Fußball: 3. Liga
Der Blitzstart wird für die Preußen zum Programm

Münster -

Dieser Sieg war ein Ausrufzeichen. Das Ergebnis – 4:1 bei Hansa Rostock – sowieso, aber auch die Art und Weise, wie Preußen Münster an der Ostsee auftrat, hatte Klasse. Die Achse stand optimal. Dennoch ist ein Tritt auf die Euphoriebremse unvermeidlich.

Mittwoch, 26.09.2018, 16:23 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.09.2018, 12:38 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 26.09.2018, 16:23 Uhr
So jubelten die Preußen in Rostock: Lion Schweers (l.) klatscht Ole Kittner ab, Fabian Menig umarmt Lucas Cueto (r.).
So jubelten die Preußen in Rostock: Lion Schweers (l.) klatscht Ole Kittner ab, Fabian Menig umarmt Lucas Cueto (r.). Foto: imago/Eibner

Der Treppenwitz des Abends war dann gekommen, als die Spieler des SC Preußen den Rasen des Ostseestadions verließen. Die mächtige Fankurve von Hansa Rostock skandierte „Auswärtssieg, Auswärtssieg“. Was für die unterlegenen Gastgeber vor allem als Ansporn für das Spiel in Halle (das später abgesagt wurde) sein sollte, konnten die Preußen getrost auch als ihren Beifall verbuchen. 4:1 – war das ein starkes Stück.

Der etwas andere, der ein wenig neue SCP fuhr nicht fünfeinhalb Stunden zurück, sondern kehrte zur Nachtruhe im nahen Wismar ein. Trainer Marco Antwerpen wollte sofort mit der Regeneration beginnen, keine elendslange Kutschfahrt nach Münster mit Muskelkater und müden Knochen. „So schlafen wir aus, frühstücken gemeinsam, fahren zusammen heim und können noch am Mittwoch vernünftig trainieren“, sagte er, und dachte natürlich bereits an die Flutlichtpartie am Freitag daheim gegen den SV Wehen Wiesbaden (19 Uhr).

 

Hansa Rostock vs. Preußen Münster

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  • Hansa Rostock vs. Preußen Münster Foto: Andy Buenning/ Eibner-Pressefoto
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  • Hansa Rostock vs. Preußen Münster Foto: Andy Buenning/ Eibner-Pressefoto

 

Kommentar: Spannende Elf aus der Wundertüte

Vor der Saison drucksen Trainer und Verantwortliche sich gerne um die Antwort herum. Lieblingsausflucht: „Nach zehn Spieltagen wissen wir mehr.“ Am Freitag lässt sich also erahnen, wo es mit dem SC Preußen hingehen kann. Das Verfolgerduell gegen Wiesbaden wird die Tendenz festschreiben. Zehnter Spieltag halt. Mit einem Sieg stünde der SCP vor einem goldenen Herbst.Aus der Wundertüte Preußen Münster haben Sportchef Malte Metzelder und das Trainergespann Marco Antwerpen/Kurtulus Öztürk eine spannende Formation gezaubert. Der Drittligist, in den letzten beiden Spielzeiten nach dem ersten Saisonviertel stets im Aufzug nach unten, kann mehr als nur mithalten. Viele Neuzugänge haben positiv überrascht. Unter Flutlicht am Freitag hat das Team eigentlich mal wieder eine fünfstellige Kulisse verdient.

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Münster in Rostock unterstrich, dass der SCP über eine starke Achse verfügen kann: Torhüter Max Schulze Niehues, der sich mit seiner westfälischen Ruhe von nichts irritieren ließ. Davor wurde deutlich, warum Routinier Ole Kittner – er mag den Begriff nicht wirklich – so wichtig als Strippenzieher des Defensivverbundes ist. Nur sein Wort zählt. Freigeist Kevin Rodrigues Pires mit einer filigranen ersten Halbzeit ohne jede Beschattung durch den Gegner als Mann zwischen den Linien war ein Coup des Trainers. René Klingenburg noch ein Stückchen davor, der bei jedem Brandherd auf dem Feld seine Hände im Spiel hatte – mal als Brandstifter, mal als Feuerwehrmann. Und natürlich Rufat Dadashov.

Sein Doppelpack nach nicht einmal sechs Minuten führte Münster auf die Siegerstraße, später traf er zum 3:1 nach 65 Minuten. Partout wollte er nicht verraten, wie viele Tore er plane, in dieser Saison zu schießen. Am Freitag kommt es zum Aufeinandertreffer der Top-Torjäger in Liga drei, auch Daniel-Kofi Kyereh hat fünf Treffer markiert. „Das war ein geiles Spiel von uns“, sagte er ruhig nach Spielende. Er wisse gar nicht, ob er schon mal drei Tore in einer Begegnung erzielt habe. Hat er schon, zuletzt im Dezember in der Regionalliga Nordost beim 5:0-Triumph für den BFC Dynamo über den FSV Luckenwalde. Und drei Mal in Diensten des ZFC Meuselwitz im Köstritzer-Pokal, dem Verbandswettbewerb in Thüringen gegen Fortuna Körner, SGG Schweina und den Hainaer SV. Das wäre auch geklärt. Nicht zu vergessen sein Viererpack im August für Münster, im Westfalenpokal gegen den BSV Schüren.

