Fußball: 3. Liga
Keine besonderen Vorkommnisse im Derby zwischen Preußen und Osnabrück

Münster -

Keine Tore im Derby, kaum Vorkommnisse drumherum. Es gab schon mal mehr Schlagzeilen im Evergreen zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück. Das 0:0 wurde erst nach der Pause richtig interessant, als sich der Gast und Spitzenreiter drei gute und der Hausherr immerhin eine erspielte.

Sonntag, 17.02.2019, 13:38 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 15:16 Uhr
Max Schulze Niehues sorgt gegen Osnabrücks Marc Heider für klare Verhältnisse in seinem Strafraum. Auf der anderen Seite leitete Cyrill Akono (kl. Foto) die beste Preußen-Chance ein.
Max Schulze Niehues sorgt gegen Osnabrücks Marc Heider für klare Verhältnisse in seinem Strafraum. Auf der anderen Seite leitete Cyrill Akono (kl. Foto) die beste Preußen-Chance ein. Foto: Jürgen Peperhowe

Auch ein unscheinbares Kunstwerk kann wertvoll werden, wenn nur die richtige Unterschrift drunter steht. Und so profitierte auch das eher mittelmäßige und zudem torlose Spiel zwischen dem SC Preußen Münster und dem VfL Osnabrück am Ende vor allem vom Derby-Stempel, der die schmucklose Auseinandersetzung dann doch ein wenig aus dem gewohnten Drittliga-Alltag hervorhob. Ausstellungswürdig war allemal der Rahmen: Bei bestem Fußballwetter hatten sich 11.572 Zuschauer – die zahlreichen Sicherheitskräfte von Polizei und Feuerwehr nicht eingerechnet – voller Vorfreude im Stadion eingefunden, um den Tabellenführer beim Achten der Liga straucheln zu sehen. Das zumindest hätte dem Großteil der Zuschauer diesen Samstag veredelt.

Nach 90 Minuten wurden dann aber nicht nur die Punkte geteilt, sondern es herrschte auch in der Spielanalyse große Einigkeit. „Mit diesem Punkt können wir leben“, waren sich Preußen-Trainer Marco Antwerpen und VfL-Coach Daniel Thioune einig – beide fanden aber gute Argumente, warum es auch gerne ein Dreier hätte sein dürfen. Der Osnabrücker, weil sein Team mehr vom Spiel und deutlich mehr Großchancen hatte, Antwerpen, weil seine Schützlinge vor des Gegners Tor das letzte und entscheidende Wort hätten sprechen müssen. „Wir haben das gut gespielt, aber man muss den Ball dann auch über die Linie bringen“, haderte Thioune mit den finalen Ungenauigkeiten im Abschluss. „Wenn wir beim Stand von 0:0 kurz vor Schluss den Ball ins Tor hauen können, dann müssen wir das machen – und fertig“, konterte Antwerpen. „Und dann ist es mir so was von egal, ob das hochverdient oder total glücklich gewesen wäre.“

Umstellung auf Raute und Viererkette

Das war neu! Die Preußen spielten erstmals in der Rückrunde mit einer Viererkette – und dazu mit einer Mittelfeldraute, die es unter Trainer Marco Antwerpen noch nie gab. Einzige personelle Änderung war die Rückkehr des genesenen René Klingenburg, der für Rufat Dadashov kam und die rechte Halbposition im diesmal wieder verdichteten Zentrum übernahm. Sein Pendant links war Kevin Rodrigues Pires, Martin Kobylanski rückte eine Stelle vor hinter die Spitzen, Sandrino Braun aus der vormaligen Dreierkette nach vorn auf die Sechs. „Es hat gut funktioniert“, so Antwerpen. „Aber das sind ja fließende Übergänge.“ Einen Seitenhieb auf seine Kollegen Nils Drube (Lotte) und Daniel Thioune (Osnabrück), die nach den Spielen über ihre taktischen Umstellungen doziert hatten, verkniff sich der SCP-Trainer nicht: „Das ist ja jetzt modern. Ich habe nicht gewechselt, aber das System hat sich trotzdem geändert.“

...

Eine Stunde Anlauf

Bis zu all diesen potenziell spielentscheidenden Momenten benötigte das Derby aber gut eine Stunde Anlaufzeit, in der sich beide Teams mit viel Einsatz und Kampfgeist gegenseitig im Wege standen und kaum erwähnenswerte Torraumszenen zuließen. Osnabrück suchte nach spielerischen Lösungen, Münster setzte auf harte Arbeit. Durchsetzen konnte sich keiner dieser Ansätze.

SC Preußen Münster – VfL Osnabrück

1/27
  • Zwei Preußen im Luftkampf um den Ball: Kevin Rodrigues Pires und Sandrino Braun.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die beiden Trainer haben alles im Blick.

