Fußball: 3. Liga
Preußen Münster kritisiert DFB-Plan

Münster -

Der SC Preußen Münster muss sich auf eine Fortsetzung der Drittliga-Saison einrichten. Am Montag sprach sie das DFB-Präsidium dafür aus, die Spielzeit zu einem Ende bringen zu wollen. Auf den SCP, der sich wie einige andere Mitstreiter für einen Abbruch ausgesprochen hatte, kommen fünf englische Wochen zu – und zuvor viele weitere noch zu lösende Probleme.

Montag, 11.05.2020, 20:52 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 21:13 Uhr
Viel Zeit bleibt nicht: SCP-Trainer Sascha Hildmann
Viel Zeit bleibt nicht: SCP-Trainer Sascha Hildmann Foto: Peperhowe

Der Beschluss des DFB-Präsidiums von Montag mag bei der knappen Mehrheit der Fußball-Drittligisten, die sich für eine Saisonfortsetzung ausgesprochen hatten, auf Gegenliebe stoßen. Beim SC Preußen Münster indes hält sie sich in Grenzen: Der Spielbetrieb soll am 26. Mai, so der DFB-Entscheid, fortgesetzt werden. Der neue Rahmenterminplan sieht vor, dass die noch offenen elf Spieltage mit fünf englischen Wochen absolviert werden – Saisonende wäre dann am 30. Juni.

Ausnahmegenehmigung vom Krisenstab?

So weit, so schlecht aus Sicht der Preußen. Die müssen nun beim Chef des münsterischen Corona-Krisenstabes Wolfgang Heuer erst einmal eine Sondergenehmigung beantragen, in Münster spielen zu dürfen. Beim Liga-Rivalen Carl Zeiss hatte die Stadt Jena beispielsweise schon abgewunken. Ein neutraler Trainingsort beziehungsweise ein Ausweichstadion in der Region ist nicht in Sicht. Zudem durften die Preußen noch nicht einmal in Kleinstgruppen trainieren.

Training am Mittwoch

Die erste Teststrecke auf das Virus ist frühestens an diesem Donnerstag, die zweite am Samstag/Sonntag. An diesem Mittwoch wird das Team erstmals nach fast neunwöchiger Pause ins Mannschaftstraining einsteigen. Es bleibt eine Vorbereitungszeit von gerade neun Tagen. Ein wie vom DFB vorgeschriebener Hygiene-Beauftragter (Arzt) steht in Vollzeit nicht zur Verfügung.

Zudem bestehen weiterhin die Zweifel, dass die Saison tatsächlich am 30. Juni beendet werden kann. An diesem Datum laufen jedoch einige Spielerverträge aus. Keine Frage: Durch den DFB-Präsidiumsbeschluss wächst der Druck auf die Clubs – auch auf den SCP.

Preußen Münster: "Gezwungen, den Trainingsbetrieb aufzunehmen"

Mit der Fortsetzung der Drittliga-Saison sind die Preußen-Verantwortlichen nicht glücklich. Das Hygienekonzept des DFB sei nicht umsetzbar, so der Club in einer Pressemitteilung, die wir hier im Wortlaut wiedergeben:

"Der SC Preußen Münster plant nach mehr als achtwöchiger Pause am Mittwoch auf den Trainingsplatz zurückzukehren. Nach aktueller behördlicher Verfügungslage ist nur Kleingruppentraining nach strengen Hygienevorgaben und Abstandsregeln möglich. Die ensprechende Freigabe der Münstaraner Behörden erhielt der Drittligist am Montag. Die grundsätzliche Position des Adlerclubs hinsichtlich einer Saisonfortsetzung bleibt davon unberührt.

Da die Gesundheit der Mitarbeiter absoluten Vorrang haben muss, ist die Teilnahme am Training freiwillig. Mit maximal fünf Personen je Übungsgruppe soll es am Mittwoch an der Hammer Straße wieder losgehen, auch wenn der Club weiterhin die umfangreichen und kostenintensiven Anforderungen des vom DFB vorgelegten Hygienekonzeptes nicht umsetzen kann. Insbesondere die Benennung eines Hygienebeauftragten, der für die zahlreichen Maßnahmen und Testungen vorrausgesetzt wird, gestaltet sich weiterhin schwierig. Die ehrenamtlich tätigen Mannschaftsärzte mit eigenem Praxisbetrieb kommen für diese Vollzeitstelle nicht in Frage, ein approbierter Arzt ist aber als Beauftragter für diesen zeitlich begrenzten Zeitraum verpflichtend.

"Wir stehen weiterhin vor wirtschaftlich für uns kaum lösbaren Aufgaben und es gibt nach wie vor viele offene Fragen. Ein einwöchiges Quarantäne-Trainingslager, ein eigener Mannschaftkoch, mehrere Mannschaftbusse oder zusätzliche Kabinen und Sanitärräume erscheinen für die durch die Coronapandemie ohnehin finanziell angeschlagenen Vereine nicht vertretbar. Auch gesellschafts- und gesundheitspolitisch stehen wir einer Sonderrolle für den Profifußball weiterhin kritisch gegenüber", sagt Malte Metzelder, Geschäftsführer Sport bein SC Preußen.

Mit Blick auf das vom Ligaträger vorgegebene Tempo bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs sieht sich der Verein aber gezwungen, innerhalb des behördlichen Rahmens den Trainingsbetrieb aufzunehmen. Schon jetzt gibt es innerhalb der 3. Liga einen unüberbückbaren Wettbewerbsnachteil für diejenigen Vereine, die aufgrund lokaler Verfügungslagen noch nicht trainieren konnten, während andere bereits in der dritten Trainingswoche stehen. Eine vom DFB festgelegte Wiederaufnahme des Spielbetriebes vorbehaltlich entsprechender politischer Entscheidungen ab dem 26. Mai ist nicht nur vor diesem Hintergrund zu hinterfragen.

Das Trainingsgelände wird nur noch für die unmittelbar am Trainingsbetrieb beteiligten Personen zugänglich sein. Zuschauer und Medienvertreter dürfen die weiträumig verschlossenen Anlage bis auf weiteres leider nicht betreten."

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