Keine Nachsicht für Juri C.
Sprengkörper-Wurf beim Derby zwischen Preußen Münster und VfL Osnabrück: Verteidiger geht in Revision

Osnabrück -

Walter S., der am schwersten verletzte Polizist, nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis. Fünf Jahre Haft für Juri C., auch ihm war keine Emotion anzusehen. Wenig später, als die Urteils-Begründung der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Osnabrück verlesen war, wirkte der Polizeibeamte in sich gekehrt. „Ich begrüße das Urteil und halte den präventiven Charakter für richtig.“ 

Freitag, 23.03.2012, 19:03 Uhr

Keine Nachsicht für Juri C. : Sprengkörper-Wurf beim Derby zwischen Preußen Münster und VfL Osnabrück: Verteidiger geht in Revision
Geht für fünf Jahre ins Gefängnis: Juri C. dürfte aber nach zwei Jahren als italienischer Staatsbürger in seine Heimat abgeschoben werden. Foto: dpa

Insgesamt 53 Verletzungen wurden bei Walter S. festgestellt, er stand nur wenige Meter entfernt, als der Sprengkörper beim Fußballderby am 10. September in Osnabrück explodierte, lange litt er an den Folgen, musste mehrfach operiert werden.

Aufsehenerregend war das Urteil für den Täter Juri C. , einen 24 Jahre alte Italiener, der den illegal erworbenen Sprengkörper vom Typ „Delovo Rana 75“ wenige Sekunden vor dem Anpfiff in der ausverkauften Osnatel-Arena in Richtung alter Spielertunnel geworfen hatte. Draußen vor dem Gerichtssaal sympathisierten gestern Mitglieder der offiziell aufgelösten Ultra-Fangruppe „Curva Monasteria“ mit Shirts, auf denen „Juri non mollare“ stand – „Juri gib nicht auf“. Er ist weiter einer von ihnen. Osnabrücker Anhänger hatten derweil an den Laternenmast vor dem Gerichts-Haupteingang Aufkleber mit „Scheiß Preußen Münster “ gepappt.

Die Urteils-Erklärung dauerte gut eine halbe Stunde. Der Richter sprach von einer „perfekten Inszenierung“, die Einzeltäter-Theorie wurde vom Tisch gewischt. Juri C. habe den Vorsatz zur Tat gehabt, unterstützt von Helfern, begleitet von Mitwissern, alles kein Zufall. Deshalb fiel das Strafmaß noch einmal um sechs Monate höher aus, als es der Staatsanwalt gefordert hatte. Der war von einer spontanen Tat ausgegangen, das Gericht sah eine durch und durch geplante Aktion mit Rachedurst, Hass und Gewalt als Triebfedern. „Alle Dinge sind zu seinen Ungunsten verworfen worden“, zeigte sich der Anwalt von Juri C. überrascht von der Härte des Richterspruchs.

Er kündigt Revision an. Reue? Sie wäre eher der U-Haft geschuldet als der Einsicht, erklärte die Kammer. Juri C. hätte sich nicht distanziert von den Ultras, die an jedem Verhandlungstag mit einer Delegation im Gerichtssaal vertreten waren. Die mit kleinen Gesten unterstrichene Verbrüderung hätte die Entschuldigung bei den Opfern an Glaubwürdigkeit gekostet. Steuerungsfähigkeit? Die wäre gegeben gewesen, da die Tat lange vorher geplant gewesen sei. Außerdem habe Juri C. sein Geständnis in Sachen Alkohol- und Drogen-Konsum im Laufe der Verhandlung weiter ausgebaut. Täter-Opfer-Ausgleich?

Aus Sicht des Gerichts, trotz Anerkennung von 40 500 Euro, nicht maßgeblich, weil der Täter bislang keinen Euro gezahlt habe. Kein Stein der Verteidigung blieb auf dem anderen. Juri C. wird wohl zwei Jahre in der JVA Osnabrück absitzen, ehe er in sein Heimatland Italien abgeschoben werden dürfte. Der Haftbefehl bleibt bestehen, eine Verlegung in den offenen Vollzug nach Lingen oder Brackwede ist ausgeschlossen. Walter S. dagegen verließ den Saal gefasst: „Gesundheitlich geht es mir gut, alle Verletzungen sind abgeklungen. Ich gehe wieder ins Stadion, sowohl als Zuschauer wie auch als Polizist.“ Leise endete der Prozess.

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