Fußball: 3. Liga
Flaute im Sturm des SC Preußen Münster

Münster -

Die Torfabrik der dritten Liga hat Kurzarbeit angemeldet: Im November des vergangenen Jahres ließ es der Preußen-Sturm noch krachen, jetzt ist es still geworden – Flaute vor des Gegners Tor.

Montag, 18.02.2019, 14:12 Uhr aktualisiert: 18.02.2019, 17:24 Uhr
Wenn Cyrill Akono im Strafraum am Ball ist, dann ist Gefahr im Verzug – zuletzt allerdings gab es nur noch selten Grund zum Jubeln. Auch im Duell mit Osnabrücks Torwart Nils Körber gingen die Preußen leer aus.
Wenn Cyrill Akono im Strafraum am Ball ist, dann ist Gefahr im Verzug – zuletzt allerdings gab es nur noch selten Grund zum Jubeln. Auch im Duell mit Osnabrücks Torwart Nils Körber gingen die Preußen leer aus. Foto: Jürgen Peperhowe

26. November 2018, ein denkwürdiger ­Fußballabend im Preußenstadion: 8226 Zuschauer bejubeln Martin Kobylanski , der Eintracht Braunschweig im Alleingang aus dem Stadion schießt. 3:0 heißt es nach dem Dreifachpack des 24-Jährigen. Der SC Preußen klettert in der letzten Partie des 16. Spieltags auf den zweiten Tabellenplatz, dem Torkonto werden die Preußentreffer 25 bis 27 gutgeschrieben – nur die Spielvereinigung Unterhaching und der SV Wehen-Wiesbaden (je 32) haben zu diesem Zeitpunkt öfter getroffen. Kobylanski selber schließt mit sieben Treffern in der Torschützenliste zu Mannschafts­kamerad Rufat Dadashov auf, das brandgefährliche Preußen-Duo belegt den geteilten siebten Rang in dieser Wertung. Top-Werte der ­Abteilung Sturm und Drang, die mit René Klingenburg (fünf Treffer) sogar noch ein weiteres heißes (Schieß-)Eisen im Feuer hat.

Münster ist im Fußball­fieber. Niemand ahnt, dass der SCP an diesem Abend sein Pulver weitestgehend verschossen hatte. In den folgenden acht Begegnungen jubelte der SCP noch ­genau drei Mal – das reichte für einen weiteren Sieg (2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern). 1:2 unterlagen die Preußen gegen den Halleschen FC, sechs Nullnummern läuteten anschließend den langsamen Sturz durch die Instanzen ein: Nach 24 Spieltagen rangieren die Preußen fernab der Spitze auf Rang sieben, acht Mannschaften haben mittlerweile häufiger getroffen als die Preußen (30), das Sturmduo verharrt bei je sieben Treffern und teilt sich inzwischen Rang zehn der Scorer-Wertung mit sechs weiteren Schützen. Keine Tore – keine Siege: Das ist die simpelste aller Fußballgleichungen.

Den letzten Treffer des ­vergangenen Jahres erzielte Tobias Warschewski bei der 1:2-Niederlage am 1. Dezember gegen Halle – dann folgten ein 0:5 (in Karlsruhe), sowie zwei 0:2-Heimschlappen gegen die abstiegs­bedrohten Clubs aus Zwickau und Köln. Dadashov und Kobylanski verlieren nach schwachen Vorstellungen ihre Stammplätze, Warschewski kämpft mit seiner Gesundheit, Klingenburg ist in der Defensive zu sehr gefordert, um vorne noch für Gefahr zu sorgen.

Chancen erspielten sich die Preußen auch im Dezember noch in Hülle und Fülle, es fehlte am Vollstrecker. Abschlussschwäche und -Pech verdichteten sich zu einer veritablen Torflaute, bis zuletzt auch die Chancen zur Neige gingen. „Und da wird es langsam kritisch“, sagt Trainer Marco Antwerpen nach den flauen Auftritten in Lotte und gegen Osnabrück. Beim 0:1 in Lotte fehlte es schon an Gelegen­heiten, im Derby gegen den VfL Osnabrück hatte der Gastgeber dann in 90 Minuten noch genau eine ernstzunehmende Torszene, die Kevin Rodrigues Pires nach 75 Minuten kläglich vergab. „Uns fehlt der Wandstürmer, der die Bälle vorne festmacht und verteilt. Da müssen wir jetzt mit umgehen. Wir müssen uns über gewonnene Zweikämpfe wieder das nötige Selbstvertrauen erarbeiten“, sieht Antwerpen viel Arbeit vor sich und seinen Spielern. Einer seiner beiden Top-Torjäger, Kobylanski, verließ gegen Osnabrück nach 65 Minuten und schwacher Vorstellung den Platz, der andere, Dadashov, wurde in der 83. eingewechselt. Antwerpen hatte dafür eine plausible Erklärung: „Ich hatte einen Stürmer, der seine Stärke mit dem ­Rücken zum Tor hat – Akono. Einen, der viel Tempo hat – Hoffmann. Da war kein Platz für Dada­shov.“

Der Trainer will aber auch nicht alle Last auf die ­schmalen Schultern von Nachwuchstalent Akono laden: „Cyrill ist jetzt nicht der Mann, der uns da rausretten muss. Ihn müssen wir ­entwickeln.“ Da allerdings scheint man auf bestem Weg: An den letzten beiden Preußen-Treffern gegen den 1. FC Kaiserslautern war der 18-Jährige maßgeblich beteiligt: Das 1:0 legte er vor, das 2:0 erzielte er selber. Vielleicht ist das Ende der Flaute doch in Sicht – und ein neuer Sturm zieht auf.

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