Preußen-Präsident de Angelis im Interview
„Vorgehen ist unangemessen“

Münster -

Die geplante 2,8 Millionen Euro teure Sanierung des Preußen-Stadions sorgt in diesen Tagen für Schlagzeilen. Was Fußball-Drittligist Preußen Münster von der Stadt erwartet und Präsident Dr. Marco de Angelis über den Widerstand in der Politik denkt, verrät er im Interview mit WN-Redakteur Dirk Anger.

Sonntag, 18.03.2012, 11:03 Uhr

Preußen-Präsident de Angelis im Interview : „Vorgehen ist unangemessen“
Schultheiß qualmen die Füße Foto: Arndt Zinkant

Warum soll die Stadt den Preußen in diesem Sommer eine Rasenheizung finanzieren?

de Angelis: Es geht nicht nur um die Erneuerung des Rasens, sondern primär auch um die Durchführung der notwendigsten Instandhaltungsmaßnahmen des im städtischen Eigentum stehenden Stadions. Wir tragen als Verein noch Schulden ab, die auch darauf zurückzuführen sind, dass der Bebauungsplan für nichtig erklärt wurde und damit der geplante Neubau des Stadions an der Hammer Straße platzte. Die Mitfinanzierung einer Rasenheizung wäre ein Stück weit eine Förderung von Preußen Münster . Wir denken, dass es aufgrund der Bedeutung des Vereins für die Stadt und seine Bürger angemessen wäre, Preußen Münster im bescheidensten Ausmaß zu fördern, zumal der Verein auch ein Wirtschaftsfaktor ist und durch ihn auch Gewerbesteuer generiert wird.

Im Haushalt sind 900   000 Euro bis 2014 veranschlagt: Was ist damit aus Vereinssicht machbar und vor allem notwendig?

73187536

de Angelis: Wir sind uns mit der Stadtverwaltung einig, dass die sanitären Anlagen für Stehplatzbesucher dringend verbessert werden müssen. Für sicherheitsrelevante Dinge veranschlage ich im ersten Schritt ungefähr 80 000 Euro. Mit dem Rest des Geldes wollen wir den Rasen erneuern, der seit 60 Jahren hier liegt. Bei dieser Gelegenheit müssten aus unserer Sicht gleichzeitig mindestens die vorbereiteten Maßnahmen für die Rasenheizung durchgeführt werden, um zu verhindern, dass im Falle einer späteren Installation der neu verlegte Rasen wieder aufgenommen werden müsste. Dabei war es meine Vorstellung, dass der Verein versucht, den nach den sanitären Anlagen und den sicherheitsrelevanten Maßnahmen verbleibenden Betrag vollständig für das Thema Rasen und Rasenheizung zu verwenden. Durch die Initiative und Eigenleistung des Vereins würde also auch für die Stadt Münster ein Mehrwert erzielt. Die Rasenheizung würde schließlich in das Eigentum der Stadt Münster übergehen.

Was ist der Verein gewillt, aus eigenen Mitteln zu finanzieren?

de Angelis: Wir würden die späteren Unterhaltungskosten einer etwaigen Rasenheizung tragen. Außerdem würden wir in die Vorfinanzierung des Betrages von 600 000 Euro gehen. Und die Zinsen dafür aufbringen. Zudem würden wir versuchen, für alle Bereiche, also auch für die, für welche die Stadt ausschließlich zuständig ist, Sponsorenleistungen bereitzustellen, die die Gesamtkosten reduzieren würden.

Die Zinsen würde der Verein selbst tragen?

de Angelis: So ist es.

Die Politik zeigt sich bislang ablehnend: Das muss Sie doch als Präsident angesichts des Aufstiegs in die 3. Liga ärgern.

de Angelis: Wir können keine Ansprüche stellen. Die Sitzung vom Finanz- und Sportausschuss vom vergangenen Donnerstag war für uns trotzdem gleichermaßen befremdlich wie frustrierend. Man musste den Eindruck gewinnen, dass einige wenige ihre persönlichen Befindlichkeiten und Leidenschaften gegen Preußen Münster ausleben. Immerhin kommen im Schnitt zu jedem Heimspiel mehr als 7000 Besucher. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wähler diesen Umgang mit dem Verein mehrheitlich wünschen.

