Fußball: 3. Liga
Preußen-Eigenwächs Stoll setzt auf Medizinstudium statt auf Profi-Karriere

Münster -

Dieser Schritt ist überaus ungewöhnlich: Lennart Stoll hat dem SC Preußen mitgeteilt, dass er demnächst lieber Medizin studieren will, statt sein letztes Vertragsjahr beim Drittligisten zu bestreiten. Aufgelöst ist das Arbeitspapier noch nicht. Ein Veto ist dennoch nicht zu erwarten.

Dienstag, 24.04.2018, 14:04 Uhr

Lennart Stoll (o.) möchte sich in Süddeutschland dem Medizinstudium widmen.
Lennart Stoll (o.) möchte sich in Süddeutschland dem Medizinstudium widmen. Foto: Jürgen Peperhowe

Als am Samstag beim 1:2 gegen Halle nicht Lennart Stoll, sondern Philipp Hoffmann auf der rechten Außenbahn der Preußen Fabian Menig vertrat, war das auf den ersten Blick überraschend. Doch da Trainer Marco Antwerpen bereits die neue Saison plant, ergibt diese Besetzung Sinn. Denn Stoll wird Münster, seine Heimatstadt, wohl verlassen und auch dem Profifußball den Rücken kehren. Der 21-Jährige plant ein Medizin-Studium in Ulm und möchte seinen Vertrag, der bis 2019 läuft, auflösen.

Beim 1. FC Gievenbeck groß geworden

2015 kam der Allrounder, der beim 1. FC Gievenbeck groß wurde, aus der U 19 in den Profi-Kader. Immerhin 40 Drittliga-Spiele (kein Tor) bestritt er seitdem, mal im Sturm, mal im Mittelfeld, mal als Rechtsverteidiger. Elf Mal reichte es für die Startelf, trotz aller Einsatzfreude aber nie für einen echten Stammplatz. „Ich hatte mir gerade für diese Spielzeit mehr vorgenommen“, sagt er. „Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Einsätze aber eher weniger geworden. Ich habe schon ordentliche Spiele, auch in der Hinrunde, gemacht, bin aber dann auch oft rausrotiert. Mir ist klar, dass das dann auch an mir liegt.“

Kommentar: Anders – und clever

Lennart Stoll ist ein perfekter Backup für viele Positionen. Das Eigengewächs ist bescheiden, im Team anerkannt, steht beispielhaft für unbändigen Willen und Laufbereitschaft. Stammkraft wurde er aber in drei Jahren nie – vielleicht fehlt dafür einfach das Durchsetzungsvermögen. Die eigene Stagnation zu erkennen, diese nicht Trainern oder sonst wem in die Schuhe zu schieben, sondern sich außersportliche Perspektiven zu schaffen – das verdient größte Anerkennung. Viele Fußballer in der 3. oder 4. Liga klammern sich so lange wie eben möglich an den Profi-Traum. Und vernachlässigen die Zeit danach viel zu lange. Stoll ist anders. Stoll ist clever.

...

Biologiestudium bereits angefangen

Antwerpen war schon etwas verwundert über den Vorstoß des Eigengewächses, deutet aber auch an, dass der Verein ihm keine Steine in den Weg legt. „Wenn jemand diesen Wunsch hat, sollte man ihm entgegenkommen“, so der Coach. Stoll, dessen Vater Volker Arzt in einer renommierten Sportklinik in Lüdenscheid ist und unter anderem den Teamkollegen seines Filius’, Benjamin Schwarz, am Knie operierte, hat in Münster bereits angefangen, Biologie zu studieren, quasi als Vorbereitung auf sein jetziges Vorhaben. Die Zusage aus Ulm liegt bereits vor. „Und da denke ich natürlich auch an die Zeit nach dem Fußball. Medizin hatte ich schon immer im Hinterkopf.“

Aktiv auf dem Platz wird der Rechtsfuß künftig also eher in den oberen Amateurregionen Baden-Württembergs zu finden sein. „Es fiel mir auch nicht leicht, diesen Schritt zu gehen. Aber ich möchte mich auch persönlich entwickeln“, sagt er. Ein Veto des SCP ist Stand jetzt unwahrscheinlich.

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