Fußball: 3. Liga
Preußen-Trainer Hübscher bleibt nach Remis gegen Uerdingen ganz gelassen

Münster -

Ein Remis mit Licht und Schatten lieferten Preußen Münster und der KFC Uerdingen beim 1:1 am Samstag. In der Diskussion stand hinterher auch Schiedsrichter Dr. Robert Kampka. Aber richtig unglücklich schien beim SCP niemand mit dem Zähler.

Sonntag, 25.08.2019, 15:04 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 13:42 Uhr
Fliegende Körper, fliegende Haare: Torschütze Kevin Rodrigues Pires (oben links), Christian Dorda und Julian Schauerte. Ex-Preuße Adriano Grimaldi (oben rechts) bekam gegen Simon Scherder kaum einen Stich. Trainer Sven Hübscher (unten links) hatte viel Gesprächsbedarf mit Referee Dr. Robert Kampka. Am Ende traf Patrick Pflücke (unten rechts) zum 1:1 für Uerdingen.
Fliegende Körper, fliegende Haare: Torschütze Kevin Rodrigues Pires (oben links), Christian Dorda und Julian Schauerte. Ex-Preuße Adriano Grimaldi (oben rechts) bekam gegen Simon Scherder kaum einen Stich. Trainer Sven Hübscher (unten links) hatte viel Gesprächsbedarf mit Referee Dr. Robert Kampka. Am Ende traf Patrick Pflücke (unten rechts) zum 1:1 für Uerdingen. Foto: Jürgen Peperhowe

Mit einem Unentschieden im Fußball ist das ja so eine Sache. Der Pragmatiker denkt sich, dass zumindest ein Punkt geholt wurde – besser als nichts. Der Skeptiker schimpft dann gerne mal, weil seine Mannschaft sowieso nichts hinkriegt – zum Beispiel einen Vorsprung über die Zeit retten. Als Heiko Vogel, der Trainer des KFC Uerdingen , seine Sicht der Dinge zum 1:1 (0:0) gegen Preußen Münster kundtat, war er kurz davor, sich in Rage zu reden. Das war dann schon ein bisschen Fußball-Wutbürger, als er sich jedes Kompliment für sein Team nach dem späten Ausgleich verbat und moserte: „Ich kann es nicht mehr hören, wenn mir jemand mit der Moral meiner Mannschaft kommt. Ich bin wütend, dass wir nur einen Punkt geholt haben.“ Sechs Minuten vor dem Ende traf Patrick Pflücke, gerade eingewechselt, zum Endstand. Immerhin.

SCP-Coach Sven Hübscher ließ sich da nicht lumpen. Lakonisch begann sein Vortrag nach der Partie, eine Referenz an seinen Gegenüber Vogel: „Ich bin nicht wütend. Einmal haben wir nicht gut verteidigt und das Gegentor kassiert. Bis auf die zwei liegengelassenen Punkte bin ich zufrieden.“ Kevin Rodrigues Pires hatte Münsters besten Angriff nach 72 Minuten zur Führung vergoldet, weil davor Fridolin Wagner mit einem blitzgescheiten Pass auf den eingewechselten Philipp Hoffmann diese Sequenz eröffnet hatte. Die präzise Hereingabe verwertete Münsters Nummer 10 genauso präzise.

Erdogan überzeugt

„Die ganze Familie war da. Ich war unheimlich heiß auf das Spiel, weniger nervös“, fasste Okan Erdogan seinen Startelf-Einsatz gegen Uerdingen zusammen. Er vertrat den verletzten Ole Kittner, und er machte das sehr gut. Nur einen einzige Wackler erlaubte er sich, den er aber gegen den Ex-Preußen Adriano Grimaldi selbst sofort in höchster Not ausbügelte. „Bei Okan hatte ich keine Sorgen, er hat das schon in Duisburg und Würzburg als Einwechselspieler sehr gut gemacht“, befand Torschütze Kevin Rodrigues Pires. Auch Trainer Sven Hübscher fühlte sich bestätigt: „Er hat das unaufgeregt gespielt.“ Erdogan, der bislang vornehmlich im Training Pluspunkte für sich sammeln konnte, legte jetzt im Spiel nach und ist eine echte Alternative zu den „Platzhirschen“ Kittner und Simon Scherder.

