Öczan retten Punkt gegen Chemnitz
Stillstand nach freudlosem Torfestival

Münster -

Fußballherz, was willst du mehr? Vielleicht ein paar Tore weniger. In der Tat wäre der Preußen-Frust am Samstag sogar nach einer farblosen Nullnummer kleiner gewesen, als nach dem spektakulären 3:3 gegen den Chemnitzer FC. In jedem Fall war das neuerliche Pünktchen im Kellerduell zu wenig, um die Wogen um Trainer Sven Hübscher zu glätten.

Sonntag, 03.11.2019, 13:01 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 17:17 Uhr
Sehenswerte Einlage von Luca Schnellbacher: Leider verfehlt der Fallrückzieher knapp das Ziel.
Sehenswerte Einlage von Luca Schnellbacher: Leider verfehlt der Fallrückzieher knapp das Ziel. Foto: Jürgen Peperhowe

Wer Tore liebt und sich an abwechslungsreichen Spielverläufen erfreuen kann, der war am Samstagnachmittag im Preußenstadion bestens aufgehoben. Nur sollte er zudem zur seltenen Gattung der sogenannten „neutralen Fußballfans“ zählen, denen, die nicht leidenschaftlich mit einem der beteiligten Teams verbunden sind. Leider dürfte sich unter den 5026 Zuschauern am Samstag kaum ein Exemplar dieser raren Spezies befunden haben. Vornehmlich Preußenfans hatten sich zum Kellerduell mit dem Chemnitzer FC ins Stadion verirrt, und die nehmen Tore aus gegebenem Anlass derzeit eher mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Als am Samstag nach 89 Minuten der fünfte von insgesamt sechs Treffern im Netz zappelte und sich die siebte Saisonniederlage des Tabellenvorletzten abzuzeichnen schien, machte sich der Frust auf den Tribünen in unüberhörbaren Rufen nach personellen Veränderungen Luft. Dass Seref Öczan wenig später und in letzter Sekunde der sechsten Tagestreffer zum finalen 3:3 (2:2) gelang, brachte den Chor ein wenig aus dem Rhythmus, doch die „Hübscher-raus“-Rufe begleiteten die Spieler auch noch in die Kabine.

Sechs Tore im Schnelldurchgang

 

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Der Mann, um den es ging, nahm es im Anschluss mit Fassung, gestand den Fans diese „verständliche Reaktion“ zu, enthielt sich aber ansonsten nachvollziehbarerweise jeden Kommentars. Das erledigten dafür offensiv und ungefragt seine Spieler, die das kollektive Defensivversagen unverblümt auf die eigenen Schultern nahmen und sich geschlossen vor ihren Übungsleiter stellten. „Das liegt nur an uns. Unser Trainer stellt uns jede Woche gut ein, wir müssen es umsetzen“, sagte beispielsweise der Schütze zum zwischenzeitlichen 2:2 (45.) Fridolin Wagner. „Fußball ist nicht so kompliziert. Da können wir mit Fünferkette spielen oder uns mit zehn Mann hinten reinstellen, wenn wir die Eins-gegen-eins-Duelle verlieren, bringt das alles nichts. Da kann jeder Trainer dieser Welt bei uns sein, und das wird nichts.“ Matchretter Öczan sah es ähnlich: „Ich muss den Trainer in Schutz nehmen, der versucht uns mitzugeben, es besser zu machen. Nur manchmal klappt es einfach nicht. Im Training ist die Qualität hoch, das ist echt traurig mit anzusehen.“ Kapitän Julian Schauerte verzweifelte schier an der Vorstellung der eigenen Mannschaft: „Wir gehen ins Spiel, um leichte Gegentore zu verhindern – und kassieren wieder drei. Das macht mich fassungslos.“ Noch wichtiger als die Rückendeckung der Spieler dürften für Hübscher die Signale der Sportlichen Leitung sein: Eine Trainerdiskussion gibt es in Münster nicht, stellte Malte Metzelder noch in der Halbzeitpause klar. Aufsichtsratschef Frank Westermann steht ebenfalls konsequent zu Team samt Trainer: „Dreimal einen Rückstand aufgeholt“, legte er den Fokus auf die positiven Begleiterscheinungen dieses Spiels, das mittlerweile in der Reihe der sieglosen Partien die laufende Nummer zehn bildet.

Drei Fragen an Seref Öczan

 

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Tatsächlich war auch an diesem Samstag wie so oft zuvor nicht alles schlecht, was der SCP auf dem Platz ablieferte. Wille und Moral sind ungebrochen, erneut hat die Mannschaft ein Spiel zumindest halbwegs gedreht, das Team hat zudem im bisherigen Saisonverlauf häufiger gepunktet (acht Spiele) als verloren (sechs) und belegt im Ligavergleich mit 22 erzielten Toren den geteilten neunten Rang. Doch sechs Unentschieden bei 32 Gegentreffern beförderten das Team dennoch tief in den Tabellenkeller.

Trainer Sven Hübscher will derweil weiter unverdrossen ans Werk gehen. Er hat die Probleme erkannt, den Lösungsweg aber offensichtlich noch nicht gefunden. „Wir arbeiten dran, mehr kann ich nicht machen. Wir werden das Thema aufarbeiten, werden über Verantwortlichkeiten sprechen“, will er das Defensivverhalten in den Trainingsmittelpunkt stellen. „Und wenn wir in jedem Training 100 Mal den Ball in die Box schlagen, bis wir für jede Angriffssituation die richtige Lösung gefunden haben.“ Auch Hübscher übernimmt Verantwortung: „Ich gehe vorweg. Das ist auch eine Frage des Vertrauens, das ich den Jungs gebe“, beschwört er den Zusammenhalt, den Spieler und Mannschaft auch in der aktuellen Krise glaubwürdig vermitteln. „Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.“ Ersteres aktuell leider viel zu selten, auch aus dem Blickwinkel des neutralen Fans …

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