Fußball: 3. Liga
Preußen-Trainer Marco Antwerpen: „Ballbesitz bringt keine Punkte“

Münster -

Die Partie beim VfR Aalen steckt den Preußen noch immer in den Knochen. Der Drittligist von der Hammer Straße leistete sich beim 1:4 einen kollektiven Blackout. Die Kurve zeigt nach unten. Warum? Dies erklärt SCP-Coach Marco Antwerpen im Interview.

Dienstag, 18.09.2018, 14:42 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.09.2018, 18:08 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 14:42 Uhr
Es gibt Tage, an denen Fußball keinen Spaß macht: In Aalen litten auch die Aus- und Einwechselspieler der Preußen mit.
Es gibt Tage, an denen Fußball keinen Spaß macht: In Aalen litten auch die Aus- und Einwechselspieler der Preußen mit. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Spielzeit in Liga drei ist gerade einmal sieben Spieltage alt und der SC Preußen Münster hat in Rekordzeit schon fast alle Hochs und Tiefs durchlaufen: Platz eins nach vier Spieltagen, Platz 13 nach sieben. Galavorstellung in Kaiserslautern, Totalausfall in Aalen. Das Team hat Kontakt nach oben und nach unten, aber nach drei Niederlagen zeigt die Kurve eher abwärts. Trainer Marco Antwerpen sieht diese Tendenz mit Besorgnis, aber gleichzeitig auch das Potenzial der Mannschaft. Warum es manchmal läuft, wie es läuft, versucht er im Gespräch mit Redakteur Ansgar Griebel zu skizzieren.

Wie erklären Sie sich und uns die aktuelle Talfahrt?

Antwerpen: Ich glaube, dass wir Probleme haben, Spiele zu Hause zu gewinnen. Woran das liegt, fragen wir uns alle. Wir kriegen die Power nicht auf den Platz. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir mit den Siegen zum Saisonstart natürlich auch eine Erwartungshaltung geweckt haben. Nicht nur den Fans gegenüber, sondern auch gegenüber uns selbst – und dass der Druck dann zu groß wird.

Aber zuletzt lief auch auswärts nichts zusammen.

Antwerpen: Das Spiel gegen Aalen muss man da rausnehmen. Da ist uns so gar nichts gelungen. Natürlich war ich auch in Osnabrück nicht zufrieden, dass wir nur 40 Minuten richtig Fußball gespielt haben, und auch gegen Uerdingen fehlten uns 25 Minuten. Aber in Aalen hatte die Mannschaft einen kompletten Aussetzer, daran wird man sie nicht messen müssen. Wie arbeitet man so einen kollektiven Aussetzer auf? Bekommt man den bis zum nächsten Spiel am Freitag aus den Köpfen?

Antwerpen: Natürlich kann man daran arbeiten. Wir haben da ausführlich drüber gesprochen. Die Spieler sind da sehr selbstkritisch und wissen das sehr gut einzuschätzen.

„Ballbesitz“ ist für sie ein Reizwort. Sie sagen, dass das Team davon nicht profitiert, im Gegenteil ...

Antwerpen: Wir spielen nicht das, was wir vor der Saison ausgerufen haben. Wir müssen einfach die defensive Mentalität auf den Platz bringen, egal in welcher taktischen Aufstellung. Wenn wir weiter versuchen, uns über den Ballbesitz zu definieren, werden wir keine Punkte sammeln. Das ist in der 3. Liga ganz entscheidend.

Sie predigen das seit Wochen – zuletzt vergeblich. Kann man den Spielern den Hang zum Ballbesitzfußball austreiben?

Antwerpen: Wir haben doch selbst die besten Beispiele gegeben. Schauen wir uns unsere drei Siege an: Im Spiel gegen Kaiserslautern, wo wir uns gegen die Niederlage gestemmt und aus der defensiven Grundhaltung nach vorne die Chancen entwickelt. In Köln war das so, der Gegner hatte kaum Gelegenheiten. Und gegen Lotte haben wir selber nicht einmal viele Chancen erarbeitet, aber wir haben hinten ganz stabil gestanden – und, wenn man die Null hält, dann kann man auch ein Spiel mit 1:0 gewinnen.

Klingt einfach, scheint aber schwer zu sein ...

Antwerpen: Naturgemäß hat man mehr Ballbesitz, wenn man in Rückstand gerät und der Gegner sich zurückzieht. Wir bekommen ja dann auch nicht ein Tor, sondern meist auch noch das zweite. Natürlich wird es dann noch schwieriger. Und es ist dann auch die Frage, was man mit dem Ballbesitz macht: Die Spieler laufen zu lange mit dem Ball, wir kommen zu früh ins Pressing. Das bringt nichts.

Zuletzt fehlte es Ihnen in der Offensive an kreativen Ideen. Fehlt da das passende Personal?

Antwerpen: Nein. Wir haben absolut genug kreative Spieler mit Klingenburg, Kobylanski und Rodrigues Pires. Aber auch diese Spieler müssen sich erst in jedes Spiel reinbeißen – in Aalen hat das nicht geklappt.

Können Sie die Liga nach sieben Spieltagen einschätzen – und wenn, wo sind die Preußen einzuordnen?

Antwerpen: Wir können natürlich nur nach unten sehen, aber wir können auch sagen, dass wir nur drei Punkte vom dritten Platz weg sind. Es scheint also eine ganz enge Liga zu sein. Ich sage es gerne noch einmal: Da können wir eine gute Rolle spielen, wenn wir die defensive Mentalität auf den Platz bringen, wenn wir kompakt stehen und daraus unser Spiel entwickeln.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6060374?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F
Unfall mit vier Verletzten auf A1
Transporter fährt auf: Unfall mit vier Verletzten auf A1
Nachrichten-Ticker