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Wer hatte denn nun das Fußball-Recht auf seiner Seite, Hübscher oder Vogel?

Der Gäste-Coach aus Uerdingen ging wohl ein Stück zu weit, wenn er seiner Mannschaft eine deutliche Überlegenheit zusprechen wollte. Ein Kopfball von Jan Kirchhoff an den Pfosten (8.) war mit die beste Chance im Spiel. Uerdingens individuelle Klasse blitzte ab und an auf, aber auch ein ruppiger Umgang in den Zweikämpfen. Nur zweimal musste SCP-Schlussmann Max Schulze Niehues gefährliche Schüsse der Rheinländer abwehren. Das war nicht viel.

Der SCP hatte nach einer zurückhaltenden Anfangsphase durch Luca Schnellbacher (22.) einen Lattentreffer. Zwei gefährliche Schüssen von Maurice Litka (35. und 43.) sowie von Niklas Heidemann (55.) unterstrichen durchaus vorhandene Möglichkeiten für den SCP. Und möglicherweise hätten Rodrigues Pires sowie Rufat Dadashov in der Nachspielzeit die Partie für Münster siegreich gestalten können. Einen Hauch von besseren Chancen hatten tatsächlich die Gastgeber. Wirklich.

Rodrigues Pires trifft erstmals

Kevin Rodrigues Pires musste lange warten. Für den SC Preußen hatte er in der 3. Liga noch nie getroffen, seitdem er im Sommer 2018 an die Hammer Straße gewechselt war. Sein letztes Drittliga-Tor markierte er am 18. Februar 2018, damals noch in Diensten der SF Lotte. Es war das 2:2 im Nachbarschaftsvergleich mit dem VfL Osnabrück, am Ende siegte der VfL mit 3:2. Kurios: Schiedsrichter der Partie war Dr. Robert Kampka, wie auch am Samstag im Preußenstadion. In 85 Drittliga-Partien hat „Piro“ nun sechs Treffer erzielt. Beim SCP musste er 41 Drittliga-Partien auf das ersten Tor warten. Vielleicht lag es auch an der neuen Haarfarbe des gebürtigen Kölners, weißgrau kam Rodrigues Pires daher, seine Freundin hatte für den neuen Look gesorgt. „Das Tor zu erzielen, war schon ein gutes Gefühl. Es hat mich gefreut. Bei einem Sieg wäre das Gefühl noch besser gewesen.“

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Da wäre in einer Partie, in der der junge SCP kontrolliert bis in die Haarspitzen in der Verteidigung agierte, aber keineswegs riskanten Offensivfußball anbot, noch die fahrige Vorstellung von Schiedsrichter Dr. Robert Kampka zu erwähnen. Ende der ersten Halbzeit heizte er das Preußen-Lager mit drei hektischen Verwarnungen an. Nach der Pause hätte niemand Beschwerde einlegen können, wenn er Uerdingens Jean-Manuel Mbom nach einem üblen Tackling gegen Litka (63.) mit Rot vom Feld geschickt hätte. Schließlich war da noch das Handspiel von Oliver Steurer (82.), was bei einem möglichen Elfmeter der Partie eine andere Wendung gegeben hätte.

„Die Leistung des Schiedsrichters? Die bewerte ich nicht“, sagte Hübscher nach der Partie. Und tat es doch: „Er war sehr präsent auf dem Spielfeld. Eigentlich sollte ein Schiedsrichter unauffällig agieren.“ Aha. Aber die Schuld in die Schuhe schieben wollte Kampka keiner. Es blieb ja immerhin ein Erfolgserlebnis, die dritte Heimpartie der Saison ohne Niederlage. Münster hat nun zwei Spiele gewonnen, zwei verloren, zweimal unentschieden gespielt. Und nun immerhin einen Punkt geholt, den kann dem SCP keiner mehr wegnehmen.

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