Fußball: 3. Liga
Sascha Hildmann sucht Normalität in der Ungewissheit

Münster -

Sascha Hildmann ist erwiesener Fußball-Experte, doch auch er verstand die Fußballwelt aktuell nicht mehr. „Das ist die größte Frechheit überhaupt“, sagte der Trainer des Drittligisten SC Preußen Münster zum geplanten Geisterspieltag in den Bundesligen. Am Nachmittag dann die Kehrtwende: Auch in den Topligen ruht der Ball, doch die Probleme der Preußen bleiben.

Freitag, 13.03.2020, 16:34 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 18:10 Uhr
Vielleicht war das das letzte Saisonspiel? Sascha Hildmann vor dem Gastspiel bei Viktoria Köln am 7. März mit Blick auf die eigenen Fans.
Vielleicht war das das letzte Saisonspiel? Sascha Hildmann vor dem Gastspiel bei Viktoria Köln am 7. März mit Blick auf die eigenen Fans. Foto: Alexander Heflik

Trainer Sascha Hildmann versucht den Trainingsbetrieb beim SC Preußen Münster aufrecht zu erhalten. „Das ist schwierig. Aber Training ist Training. Natürlich ist Corona ein Thema in der Kabine“, sagt der Coach des Fußball-Drittligisten. Und fügt, wie viele andere, das Probleme gleich an: „Das Ungewisse an der Situation dominiert alles.“

Rasante Entwicklung

Die Entscheidungen überholen sich im Stundentakt, vielleicht noch schneller, während eines Telefonats ploppen die nächsten Neuigkeiten, schlechten Botschaften prompt auf. Die Preußen hatten in der Wochenmitte kurzfristig versucht, zumindest etwas den Wettkampfcharakter herzustellen, ein Testspiel gegen Regionalligist RW Essen sollte am Samstag in der Mittagszeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Eigentlich war am Samstag um 14 Uhr das wegweisende Kellerkinderduell mit dem Halleschen FC geplant gewesen, das war aber bereits abgesagt geworden.

Doch die wenigen Stunden des Freitags, die Entwicklung rund um Covid-19 genügten, diese Idee einzustampfen. Um in der Zeitlinie zu bleiben, hätte am Mittwoch eine Austragung der Partie noch irgendwie gerechtfertigt werden können, Donnerstag sah das schon viel schlechter aus, am Freitag, als alle Fußballspiele abgesagt worden waren und die Spielpause wohl bis zum 19. April mindestens gehen wird, hätte dieses Testspiel jeden auf die Palme gebracht.

Trainingsspiel wäre unverantwortlich gewesen

Hildmann sah das genauso, Training im vertrauten und geschlossenem Kreis ja, solange die Hygiene stimmt und kein Spieler erkrankt ist, – aber gegen RWE anzutreten wäre unverantwortlich gewesen. Und der 47-Jährige hatte nichts, aber auch gar nichts über für die lang geplante Austragung der Geisterspiele in der 1. und 2. Bundesliga: „Ich finde, das ist die größte Frechheit überhaupt.“

Hildmann sagt: „Ich habe auch meine Meinung geändert. Aber wenn Fußball abgesagt wird, dann gilt das für alle.“ Extrawürste für die deutschen Topligen versteht er nicht. Die Lage weltweit sei so ernst und bedrohlich. Am Freitagnachmittag siegte de Vernunft dann auch bei der DFL, sie sagte den Spieltag ab.

Gut so, befand Hildmann. Unabhängig von dieser Entwicklung wird er in Münster versuchen, im Rahmen der Möglichkeiten das Training auszurichten und den Spannungsbogen beim Drittletzten der 3. Liga hoch zu halten. Ja, er habe noch einen Plan B und C, aber die Dinge entwickelten sich gerade so rasant, dass man nicht wirklich weit vorausschauen könne.

Es wird keine Gerechtigkeit für alle geben.

Sascha Hildmann

Entschließt sich die 3. Liga am Montag zu einer Spielpause bis nach den Osterferien, hätte der SCP zu diesem Zeitpunkt eigentlich sieben Punktpartien ausgetragen haben müssen. Diese nachzuholen wäre bis zum geplanten Saisonende am 16. Mai praktisch unmöglich.

Hildmann steht für die Hoffnung auf den Klassenerhalt in Münster. Möglicherweise nimmt diese Saison aber ein ganz anderes Ende. Keiner weiß es. In seiner Heimstadt Kaiserslautern wurden gerade alle Veranstaltungen mit über 1000 Zuschauern bis zum 10. Juli abgesagt. Der FCK ist Konkurrent des SCP im Abstiegskampf, er wird wohl kein Heimspiel auf dem Betzenberg mehr in dieser Saison austragen. Auf die hochspekulative Frage, wie denn die Saison in der 3. Liga aus seiner Sicht enden könnte, sagte Hildmann: „Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Es wird keine Gerechtigkeit für alle geben.“

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