und natürlich hat Sandhausen mit Frank Löning einen Ausnahmestürmer in den eigenen Reihen. Dann muss Münster sich nur in den Standards verbessern und Radovan Vujanovic in der Spitze spielen, um im Aufstiegskampf mitreden zu können? Marc Fascher: Sandhausen ist da eine Ausnahme mit den Innenverteidigern Pischorn und Schulz, dazu Danneberg und Löning, der Kader ist genau dafür ausgerichtet, sehr präsent in solchen Momenten zu sein. So lapidar kann man das nicht umstellen bei uns. Und weil wir das nicht haben, sind wir auch nicht so weit oben angesiedelt. Wird es im Winter einen Kaderumbau geben? Marc Fascher: Das ist so nicht geplant. Es sei denn, ein Spieler verletzt sich längerfristig oder ein Spieler kommt auf uns zu und möchte den Verein verlassen. Angedacht ist aber nichts.

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