Prozess-Auftakt nach Sprengstoffanschlag
Juri C. gibt die Tat zu - Verteidiger: "Böllerwürfe gehören für Italiener zur Fankultur"

Osnabrück - Das Medieninteresse ist gigantisch. Etwa 40 Vertreter der Presse sind am Landgericht Osnabrück akkreditiert, um am Donnerstag dem öffentlichen Prozess in Sachen Böllerwurf beim Derby Münster gegen Osnabrück vom 10. September 2011 beizuwohnen. Inzwischen hat die Verhandlung begonnen.

Donnerstag, 23.02.2012, 08:02 Uhr

Prozess-Auftakt nach Sprengstoffanschlag : Juri C. gibt die Tat zu - Verteidiger: "Böllerwürfe gehören für Italiener zur Fankultur"
Vor dem Landgericht Osnabrück wird gegen Juri C. wegen eines Sprengstoffanschlages im Spiel Osnabrück gegen Münster verhandelt. Foto: Jürgen Peperhowe

Update (14:17 Uhr): Das war's für den ersten Verhandlungstag am Landgericht Osnabrück . Vier Nebenkläger wurden noch angehört, vier Polizisten, die die Geschehnisse schilderten. Knalltraumata, Brandverletzungen, Schocks und Tinnitus-Syndrome trugen die Geschädigten davon. Am kommenden Dienstag wird der Prozess fortgesetzt mit weiteren Zeugen-Anhörungen.

Update (12:38 Uhr): Der erste Verhandlungstag ist in der Mittagspause. Bis jetzt wurden neben dem Angeklagten vier Zeugen verhört, einer verdeutlichte nochmals das Ausmaß des Böllerwurfs : "Die Stufen haben gebebt." Juri C.s Rechtsanwalt lässt auf eine Verteidigung mit drei Strängen schließen. Sein Mandant sei nicht mehr steuerungsfähig gewesen, aufgrund diverser Rauschmittel, die er eingenommen habe. Die Dimension seiner Tat sei nicht vorhersehbar gewesen und außerdem kenne der 2009 aus Neapel nach Deutschland gekommene Angeklagte Böllerwürfe als Fankultur .

Unterstützend hierzu ist auch Carlo Balestri geladen, Leiter des "progetto ultrà", eine Beobachtungsstation für den modernen Fußball. In Balestris Umfeld entstand außerdem mit dem Movimento Ultras ein Knotenpunkt für jene Fans, die dem Fußballgeschäft und seinen Begleiterscheinungen kritisch gegenüber stehen.

Prozessbeginn: Neben der Presse sind 50 Zuschauer im Gerichtssaal 272.23 mit dabei. Etliche Polizisten waren am Morgen bereits vor Ort, um die Zuschauer genaustens zu kontrollieren.

Angeklagt ist der 24-jährige Münsteraner Juri C. . Er hatte gestanden, bei dem Derby im vergangenen Herbst einen Böller in den ehemaligen Spielertunnel der osnatel-Arena geworfen zu haben. Dabei wurden insgesamt 33 Menschen verletzt, darunter fünf Kinder. Neun Nebenkläger treten in der Verhandlung auf.

Während der ersten Prozessminuten entschuldigte sich der Italiener bei den Opfern. Eine Dolmetscherin übersetzte ins Deutsche. Zudem erzählte er Details von dem Tag, an dem er den Böller warf. Den Sprengsatz habe er in seiner Unterhose transportiert. Eigentlich sei dieser für einen Fankollegen bestimmt gewesen.

Dass er den Sprengsatz letztlich um kurz vor 14 Uhr selbst warf, erklärte er damit, dass er einen Blackout gehabt habe. In Italien sei es unter Fans üblich, Böller zu werfen, um die Mannschaft anzufeuern. Außerdem habe er vor und während des Spiels unter massivem Drogeneinfluss gestanden.

Juri C. droht eine Haftstrafe von zwei bis 15 Jahren. Der Prozess begann um 9:15 Uhr. Insgesamt wurden sieben Verhandlungstage angesetzt. Am Donnerstag werden die ersten fünf Zeugen verhört.

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