Fußball: 3. Liga
Amaury Bischoff wechselt zu Hansa Rostock

Münster -

Dann ging alles sehr schnell. Nach dem Training am Freitag checkte Amaury Bischoff seine Mails, fand die Bestätigung für den neuen Arbeitsvertrag bei Hansa Rostock, ging zu Trainer Benno Möhlmann und erklärte, dass er nun zu Hansa Rostock wechseln wird. Wenig später verabschiedete sich der 29 Jahre alte Franzose von seinen bisherigen Mitspielern, räumte den Spind, schaute in der Geschäftsstelle vorbei und war weg.

Freitag, 20.01.2017, 18:01 Uhr

Der Bischoff verlässt die Domstadt: Amaury Bischoff wechselt zu Hansa Rostock.
Der Bischoff verlässt die Domstadt: Amaury Bischoff wechselt zu Hansa Rostock. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach viereinhalb Saisons, nach 55 Monaten in Münster bricht der filigrane Franzose seine Zelte ab und sucht die Herausforderung beim Rang-13. der 3. Liga – und damit bei einem wie Münster im Abstiegskampf steckenden Club. Ein Wiedersehen könnte bald folgen: Rostock gastiert am 5. Februar in Münster.

Seit 2011 spielen die Preußen in der Drittklassigkeit, der 2012 von Desportivo Aves (Portugal/2. Liga) gekommene Mittelfeldspieler prägte die letzten viereinhalb Jahre entscheidend mit. In der Saison 2012/13 stieg er als Passgeber, Einflüsterer für Standards und auch Torschütze ganz hoch ein in Münster. Das Kicker Sportmagazin kürte ihn zum besten Mittelfeldspieler der Saison. Bischoff war im Sommer 2013 unantastbar.

Amaury Bischoff verlässt Preußen Münster

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  • Amaury Bischoff wechselt nach viereinhalb Jahren beim SC Preußen mit sofortiger Wirkung zu Hansa Rostock.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im Winter-Trainingslager war Amaury Bischoff noch für den SCP am Ball. Mit Neuzugang Christian Müller hat er sich offenbar gut verstanden.

    Foto: Thomas Rellmann
  • Für den Rückrundenstart schuftete Bischoff zuletzt im Kraftraum.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im Achtelfinale des Westfalenpokals siegte Bischoff mit den Preußen Anfang November mit 2:1 gegen den SuS Neuenkirchen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gegen Erfurt jubelte er in der Hinrunde über seinen Treffer zum 4:0-Endstand. Insgesamt erzielte er in 142 Drittligaspielen für den SCP 30 Treffer und bereitete 31 weitere vor.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach seinem verschossenen Elfmeter gegen Holstein Kiel wäre der zentrale Mittelfeldspieler am liebsten im Erdboden versunken.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • „Seht her, ich hab den Treffer gemacht“ – im Spiel gegen Amaury Bischoff klopft er sich stolz auf das Preußenwappen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Da war die Welt von Amaury Bischoff noch in Ordnung: Gemeinsam mit Ex-Trainer Ralf Loose freut er sich über einen Erfolg gegen die Stuttgarter Kickers. Bereits seit 2012 trägt er das Preußen-Trikot.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mehmet Kara und Amaury Bischoff: Die ehemals unangefochtenen Stammspieler diskutieren über die richtige Taktik.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hin und wieder bekam Bischoff ordentlich einen auf die Knochen. Hier musste er gestützt vom Mannschaftsarzt Cornelius Müller-Rensmann den Platz verlassen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Besonders in den Spielen gegen den VfL Osnabrück stand Bischoff oft im Mittelpunkt. Für sein brutales Foul am Osnabrücker Tom Christian Merkens bekam er 2014 nicht nur Rot, sondern auch eine Sperre von fünf Spielen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Doch damit war die Geschichte nicht beendet. Fast zwei Jahre später rastete Merkens, der seit dem Bischoff-Foul kein Spiel mehr für den VfL machen konnte, aus. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff rannte er in Zivilkleidung auf den Platz und riss Bischoff zu Boden. Bischoff verzichtete anschließend auf eine Strafanzeige.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als junger Spieler absolvierte er sogar eine Partie für den glorreichen FC Arsenal, doch zuletzt musste sich Amaury Bischoff immer häufiger mit einem Platz auf der Reservebank zufrieden geben – in der dritten Liga beim SC Preußen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bäumer mit dem damaligen Kapitän Amaury Bischoff.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Unter Trainer Pavel Dotchev hatte Bischoff seine beste Zeit bei den Preußen. Unter dem Trainer, der ihn nach Münster holte, glänzte er als Standardschütze und Taktgeber im Mittelfeld.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 2012 hatte er bei seiner Vorstellung durch Dotchev (M.) und Carsten Gockel noch wesentlich volleres Haar und auch sehr viel jugendlichere Gesichtszüge.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gemeinsam mit Matthew Taylor machte Bischoff die besten Spiele in der Domstadt. Gemeinsam schlitterten sie in der Drittligasaison 2012/13 als Tabellenvierter knapp am Aufstieg vorbei.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Bischoff wird das Preußen-Trikot zukünftig gegen den Dress von Hansa Rostock tauschen. Dort will er wieder öfter von Beginn an auf dem Rasen stehen als zuletzt beim SCP.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Pavel Dotchev war sein Mentor

Alles änderte sich, weil sein Mentor Trainer Pavel Dotchev beurlaubt wurde. Die Saison 2013/14 war das genaue Gegenteil, drei Platzverweise unterstreichen das, die Nerven lagen bei ihm blank. Der Wechsel zum Zweitligisten FC Heidenheim im Sommer 2014 soll auch daran geplatzt sein, weil Bischoff eine Fünf-Spiele-Sperre zum Saisonstart absitzen musste.

