Fußball: 3. Liga
Preußen gegen den MSV: ein bisschen David gegen Goliath

Münster -

Preußen Münster gegen den MSV Duisburg, das ist ein alter West-Schlager aus legendären Oberliga-Zeiten. Nun kommt es in Münster am Samstag (14 Uhr) zum 42. Aufeinandertreffen, dieses Mal in der 3. Liga. Die Rollen sind klar verteilt, SCP-Trainer Sascha Hildmann hofft aber auf eine positive Überraschung.

Freitag, 31.01.2020, 16:02 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 17:40 Uhr
Fußball: 3. Liga: Preußen gegen den MSV: ein bisschen David gegen Goliath
Fast alle Mann, eine Mauer: Die Preußen mit Philipp Hoffmann (von links), Seref Özcan, Fridolin Wagner, Nico Brandenburger, Marco Königs, Jan Löhmannsröben und Lucas Cueto beim Sieg in Jena. Foto: Jürgen Peperhowe

Nun wird es nicht reichen zum Klassenerhalt, wenn der SC Preußen Münster in den kommenden Wochen und Monaten „nur“ gegen Gegner auf Augenhöhe Siege oder zumindest Punkte einfahren wird. Das Team von Trainer Sascha Hildmann wird auch mal eine Überraschung landen, einen Großen ärgern und David gegen Goliath spielen müssen. Bestens dafür geeignet ist da gleich mal das Heimspiel gegen den MSV Duisburg am Samstag (14 Uhr). Die Kulisse dürfte ansprechend sein, wenn der abstiegsgefährdete SCP den Ligaprimus erwartet.

Hildmann positiv gestimmt

Hildmann macht das, was er als Trainer in seiner Lage machen muss. Einerseits zeigt er gehörigen Respekt vor dem MSV. Andererseits schreibt er sein Team nicht kategorisch ab. Der Sieg in Jena, dieses 2:1 im „Kopfspiel“ zum Start ins Fußballjahr 2020, gibt ihm Zuversicht. Und so erklärt Hildmann mal auch mutig: „Ich bin überzeugt, dass wir gute Chance haben zu gewinnen. Spielerisch haben wir noch viel Luft nach oben.“

Einzelkritik: FC Carl Zeiss Jena – SC Preußen Münster

1/15
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Max Schulze Niehues: Vor der Pause eigentlich sicher, wenn auch einmal etwas zögerlich. Dann aber zwei sensationelle Paraden gegen Julian Günther-Schmidt, dazu auch vor dem Tor mit einem guten Reflex gegen Kilian Pagliuca, für den Abstauber konnte er nichts. Gut bei hohen Bällen. Note: 1,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Klare Steigerung im Vergleich zur Hinrunde, sehr gutes Timing im Zweikampf, aber nicht nur mit der feinen Klinge unterwegs. Wenn es sein musste, flog der Ball im hohen Bogen nach vorne. Kleine Unsicherheiten und beim Gegentor einen Schritt zu spät gegen Pagliuca, aber dennoch ein vernünftiger Auftritt. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jan Löhmannsröben: Dieser Typ ist einfach ein Gewinn. Überzeugend waren zu Beginn nicht nur seine langen Diagonalbälle, sondern auch sein Biss und seine Ruhe gegen den Mann. Später verlor er auch einige Zweikämpfe, ging aber weiter voran. Furchtlos warf er sich in den Ball, als Meris Skenderovic ihn am Kopf traf und Rot sah. Mit Turban ging’s weiter, völlig egal. Steht er für ein neues Preußen? Note: 2

    Foto: Jan Steinbrenner
  • Okan Erdogan: Sachlich und solide spielte er seinen Part als linker Teil der Dreierkette runter. Das sah auch im direkten Duell mit Günther-Schmidt und Pagliuca ganz passabel aus, selbst wenn er wie Scherder beim Ausgleich nichts mehr retten konnte. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Julian Schauerte: Vor allem das clevere Zweikampfverhalten des Kapitäns stach hervor. In kniffligen Situationen hatte er oft eine Lösung. Nach vorne kam nicht viel, aber das ist in der jetzigen Phase auch nicht die Aufgabe des Flügelspielers. Vereinzelt gute Steckpässe. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fridolin Wagner: Er war der lauf- und kampfstarke Part vor der Abwehr, beschränkte sich aber nicht nur auf diese Aufgabe, sondern leitete auch einige Angriffe mit Übersicht ein. Vor dem 1:1 ließ er jedoch den Ball wegspringen. Ebnete mit einem Befreiungsschlag den Weg zum Siegtor. Später vergab er die Entscheidung. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kevin Rodrigues Pires: Anfangs hatte er einige Probleme mit der Standfestigkeit, rutschte mehrfach weg. Behielt aber weitgehend seine Ballsicherheit und leitete indirekt den Elfmeter mit ein. Ansonsten wenig Akzente. Als die Puste schwand, wurde der 28-Jährige abgelöst. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann: Er ist der neue Mann für die linke Außenbahn, Trainer Sascha Hildmann baut auch wegen seiner Laufbereitschaft auf den Rechtsfuß. Über seine Seite brannte wenig an. Bis er sich vor dem 1:1 die Kugel zu weit vorlegte. Danach gab es aber für die Kollegen noch Möglichkeiten die Szene zu klären. Am Ende einer der Türme in der Schlacht. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lucas Cueto: Wie Phönix aus der Asche kam der Dribbler nach einer super Vorbereitung in die Startelf, schnappte sich frech den Ball zum Elfmeter, nachdem er auch vorher schon einige vielversprechende Momente gehabt hatte. Sein Traumtor zum 2:1 setzte seiner Leistung die Krone auf. Sogar ein drittes Tor war drin. Note: 1,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Luca Schnellbacher: Dankbar ist die Aufgabe als zentrale Spitze ohne die entsprechende Größe bei hohen Bällen nicht, doch Schnellbacher holte das Beste raus, warf sich in viele Zweikämpfe und hetzte der Kugel hinterher. Auch einige unglückliche Aktionen gab es, belohnte sich aber mit dem Assist zum 2:1. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Maurice Litka: Handelte sich früh eine Verwarnung ein, weshalb ihn Hildmann als emotionalen Spieler zur Pause rausnahm. Vorher mit im Ansatz ordentlichen Ideen, aber ohne die ganz große Zugkraft. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Seref Özcan: Kam für Litka, hatte viel Platz auf der linken Seite, sorgte immer wieder für mächtig Alarm, ließ aber auch eine ganze Reihe erfolgsversprechender Konter liegen. Kämpferisch jedoch ohne Beanstandung. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nico Brandenburger: Zur Stabilisierung der Abwehr wurde der Blondschopf in der Schlussphase reingeworfen und half abgebrüht mit, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Königs: Spät für Schnellbacher eingewechselt. Im Zeugnis stand für den Neuzugang an seinem 30. Geburtstag aber nur noch eine Gelbe Karte. Keine Note

