Fußball: 3. Liga
SCP-Erfolgstrainer Marco Antwerpen bleibt bescheiden und angriffslustig

Münster -

Die Mannschaft im Höhenflug, der Trainer mit beiden Füßen am Boden: Marco Antwerpen sorgt für die gesunde Mischung aus spielerischer Leichtigkeit und nötiger Bodenhaftung beim SC Preußen Münster.

Mittwoch, 07.11.2018, 19:47 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 16:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 07.11.2018, 19:47 Uhr
Erst Spieler bei den Preußen und in 184 Partien mit 66 Toren in achteinhalb Saisons als Angreifer erfolgreich. Seit Anfang des Jahres ist Marco Antwerpen nun als Trainer des Fußball-Drittligisten tätig.
Erst Spieler bei den Preußen und in 184 Partien mit 66 Toren in achteinhalb Saisons als Angreifer erfolgreich. Seit Anfang des Jahres ist Marco Antwerpen nun als Trainer des Fußball-Drittligisten tätig. Foto: Jürgen Peperhowe

Seit seinem Dienstantritt Anfang des Jahres stand Marco Antwerpen in 33 Punktpartien beim SC Preußen Münster in der Verantwortung. Saisonübergreifend holte er im Durchschnitt 1,82 Punkte – damit kann eine Mannschaft aufsteigen, und Münster ist aktuell Tabellenzweiter.

Am Sonntag geht es nun zur SG Sonnenhof Großaspach. Der 47 Jahre alte Fußball­lehrer sprach mit unserem Re­daktionsmitglied Alexander Heflik über den Höhenflug der Adlerträger.

Fliegt der SC Preußen unter dem Radar der Konkurrenz?

Marco Antwerpen:  Warum?

Naja, weil niemand den SCP vor der Saison für einen Spitzenrang auf der Rechnung hatte?

Antwerpen: Das mag so sein. Vieles hängt immer von den Möglichkeiten ab, die waren bei uns vor der Saison nicht so offensichtlich. Aber wir haben das Gerüst der Vorsaison behalten und uns mit Augenmaß verstärkt. Die neuen Spieler haben uns verbessert, als Team sind wir zusammengewachsen. Wir hatten schon unsere erste Krise mit drei Niederlagen, haben dann aber die richtigen Schlüsse gezogen.

Zur Person: Marco Antwerpen

5. Oktober 1971 in Unna Königsborner SV, SV Holzwickede, RW Lüdenscheid, Hammer SV, Preußen Münster, RW Essen, Fortuna Köln, Schalke 04 II, FC Gütersloh. Stürmer (327 Spiele/118 Tore in Regionalliga und Oberliga) SG Burgsteinfurt, RW Ahlen, Viktoria Köln, Preußen Münster (seit 12. Dezember 2017)

...

Wie sieht denn das Gerüst aus?

Antwerpen: Wir hatten mit Kittner, Scherder und Schweers drei gestandene Innenverteidiger, mit Borgmann und Lanius kamen noch zwei junge Spieler dazu. Menig hatten wir für die rechte Seite, mit Heidemann haben wir das auf der linken Seite mit einem Neuen gut hinbekommen. Im Mittelfeld sollte Rodrigues Pires nun Rizzi ersetzen, mit Klingenburg als zweitem Neuen sind wir vorangekommen, zumal noch Kobalynski vom alten Gerüst auch noch da war.

Viele trauerten dem ab­gewanderten Torjäger Adri­ano Grimaldi hinterher...

Antwerpen: Wir haben Dadashov geholt und unser Personalpuzzle vervollständigt, der Plan ist aufgegangen. Wir sind sehr zufrieden mit den Jungs. Und nach Spielen wie gegen 1860 München (0:0, die Red.) sind wir wieder etwas schlauer. Die Gegner stehen gegen uns jetzt tiefer, dafür müssen wir uns etwas ein­fallen lassen.

Die Transfers im Sommer können bis hierhin als geglückt bezeichnet werden?

Antwerpen: Die Tabelle spiegelt das auch wider. Allerdings ist bis Platz acht alles eng beieinander.

