Fußball: Früherer Preußen-Stürmer
Spielerberater Güvenisik im Interview: „Freund und großer Bruder“

Für zehn Profivereine spielte Sercan Güvenisik in seiner Karriere. Nur zu einem wechselte er zwei Mal: Preußen Münster (2006 und 2010 bis 2012). Seit September 2014 agiert „Güve“, der früher Publikumsliebling, Goalgetter, Enfant terrible und immer ein Mann war, der polarisierte, als Spielerberater.

Freitag, 13.05.2016, 09:05 Uhr

In neuer Funktion: Sercan Güvenisik mit seinem ersten Schützling Rolf Feltscher (l.).
In neuer Funktion: Sercan Güvenisik mit seinem ersten Schützling Rolf Feltscher (l.).

Kürzlich holte sich Sercan Güvenisik für seine Berater-Agentur den früheren Kollegen und Ex-Profi Florian Mohr ins Boot. Die Sache ist längst ins Rollen gekommen. 18 Klienten betreut der einstige Stürmer aktuell. Die bekanntesten spielen beim MSV Duisburg ( Rolf Feltscher , Giorgi Chanturia) in der 2. Liga. Cebio Soukou ist soeben mit Erzgebirge Aue dorthin aufgestiegen. Er nennt sie fast liebevoll „Familienmitglieder“ und spielt eine fast schon väterliche Rolle, gibt sich viel zahmer als zu aktiven Zeiten, weitsichtig und voller Energie.

„Güve“ als Berater – wie kam es dazu?

Sercan Güvenisik: Eher durch Zufall. Ich hatte mir nach meinem Karriereende in der MLS erstmal eine Pause gegönnt, um mich neu zu orientieren. Dann habe ich in Miami im Aufzug den Vater meines ersten Spieler Rolf Feltscher kennengelernt. Er bat mich um Hilfe, und so bin ich da ungeplant hineingerutscht.

Die eigene Karriere war da schon abgehakt?

Güvenisik: Ja, offiziell schon seit 2012. Meine letzte Station waren die San José Earthquakes. Mein sehnlichster Wunsch war ja eigentlich ein Abschiedsspiel im Preußen-Trikot.

Gibt es denn noch Kontakte zum SCP?

Güvenisik: Klar, die Bosse kenne ich alle noch. Mit Trainer Horst Steffen habe ich in Duisburg gespielt. Schade nur, dass dem Verein mit Marco de Angelis ein ehrenvoller und leidenschaftlicher Präsident verloren gegangen ist.

Und von Berufs wegen?

Güvenisik: Natürlich auch. Ich biete auch Spieler an, die der Mannschaft helfen könnten. Bisher hatte ich immer ein gutes Händchen, vielleicht ergibt sich ja im Sommer ein Transfer zu meinem Herzensverein. Wenn ich schon nicht helfe beim Zweitliga-Aufstieg, kann es vielleicht einer meiner Klienten tun.

Wie eng sind die Beziehungen zum MSV Duisburg?

Güvenisik: Natürlich habe ich einen besonderen Draht zum MSV, dort begann meine Profikarriere. Zu den meisten Ex-Vereinen habe ich ein gutes Verhältnis. Man sieht sich ja immer zwei Mal.

Wie müssen wir uns das Aufgabenfeld vorstellen?

Güvenisik: Sehr breit. Es ist nicht damit getan, Spieler von A zu B zu bringen. Ich versuche, für meine Jungs mehr ein Freund, ein großer Bruder zu. Sie wollen alle mal gestreichelt werden oder brauchen mal klare Ansagen zu ihren Leistungen. Sie rufen mich oft an, wir tauschen uns aus, oft auch über Privates. Ich kümmere mich um ihre mentale Stärke. Ich möchte, dass wir eine kleine Familie sind.

Wo liegt der Schwerpunkt der Arbeit?

Güvenisik: Hauptsächlich in Deutschland. Hier habe ich zwölf Jahre gespielt, hier kenne ich mich aus. Das ist ein Vorteil. Aber auch in der Türkei bin ich tätig, und in den USA, wo ich 30 Prozent der Zeit verbringe. Dort habe ich auch drei Spieler.

Besitzen Sie eigentlich eine Beraterlizenz?

Güvenisik: Die gibt es ja bekanntlich nicht mehr. Aber ich bin selbstverständlich offiziell beim DFB gemeldet. Die beste Lehre bleibt jedoch die eigene Fußballerlaufbahn.

Was genau daraus können Sie einbringen?

Güvenisik: Ich glaube, ich kann durch meine Erfahrung vieles abschätzen und beurteilen. Es geht auch darum, welcher der beste Schritt für die Karriere ist, die ist nun mal für Fußballer sehr kurz ist. Da sollte man gute Entscheidungen treffen und diese kontinuierlich aufbauen. Dabei ist der große Vertrag mit großen Zahlen nicht immer vorteilhaft. Das muss ich meinen Jungs verständlich machen, ich kann mich als Ex-Profi in sie hineinversetzen und sie im Bedarfsfall aufrichten.

Der Ruf der Branche ist dennoch angekratzt …

Güvenisik: Ich habe mit keinem Verein Probleme. Die Clubs merken schnell, wenn unseriöse Berater in die eigene Tasche wirtschaften wollen. Solange man fair bleibt, ist alles gut. Ich bekomme aus meinem Umfeld viel Zuspruch und möchte den Job so lange wie möglich machen. So kann ich im Fußball bleiben.

Wie arbeitsintensiv ist die Tätigkeit?

Güvenisik: Es ist keine körperliche Belastung mehr wie als Spieler. Aber es kann anstrengend werden, wenn man sich um alle Sorgen kümmert. An manchen Tagen habe ich 60, 70 Anrufe, 30 SMS und 60 Whatsapp-Nachrichten, dazu noch allerlei in sozialen Medien. Meine Mutter schimpft jedes Mal, wenn ich zu Besuch bin und beim Essen mein Handy klingelt. Seit Neuestem muss ich es im Auto lassen, wenn ich ihre Wohnung betrete…

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