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  • Preußenfans präsentieren Pyrotechnik.

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  • Maurice Trapp zieht gegen Philipp Hoffmann den Kürzeren.

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  • Interessante Schusstechnik bei Kevin Rodrigues Pires.

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  • Cyrill Akono im Zweikampf mit Konstantin Engel.

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  • Adam Susac kommt vor Kevin Rodrigues Pires ans Leder.

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  • Reichlich Gerangel rund um Schiedsrichter Christian Dingert.

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  • Akrobat Schulze Niehues in Aktion.

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  • Ball im Blick: Cyrill Akono.

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  • Akrobat Schulze Niehues schon wieder in Aktion.

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  • Fabian Menig im Duell mit Marcos Alvarez.

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  • Akrobat Schulze Niehues erneut in Aktion.

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  • Ole Kittner bekommt es mit Maurice Trapp und Ulrich Taffertshofer zu tun.

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  • Akrobat Schulze Niehues ein weiteres Mal in Aktion.

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  • Osnabrücks Coach Daniel Thioune.

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  • Akrobat Schulze Niehues nochmals in Aktion.

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  • René Klingenburg und Marc Heider kämpfen um den Ball.

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  • Cyrill Akono prüft den ehemaligen Preußen-Keeper Nils Körber...

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  • ...und kämpft gegen Konstantin Engel ums Leder.

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  • Volles Haus auf der Tribüne des Preußenstadions.

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  • Philipp Hoffmann gegen Konstantin Engel.

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  • Hätte sich über einen Sieg sehr gefreut: SCP-Coach Marco Antwerpen.

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  • Niklas Heidemann bleibt Kopfballsieger gegen Etienne Amenyido.

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  • Nils Körber rettet gegen Cyrill Akono.

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  • Dicke Luft bei den Preußen-Anhängern.

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  • Stimmung vor dem Start.

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„Wir wollten einen anderen Fußball spielen“, kritisierte Antwerpen den Auftritt seiner Mannschaft in Durchgang eins und lud in der Pause zu einer kurzen Krisensitzung. Sein Hauptansprechpartner: Martin Kobylanski. „Er hat sich nicht an die Absprache gehalten. Wir haben das trainiert und auch vor dem Spiel noch einmal angesprochen. Mich ärgert das sehr, wenn das dann in der Pause wieder korrigiert werden muss.“ Der 24-Jährige war als kreatives Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff kaum in Erscheinung getreten, spielte dann noch 20 Minuten auf Bewährung, ehe er von Tobias Rühle abgelöst wurde – da war gerade die richtig heiße Phase der Partie eingeläutet worden.

Klingenburg gesperrt

René Klingenburg darf sich 14 weitere Tage nehmen, um wieder voll belastungsfähig zu werden. Das Derby nahm der 25-Jährige nur drei Wochen nach seinem Muskeleinriss im Oberschenkel gerne mit, allerdings holte er sich dabei auch gleich seine fünfte Gelbe Karte für ein Foul an Etienne Amenyido in der zweiten Halbzeit ab. Damit fehlt er am Montag nächster Woche beim KFC Uerdingen. Glück hatte der Mittelfeldspieler, dass er aus einer Rudelbildung nach knapp einer halben Stunde ungestraft herauskam. Sein Schubser gegen Adam Susac blieb ebenso ungeahndet wie dessen Revanche-Kopfnuss.

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Zerknirschte Gäste

Zunächst mit drei Hochkarätern der Gäste, die Thioune im Anschluss ein wenig die Stimmung vermiesten: Etienne Amenyidos Versuch an die Unterkante der Latte (61.), Marc Heiders Flachschuss an den Außenpfosten (71.) und schließlich der Freistoß von Marcos Alvarez (73.), den Keeper Max Schulze Niehues von der Linie kratzte. Bis hierhin war der Ärger des Gästetrainers über die Punkteteilung nachvollziehbar. Wenig später ließ dann aber Cyrill Akono sein großes Talent aufblitzen, behielt in Bedrängnis den Überblick und spielte Kevin Rodrigues Pires frei, der aus zehn Metern den Ball freistehend links vorbeischob (75.). „Den musste ich machen, aber ich habe ihn einfach schlecht getroffen“, sagte der Schütze im Anschluss einsichtig und zerknirscht. „Sorry an die Jungs.“

Ein Sieger blieb dem Drittliga-Klassiker somit verwehrt – es gab aber auch keinen Verlierer an diesem sonnigen Nachmittag, der auch im Umfeld erfreulich unauffällig verlief und auch keine überflüssigen Schlagzeilen produzierte – trotz des Derby-Stempels.