Glauben Sie, dass das Anliegen des SC Preußen in der Öffentlichkeit verstanden wird?

de Angelis: Dass wir es besonders schwer haben, halte ich nach meinen Eindrücken vom Donnerstag für sicher. Aber dass der Rasen erneuert werden muss und eine Rasenheizung zeitgemäß ist, dafür ist zumindest bei den großen Parteien auch Verständnis vorhanden. Natürlich kann ich verstehen, dass das Thema Rasenheizung einen gewissen Diskussionsstoff erzeugt. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass es Diskussionen darüber gibt, dass dieses städtische Stadion von seinem Eigentümer, der Stadt, unverzüglich in einen verkehrssicheren und zeitgemäßen Zustand versetzt werden muss und den Stehplatzbesuchern angemessene Bedingungen zu bieten sind. Diese Vorgehensweise ist einer Stadt wie Münster und ihren Bürgerinnen und Bürgern unangemessen. Gleiches gilt aus meiner Sicht für den Umgang mit unserem Stadtdirektor Hartwig Schultheiß, ohne dessen pragmatische Lösungsansätze die neue Tribüne vermutlich noch nicht stünde.

Aber Sie bekommen doch 167   000 Euro Unterhaltungszuschuss pro Jahr von der Stadt.

de Angelis: Die gehen nicht in Fußballer-Beine. Wir geben jedes Jahr bis zu 400 000 Euro für die Unterhaltung aus. Das können wir belegen. Aber der Renovierungsstau hat sich aus der Historie entwickelt. Erst hieß es Preußen-Park, dann Nieberding. Das Stadion wird mittel- bis langfristig der Standort und die Heimat des Vereins sein. Die Politik sollte erkennen, dass Preußen Münster für viele Münsteraner eine hohe Bedeutung hat und ein Beitrag zu deren Lebensqualität ist. Das mögen einige wenige nicht verstehen können, es ist aber die Realität.

Die Preußen sind aber zuletzt nicht schlecht gefahren: Kunstrasenplatz, neues Flutlicht, sanierte Umkleidekabinen: Was sollen andere Sportvereine denken?

de Angelis: Es gibt viele städtische Sportanlagen, die gefördert werden und einen Kunstrasenplatz haben. Wir bieten in Münster Spitzen-Jugendsport an. Die Umkleidekabinen waren, ebenfalls aufgrund des Sanierungsstaus, mit gesundheitsschädlichem Schimmel befallen. Kann man wirklich meinen, dass diese Sanierung es rechtfertigt, den übrigen Sanierungsstau einschließlich sicherheitsrelevanter Maßnahmen und angemessener sanitärer Anlagen für die Stehplatzbesucher auf die lange Bank schieben zu dürfen? Ich habe den Eindruck, das Thema Rasenheizung wird vorgeschoben, um all die anderen notwendigen Maßnahmen ebenfalls wegzudiskutieren. Wenn die Stadt dazu kommt, diesen Verein nicht einmal mit einer Rasenheizung fördern zu wollen, dann mag sie zumindest sofort und ohne zu zögern sämtliche sicherheitsrelevanten Maßnahmen treffen und die sanitären Anlagen in einen vernünftigen Zustand versetzen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/682875?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F594895%2F696069%2F
Stadt setzt verstärkt auf Erbpacht
Die Stadt setzt bei der Grundstücksvergabe künftig verstärkt auf Erbpacht. Das könnte sich auch der Entwicklung der Konversionsflächen in Gremmendorf und Gievenbeck bemerkbar machen; hier ein Blick auf die das Areal der ehemaligen Oxford-Kaserne.
Nachrichten-Ticker