SCP-Zwischenbilanz: Zugänge und Abgänge

1/18
  • Zugang: Marian Prinz (Torwart) - 18 Jahre jung, Stammkeeper in der A-Junioren Bundesliga und im Drittliga-Kader auf Schnupper-Kurs. Alles gut.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Oliver Schnitzler (Torwart) - Der 23-Jährige war erste Wahl zum Saisonstart, eine Verletzung beim Derby in Osnabrück brachte ihn aus der Spur – und Max Schulze Niehues übernahm. Eigentlich ist der U-19-Europameister von 2014 zu stark für die Ersatzbank.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Jannik Borgmann (Innenverteidiger) - Aufgerückt aus der U-23-Auswahl, ist der 20-Jährige Stammkraft auf der linken Abwehrseite. Eine positive Entdeckung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Dominik Lanius (Innenverteidiger) - Kam von Viktoria Köln. Bringt alles mit. Größe, Präsenz, Zweikampfstärke – der Durchbruch lässt aber noch auf sich warten. Spielte eine Halbzeit in Osnabrück, muss vorerst Geduld haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Ugur Tezel (Rechtsverteidiger) - Er duelliert sich mit Eisen. Und an dem „Schwermetall“ Fabian Menig kommt der 21-Jährige aktuell nicht vorbei, auch Tezel muss sich gedulden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Rene Klingenburg (Mittelfeld) - Spieler wie ihn nennt man „Dark Horse“. Von null auf 100 in nullkommanix. Wo hat sich der 24-Jährige versteckt? Der Mann von Schalke 04 II ist Leitwolf des SCP. Ein Transfer-Volltreffer; der SCP muss alles tun, um ihn länger als bis 2019 zu halten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Philipp Müller (Mittelfeld) - Der 23-Jährige kam von SV Wehen Wiesbaden und benötigte verletzungsbedingt langen Anlauf. Eine offensive Alternative ist er nun allemal.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Kevin Rodrigues Pires (Mittelfeld) - Der Ersatz für Michele Rizzi ist ein stiller und unangefochtener „Sechser“, ein Spieler mit einem besonderen Fuß für die Standards und Pässe. Stark.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zugang: Rufat Dadashov (Mittelstürmer) - Hat die Umstellung auf die 3. Liga geschafft, ganz anders als Torjäger Adriano Grimaldi, aber qualitativ genauso wertvoll.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Abgang: Nils Körber (Torwart) - Die Leihgabe von Hertha BSC, die in der Vorsaison in Münster war, ist der Top-Torwart der 3. Liga und hat mit Osnabrück ein Traumlos gezogen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Abgang: Luis Klante (Torwart) - Der 19-Jährige ist beim SC Verl zweiter Mann hinter Peter Brüseke und noch ohne Regionalliga-Spielpraxis.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Abgang: Sebastian Mai (Innenverteidiger) - Münsters einstiger Abwehrchef spielte zuletzt Stürmer (!). Mit dem Halleschen FC ist er wie der SCP auf einem Höhenflug. Fehlte nur anfangs der Saison, weil er seine Rot-Sperre der Vorsaison absitzen musste. Für den HFC ist Mai ein Volltreffer.

    Foto: Johannes Oetz
  • Abgang: Stephané Tritz (Rechtsverteidiger) - Nach drei Saisons beim SCP hat der gebürtige Straßburger keinen neuen Verein gefunden und ist von der Bildfläche des Fußball still und heimlich verschwunden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Abgang: Jeron Al-Hazaimeh (Linksverteidiger) - Kehrte zu SF Lotte zurück, ist aber unter dem neuen Coach Nils Drube keine Stammkraft.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Abgang: Lennart Stoll (Rechtsverteidiger) - Das Medizinstudium verschlug ihn nach Ulm, dort war er beim Regionalligisten SSV gleich Stammkraft und wirkte bei der Pokal-Sensation gegen Eintracht Frankfurt (2:1) mit. Pausiert wegen einer schweren Knieverletzung aktuell.

    Foto: Heimspiel / Justus Heinisch
  • Abgang: Michele Rizzi (Mittelfeld) - Fand sein Glück mit einem Drei-Jahres-Vertrag beim VfL Wolfsburg II. Mit den „kleinen Wölfen“ ist Rizzi Tabellenführer der Regionalliga Nord vor dem VfL Wolbeck. Seine eigene Bilanz ist top nach 16 Partien mit fünf Toren und sechs Assists.

    Foto: Darius Simka
  • Abgang: Nico Rinderknecht (Mittelfeld) - Kehrte nach einem durchwachsenen Jahr in Münster zum Zweitligisten FC Ingolstadt zurück. Der 21-Jährige muss sich mit Einsätzen in der Regionalliga mit dem FCI II begnügen.

    Foto: Witters
  • Abgang: Adriano Grimaldi (Angreifer) - Beim TSV 1860 München gleich der Rudelführer der „Löwen“ mit zehn Scorerpunkten – bei der Rückkehr nach Münster aber ohne entscheidende Wirkung. In München wird schon darüber spekuliert, dass Grimaldi in Winterpause ein heißer Transferkandidat für Liga zwei wird.

    Foto: MSPW

Wie bewerten Sie die Liga insgesamt?

Antwerpen: Von Spieltag zu Spieltag kann sich das Bild verschieben. Würzburg habe ich richtig stark ge­sehen, nach drei Niederlagen in Serie wird so eine Mannschaft trotzdem in der Tabelle durchgereicht. Der Karlsruher SC ist schon sehr stabil. Das gilt auch für Osnabrück.

Und wo steht der SC Preußen in dieser Betrachtung?

Antwerpen: Auf Platz zwei.

Und?

Antwerpen: Wir versuchen das auszubauen und die Mannschaft heiß auf Großaspach zu machen. Natürlich wollen wir uns oben fest­beißen, aber andere drängen von unten nach wie Halle oder Rostock.

Bald kommt der Advent, was würden Sie sich für Verstärkungen wünschen, wenn Sie dürften?

Antwerpen: Das mache ich nicht, das nächste Ziel ist für uns ein Sieg in Großaspach.

Die Planungen für die Winterpause laufen an. Wäre ein Trainingslager im Süden für Ihre Mannschaft nicht wichtig – der Verein will ja darauf verzichten?

Antwerpen: Für mich ist das nicht so wichtig. Klar, man hat bessere ­Bedingungen für eine Woche – und dann kommt man zurück in den Schnee. Wir haben einen Kunstrasenplatz, das reicht dann. Für mich ist es in Ordnung, wenn wir hierbleiben.

Ihr Vertrag sowie der von 13 Spielern läuft im Sommer 2019 aus. Wie geht es weiter?

Antwerpen: Das muss der Verein wissen, wann er sich mit dem Trainer ­befassen will.

Sie denken ja nur von Spiel zu Spiel. Wann ­wäre dann ein richtiger Zeitpunkt zur Kurs­korrektur des Saisonziels?

Antwerpen: Ich freue mich auf das nächste Spiel, ich denke nicht weit in die Zukunft und auch nicht lange zurück. Damit sind wir gut gefahren. Was im April oder Mai sein wird, werden wir dann sehen.

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