    Foto: Imago Images

Alles in allem, keine Frage, wird der SCP im Vergleich zum Erfolg im Kellerkinderduell mächtig zulegen müssen. Dafür muss Hildmann zunächst seine passende Startelf finden, in der seine Akteure sich möglichst wenig Fehler erlauben, Zweikämpfe en masse gewinnen und die Gäste beschäftigen. „Sieben, acht Positionen stehen fest, über zwei Plätze diskutieren wir noch“, sagt er, und meint das abschließende Fachgespräch mit Co-Trainer Louis Cordes. Aber dann gilt es auch den „bockstarken“ Gegner in die Schranken zu weisen, vor allem Topscorer Moritz Stoppelkamp (13 Tore, sieben Vorlagen) an die Kette zu legen. Im Training sah das schon ganz gut aus, aber der Praxistest gegen ein Drittliga-Spitzenteam steht aus. Was geht bei den Preußen an diesem Samstag?

Kittner und Litka zurück

Jannik Borgmann und ­Naod Mekonnen fallen aus. Mittelfeldspieler Fridolin Wagner steht genauso wie Reservetorwart Oliver Schnitzler (beide Grippe) nicht zur Verfügung. Angreifer Maurice Litka musste mit Oberschenkelproblemen drei Übungseinheiten aussetzen, dürfte aber wie Kapitän Ole Kittner zumindest den Sprung in das Spieltags-Aufgebot schaffen.

Vor fünfeinhalb Jahren gewann der SCP letztmals gegen den MSV, damals, am 2. November 2014, traf Amaury Bischoff im Heimspiel zum 1:0-Erfolg. Münster war Tabellenzweiter der 3. Liga, Duisburg Achter. Der geschichtliche Exkurs dürfte Sascha Hildmann dabei wenig interessieren, auf vergleichbare Art und Weise drei Punkte zu holen dafür umso mehr. Ein harter Job.

Münster: Schulze Niehues – Kittner, Löhmannsröben, Scherder – Schauerte, Erdogan, Brandenburger, Hoffmann – Özcan, Königs, Schnellbacher.

Gegner-Check: MSV Duisburg

Ausgangslage: Der MSV ist auswärts sowas wie recht gesundes Mittelmaß mit der neuntbesten Bilanz, der Zweitliga-Absteiger punktet vor allem daheim. Das gibt den Preußen Hoffnung. Allerdings ist Duisburg aktuell Tabellenführer der 3. Liga. Irgendwelche Fragen zur Rollenverteilung von Favorit und Außenseite am Samstag in Münster?

Personal: Einige Namen finden sich auf der Verletztenliste wie Arnold Budimbu, Sinan Karweina, Connor Krempicki oder Vincent Vermeij. Wichtigster Spieler aktuell ist Moritz Stoppelkamp, der auf 20 Scorerpunkte kommt und zuletzt auch die Duisburger „Elfmeterdürre“ beenden konnte.

Trainer: Der 46 Jahre alte Torsten Lieberknecht ist an der Wedau angekommen. Nach zehn Jahren bei Eintracht Braunschweig will er den MSV in das Bundesliga-Unterhaus zurückführen. Er setzt in der Regel auf ein 4-2-3-1-Spielsystem.

Kuriosum: Wer kennt Vincent Gembalies? Der 20 Jahre alte Abwehrspieler sucht seine Rolle in Duisburg nicht, er ist Meidericher durch und durch. Seit seinem achten Lebensjahr kickt er für den MSV. Das nennt man wohl ein echtes Eigengewächs – selbst wenn er in Oberhausen geboren ist.

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