Und überhaupt: Das Level der Ära Dotchev erreichte Bischoff in den folgenden Saisons nicht mehr oder nur in Teilen. Unter Ralf Loose wurde er zwar 2015 Kapitän, doch die Mannschaft funktionierte bei Weitem nicht so gut wie über weiter Strecken unter Pavel Dotchev.

Testspiel gegen Bochum

Die Generalprobe des SC Preußen steigt am Samstag (21. Januar 2017, 14 Uhr) im eigenen Stadion gegen Zweitligist VfL Bochum. Die Rasenheizung läuft, die Partie ist nicht gefährdet. Die Eintrittspreise sind überschaubar (10 Euro Tribüne; 7/5/3 Euro für einen Stehplatz). Fraglich ist der Einsatz von Benjamin Schwarz sowie Abwehrspieler Sebastian Mai. Inwieweit nach dem Abgang von Amaury Bischoff eine Verpflichtung von Stürmer Martin Kobylanski (Lech Danzig) perfekt gemacht werden wird, ist noch offen. Vielleicht holt der SCP auch einen Defensivallrounder.

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Regisseur mit allen Freiheiten

Da war Bischoff der Regisseur mit allen Freiheiten, ein Ballflüsterer, läuferische Defizite glichen seine Mitstreiter aus, er zahlte aus der Trickkiste mit Pässen, Freistoßtreffern und Ideenreichtum zurück. Auch sein Image, als einer der Fouls provoziert und zelebriert, dessen spitze Schreie bis Kattenvenne zu hören waren, wurde nicht besser.

Steckbrief: Amoury Bischoff.

Steckbrief: Amoury Bischoff. Foto: Jürgen Peperhowe, Illustration: gap

Präsident Dr. Marco de Angelis war sein großer Fürsprecher

Der Vertrag des Franzosen wurde im Januar 2015 vorzeitig bis Sommer 2018 verlängert, der damalige Präsident Dr. Marco de Angelis war sein großer Fürsprecher. Anfang 2016 findet man die irreparable Bruchstelle. Trainer Horst Steffen wollte Pressing spielen, mit Bischoff war das nicht möglich. Man arrangierte sich, das war zu wenig für den Franzosen. Sein virtuoses Spielverständnis steht im Gegensatz zum heute vielfach praktizierten laufintensiven Fußball in Liga drei.

Derbys waren Bischoffs Glanzstücke

Ein Großmeister war er in den Derbys gegen Osnabrück und Bielefeld, es waren seine Glanzstücke. Aber da erlebte er auch seinen schlimmsten Moment, als er den Osnabrücker Tom Christian Merkens rüde von den Beinen holte und verletzte – für VfL-Fans ist er seitdem ein rotes Tuch. Auch beim SC Preußen ist die Meinung heute alles andere als homogen. Amaury Bischoff polarisiert wie kein anderer.

Unter Benno Möhlmann war er ebenfalls nicht mehr erste Wahl, die Kapitänsbinde war sowieso futsch, die Standards trat jetzt Michele Rizzi. Er geht, ablösefrei. Gefühlt sind alle damit sehr zufrieden. 

Kommentar: Bischoff fehlt die Beachtung

Au revoir Amaury, bonjour tristesse? Amaury Bischoff geht, und damit verliert Preußen Münster einen klassischen Spielermacher, die Nummer 10. Beraubt sich der SCP seiner wenigen noch gebliebenen Kreativität und Eleganz, folgt jetzt noch mehr tristes Gekicke?

Fakt ist, dass der SCP im Abstiegskampf steckt und alles in die Waagschale werfen muss, um mindestens auf Platz 17 zu landen. Das ist ein Knochenbrecher-Job in den nächsten Monaten. Und in diese Rollenspiele passt Bischoff wenig.

Damals am Anfang war Bischoff unverzichtbar. Nie wieder kam Bischoff an die Leistung der Saison 2012/13 heran, Ralf Loose, Horst Steffen und Benno Möhlmann bekamen ihn nicht wieder so hin. Auch weil ihm die besondere dotchevsche Behandlung und Beachtung nicht gewährt wurde. Bischoff braucht das, um gut zu sein.

Dieser Wechsel schadet nicht. Für Bischoff ist das eine Befreiung. Für Teile des SCP-Anhangs auch, weil er am Ende auch als Synonym für die Talfahrt stand. Ende der Liaison.

Alexander Heflik

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