 

Einzelkritik: SC Preußen Münster – VfL Osnabrück

1/14
  • Max Schulze Niehues: Sehr souveräner Auftritt. Bei zwei Aluminiumtreffern wäre der Keeper aber machtlos gewesen. Dafür eine starke Parade gegen Etienne Amenyido und eine gegen den Freistoß von Marcos Alvarez. In der Luft ohne Fehler. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Hatte vor der Pause so seine Probleme mit Felix Agu oder dessen Kollegen. Rechts oft auf sich allein gestellt, was auch am neuen System lag. Leistete sich mehrere technische Fehler, kämpfte sich nach dem Seitenwechsel aber wie gewohnt rein. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner: Chef in der Abwehr, diesmal mit mehr Gegnerkontakt als in der Rolle als Mittelmann einer Dreierkette. Meldete dabei Benjamin Girth weitgehend ab. Den Spielaufbau überließ der Routinier anderen. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Der Kapitän bestätigte seinen Aufwärtstrend. Gute Zweikampfführung, gutes Stellungsspiel, nur ein paar missglückte lange Bälle störten ein wenig den Eindruck. Allerdings hatte Osnabrück insgesamt zu viele Chancen, was bei ihm und Kittner eine bessere Einstufung verhindert. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niklas Heidemann: Hohes Pensum auf der linken Bahn, scheute kein Mann-gegen-Mann-Duell. Da vor ihm diesmal niemand spielte, allerdings auch einige Male gegen zwei Gegenspieler, wie vor Marc Heiders Pfostentreffer, überfordert. Note:3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun: Als Einzelkämpfer vor der Abwehr musste er viele Löcher stopfen, dabei vor allem gegen Felix Agu und Etienne Amenyido anfangs mit Temponachteilen. Dazu kamen mehrere leichte Fehlpässe. Allerdings biss er sich rein und grätschte nach der Pause geschickter. Note: 4

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  • René Klingenburg: Comeback nach nur drei Wochen. Dass er Bock aufs Derby hatte, war schnell zu erkennen. Allerdings war der Mittelfeldspieler nicht so präsent wie sonst oft. Etwas Glück, dass er ungeschoren aus der Rudelbildung hervor ging. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: In der ersten Hälfte der einzige Preuße, der um Struktur bemüht war. Gute Ballbehandlung, vernünftige Handlungsschnelligkeit. Nach der Pause dreimal im Blickpunkt: von der Rolle vor dem Amenyido-Lattentreffer, schläfrig vor Heiders Pfostenschuss, fahrlässig bei der größten Chance. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Schon zur Pause ließ Trainer Marco Antwerpen seinen Schützling wissen, dass er nicht zufrieden war. Kaum eingebunden ins Spiel, schwache Standards - dazu untaugliche Versuche, sich reinzukämpfen. Note: 5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann: Etwas undankbare Rolle als zweite Spitze. Er verursachte eine ganze Reihe Freistöße mit leichten Schubsern oder Abseitspositionen. Der Raum, den er braucht, war selten vorhanden. Note: 4,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cyrill Akono: Tat sich anfangs schwer damit, ins Spiel zu finden und war gut bewacht. Nach der Pause steigerte sich der Youngster leicht, wich öfter nach außen aus und bereitete die Chance von Rodrigues Pires vor. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Sorgte mit seiner Einwechslung für ein wenig Belebung, schoss plötzlich sogar Ecken. Allerdings leistete er sich auch einige Ballverluste. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Müller: Später Joker, ein Schuss aus 18 Metern. Ansonsten wenig Möglichkeiten, sich zu zeigen. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rufat Dadashov: Nur ein Kurzeinsatz mit ein paar ordentlichen Ballaktionen. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

 

Drei Fragen an Sandrino Braun

Ganz neu war die Rolle als einziger Sechser für Sandrino Braun nicht. Schon für die Stuttgarter Kickers war er alleine vor der Abwehr gefragt. Nach dem Spiel erläuterte er die Umstellung.

Was war der Hintergrund der neuen Taktik?

Braun: Unser Trainerteam hat Osnabrück analysiert und so festgestellt, dass ein 4-4-2 die passende Marschroute ist. Das haben wir die Woche über geübt und so auch einen Überraschungsmoment erzeugt.

Ist der Schachzug in Ihren Augen aufgegangen?

Braun: Ja, der Gegner hat bei uns sicher mit einer Dreierkette gerechnet. Wir wussten, dass der VfL das Mittelfeld schnell überspielt und dann sofort ins Pressing geht. Dazu passte die Raute gut. Aber genauso wichtig war es, mit Leidenschaft in das Spiel reinzugehen. Das haben beide Mannschaften gemacht.

Es gab keinen Rempler von Ihnen gegen Felix Agu. Osnabrück forderte Strafstoß. War es einer?

Braun: Also bitte ... Wenn das ein Elfmeter war, dann weiß ich auch nicht.

...
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