Fußball: 3. Liga
Preußen Münster – eine Heimmacht mit neuen Ambitionen

Münster -

Die Reaktion auf die 1:3-Niederlage konnte sich sehen lassen und fiel mit dem 3:0-Erfolg über Eintracht Braunschweig überzeugend aus. Der SC Preußen Münster kehrte mit dem Sieg zurück auf Platz zwei der Drittliga-Tabelle – und geben sich dementsprechend selbstbewusst.

Dienstag, 27.11.2018, 16:48 Uhr aktualisiert: 27.11.2018, 17:35 Uhr
Eine breite Brust haben die Preußen mit Philipp Müller (v.) – anders als die Braunschweiger um Nico Kijewski (h.). Die Konsequenz: Der SCP siegte 3:0.
Eine breite Brust haben die Preußen mit Philipp Müller (v.) – anders als die Braunschweiger um Nico Kijewski (h.). Die Konsequenz: Der SCP siegte 3:0. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach und nach wagen sich die Preußen aus der Deckung. Für Understatement und übertriebenes Abwiegeln geben die Eindrücke der fast beendeten Hinserie nun auch wirklich keinen Anlass mehr her. „Umsonst stehen wir nicht oben“, ließ René Klingenburg wissen. „Als wir im Spätsommer drei Niederlagen hatten, wurde die Qualitätsfrage gestellt – jetzt dürfen wir also auch von Qualität sprechen.“

Aus dem kleinen Loch damals kam Münster mit einer siebenteiligen ungeschlagenen Serie heraus, und nun antwortete der Tabellenzweite mit einer Top-Leistung beim 3:0 (2:0) gegen Eintracht Braunschweig auf die schwache Vorstellung in Großaspach (1:3). Das gefiel auch Trainer Marco Antwerpen außerordentlich. Mitte September, als der SCP auf Rang 13 abgerutscht war, hatte er mal gesagt, dass er immer gerne oben mitspiele und es danach ja gerade nicht aussehe. Die Dinge haben sich mittlerweile wieder in die andere Richtung gewendet. Und der 47-Jährige sagte nun einen bemerkenswerten Satz: „Irgendwann geht oben die Post ab, und dann musst du zusehen, dass du dabei bist.“

Einzelkritik: SC Preußen Münster gegen Eintracht Braunschweig

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  • Torwart Max Schulze Niehues: Note 3. Hatte nichts zu tun und machte nichts falsch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Lion Schweers: Note 2,5. Überzeugte bis auf einen Wackler vor der Pause, als er den Gästen einen Pfostentreffer ermöglichte.

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  • Innenverteidiger Ole Kittner: Note 2,5. War Herr der Lage, souverän, stark im Zweikampf, der Chef in der Dreierkette. Holte sich aber auch die fünfte Gelbe Karte ab und ist gegen Halle gesperrt.

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  • Innenverteidiger Jannik Borgmann: Note 3. War nicht wirklich schwach, sondern nur der einzige, mit dem einen oder anderen Fehler im Spiel. Fiel aber nicht gravierend ab, der Youngstar konsolidiert sich in der 3. Liga immer mehr.

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  • Mittelfeldspieler Kevin Rodrigues Pires: Note 2. Zeigte seine vielleicht beste Partie im Preußen-Dress. Vor der Pause nicht nur effektiv im Zweikampf, sondern auch mit einigen tollen Pässen. Nachdem er in Großaspach eine Halbzeit pausieren musste, zeigte er nun, warum er die wichtige Sechser-Rolle innehat. Bärenstark.

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  • Mittelfeldspieler Martin Kobylanski: Note 1. Er ist in dieser Form einfach unwiderstehlich. Torgefährlich, blitzschnell, kreativ, kämpferisch. Ein Fußballtyp zum Verlieben. 

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  • Mittelfeldspieler Rene Klingenburg: Note 2. Klingenburg bleibt der Schlüsselspieler der Preußen in der Zentrale, an ihm geht kein Ball vorbei. Mit Kittner zusammen unverzichtbar bei Münster.

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  • Mittelfeldspieler Fabian Menig: Note 3. Menig machte sein Ding, wie immer Mister Zuverlässig.

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  • Mittelfeldspieler Moritz Heinrich: Note 3. Er löste alle Aufgaben ohne viel Schnickschnack. Wenn er jetzt auch noch wieder mehr offensive Akzente setzten würde, dann wäre das ein weiterer großer Schritt zum Stammspieler. 

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  • Angreifer Philipp Müller: Note 2. Müller stand überraschend in der Startelf. Rechtfertigte das Vertrauen des Trainers auf ganzer Linie, ein durch und durch belebender Auftritt im starken Preußen-Team. 

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  • Angreifer Tobias Rühle: Note 2. Unverzichtbar bei den Preußen, mischte den Gegner förmlich auf. Durch ihn wird der SCP unausrechenbar in der Offensive.

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  • Einwechselspieler Rufat Dadashov: Keine Note, ersetzte nach 69 Minuten Tobias Rühle, hatte kurz vor Schluss seine Chance zum achten Saisontor. Ihm fehlte nach der Länderspielreise für Aserbaidschan da wohl der letzte Punch. 