Einzelkritik: Hansa Rostock vs. Preußen Münster

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  • Torwart Max Schulze Niehues, Note 2,5, hatte nicht so viel zu tun, klärte zwei gefährliche Bälle und zeigte sich ansonsten im Hexenkessel von Rostock so cool wie ein kalter Fisch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Lion Schweers, Note 2,5, machte sein Ding, hatte kaum Schwierigkeiten, wird immer konstanter in seinen Leistungen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Ole Kittner, Note 3, dirigierte und organisierte, hatte aber auch einen „Bock“ im Spiel und war auch am Anschlusstreffer zum 1:2 beteiligt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Jannik Borgmann, Note 2, musste sich auf der spielstärkeren Seite der Hausherren bewähren - und tat das auch. Seine ordentliche Leistung wurde zu einer guten, weil er im entscheidenden Moment auch vorne einschritt und das 3:1 vorbereitete.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsverteidiger Fabian Menig, Note 2,5, war in dieser Atmosphäre in seinem Element. Alle Preußen gut, Menig gut, weiter so.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Linksverteidiger Niklas Heidemann, Note 2,5, spielte vor der Pause eine überragende Partie. Nach dem Wechsel herrschte da etwas mehr Unordnung auf der linken Seite, als die Gastgeber noch einmal alles versuchten. In dieser Form unverzichtbar für den SCP.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Kevin Rodrigues Pires, Note 2,5, agierte als freischaffender Künstler zwischen Dreierkette und Mittelfeldreihe, war maßgeblich an der fulminanten ersten halben Stunde beteiligt, weil er seine spielerische Qualität voll ausspielen konnte.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Rene Klingenburg, Note 2,5, agierte zwar unscheinbarer als in den bisherigen Partien, war aber immer in den entscheidenden Momenten zur Stelle. Er bleibt Mister Omnipräsent in der Zentrale. „King Klinge“ halt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Martin Kobylanski, Note 3, wurde von den Rostockern besonders argwöhnisch verfolgt. Nein, dieses Mal gab es nach der Gala gegen Cottbus keinen großen Leistungsabfall. Hatte seinen Assist zum 4:1 zudem. Was will er mehr?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Angreifer Tobias Rühle, Note 3, mischte bei den Angriffen wie immer überall mit. Mit ihm in guter Verfassung sind die Preußen noch schwerer auszurechnen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Angreifer Rufat Dadshov, Note 1, hat als letztjähriger Regionalliga-Torschützenkönig im Nordosten spätestens jetzt seine Duftmarke auch in der 3. Liga gesetzt. Hätte möglicherweise auch noch ein viertes oder fünftes Tor schießen können. Ein perfekter Abend für den Nationalspieler aus Aserbaidschan.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Einwechselspieler Lucas Cueto, keine Note, kam für Tobias Rühle. Sein Sprint vor dem 4:1 dürfte mindestens neuer Kreisrekord über 50 Meter sein, Preußens Usain Bolt. Brachte Feuer in die Schlussphase.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Einwechselspieler Philipp Müller, keine Note, kam für Martin Kobylanski in der letzten Minute. Machte wie alle anderen Preußen eigentlich nichts falsch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Einwechselspieler Philipp Hoffmann, keine Note, kam für Rufat Dadashov und konnte in den wenigen Minuten zur Stabilität im SCP-Spiel beitragen. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Sportchef Malte Metzelder wollte nach dem zweiten Sieg mit Blitzstart-Doppelpacks in Folge – zuvor gab es ja gegen Cottbus den 3:0-Sieg – auf keinen Fall abheben. „Ich drücke die Euphoriebremse“, sagte er gelassen nach dem Erfolg beim Aufstiegsanwärter. Nichtsdestotrotz hofft er am Freitag auf eine gute Kulisse, bislang kamen 7833 Zuschauer im Schnitt zu den vier Heimspielen (31 335 insgesamt). Aber, so Metzelder: „Phasenweise war das richtig gut.“

Antwerpen sprach von einer ersten halben Stunde, die seinen Vorstellungen ganz nah kam. „In Teilen war die Umsetzung überragend. Vieles war so, wie wir es haben wollten.“ Eine Wiederholung dieser Leistung gegen Wehen Wiesbaden ist der Plan. Die Preußen waren vor zwei Partien noch in der Krise, jetzt sind sie auf dem Vormarsch, die 3. Liga ist schon ein verrücktes Huhn. Vorhersehbar? Nichts.

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