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  • Einwechselspieler Philipp Hoffmann: Keine Note, kam nach 77 Minuten für Kobylanski in ein intaktes Team. Hoffmann muss sich weiter gedulden, ehe er wieder eine Chance auf einen Startelfeinsatz bekommen wird.

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  • Einwechselspieler Sandrino Braun: Keine Note, durfte für fünf Minuten mal wieder ran, als beim 3:0-Vorsprung alles gelaufen war. Das war eine leichte Übung für ihn. Er ersetzte Philipp Müller.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Besser hätte sich das ­Wochenende nicht beschreiben lassen können. Die Spitzenteams (Karlsruhe, Uerdingen, Unterhaching, Halle) gewannen wie Primus Osnabrück allesamt und verdrängten die Preußen auf Platz sechs. Die mussten nachlegen, spürten aber offenbar keinen Druck und ­zogen wieder vorbei. Viel spricht summa summarum dafür, dass der Underdog im Vorderfeld (Antwerpen: „Alle anderen haben wesentlich bessere Bedingungen als wir“) länger vorne mitmischt und allmählich auch Ambitionen entwickelt.

Topscorer des SCP

Faustpfand am Montag war einmal mehr Martin Kobylanski, der schon in Kaiserslautern wie auch gegen Cottbus und Würzburg der Matchwinner war. „Wir freuen uns für ihn, er stand immer richtig, ist sehr wichtig“, befand Keeper Max Schulze Niehues, der gerade nach der Pause gegen neben sich stehende Braunschweiger einzufrieren drohte. Auch Antwerpen lobte seinen Kapitän: „Martin hat ein richtiges Näschen.“ Bester Beleg: sechs Torchancen erarbeitete sich der SCP gegen die Niedersachsen, alle hatte Kobylanski. Drei verwandelte er. Ein Freistoß war diesmal gar nicht nötig dafür. Den Zusatz „Standardspezialist“ führt der 24-Jährige also gar nicht mehr zwingend.

Aber auch andere trugen ihren Teil bei. Wieder einmal René Klingenburg, der eher selbstkritisch anmerkte sich vor der Pause, „zu viele Ballverluste“ geleistet habe. „Ich sollte der Box-to-box-Player sein, in der Defensive auf eine Linie mit Kevin Rod­rigues Pires rücken. Das 1:0 habe ich vielleicht gut vorbereitet, aber vor der Pause war ich nicht gut.“ Diese Herangehensweise ist es vielleicht, die den 24-Jährigen in dieser Saison nach vorne peitscht.

SC Preußen Münster - Eintracht Braunschweig

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  • Philipp Müller gegen Christoffer Nymann.

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  • Eine Gedenkminute um Wilfried Kramer und Ex-Spieler Klaus Bockisch.

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  • Klingenburg gegen Leon Bürger.

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  • Torjubel Martin Kobylanski.

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  • SC Preußen Münster - Eintracht Braunschweig Foto: Jürgen Peperhowe
  • Klingenburg gegen Leon Bürger.

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  • Klingenburg gegen Gustaf Valsvik.

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  • SCP-Coach Marco Antwerpen.

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  • Kittner gegen Christoffer Nymann.

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  • Pires gegen Leon Bürger und Leonardo Putro.

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  • Kobylanski mit Rühle im Torjubel.

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  • SC Preußen Münster - Eintracht Braunschweig Foto: Jürgen Peperhowe
  • Braunschweigs Trainer André Schubert.

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  • Heinrich gegen Leandro Putaro.

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  • SC Preußen Münster - Eintracht Braunschweig Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rühle gegen Gustav Valsvik.

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Trainer-Plan ging auf

Immer besser auf der linken Seite zurecht kommt Moritz Heinrich, der beim 3:0 seinen ersten Scorerpunkt sammelte. „Wir hatten alles im Griff in der ersten Hälfte. Der Gegner stand defensiv, strotzte natürlich nicht vor Selbstvertrauen – und wir sind dann voll drauf gegangen und haben kaum Torchancen zu­gelassen.“ Da auch der Antwerpen-Plan mit drei wendigen Angreifern voll aufging, ließ sich ein rundum gelungener Auftritt festhalten. „Wir haben den Ball super laufen lassen, das war einfach gut“, sagte Schulze Niehues. „Es war eine richtig ­gute Trainingswoche, in der wir viel an der Spiel­eröffnung gearbeitet haben“, so der Trainer. Das zahlte sich demnach schnell aus.

Und während die Braunschweiger Fans nach geradezu tragischen eineinhalb Jahren, in denen sie vom Erstliga-Traum (Relegation 2017) in den Regionalliga-Albtraum zu gleiten drohen, spätestens in der zweiten Hälfte nur noch Galgenhumor aufbrachten und vom Europapokal sangen, wachsen in Münster die Bäume aktuell fast in den Himmel. Garant ist auch die Heim­ bilanz. Das letzte Gegentor an der Hammer Straße datiert von Anfang September (0:1 gegen Uerdingen). Es folgten fünf ungeschlagene Partien gegen Cottbus, Wiesbaden, Würzburg, 1860 und eben die Eintracht mit 13 Punkten. Die Preußen sind dort, wo sie nun auch die nächsten Jahrzehnte spielen sollen, eine Macht geworden.

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