Fußball: 3. Liga
Unzählige offene Fragen beim SC Preußen Münster

Münster -

Am 26. Mai soll in der dritten Liga das Leder wieder rollen, bis dahin rotiert beim SC Preußen Münster so ziemlich alles. Und zwar so, dass einem schwindelig werden kann, ob der Probleme, die noch gelöst werden müssen. Dass in zwölf Tagen wirklich jemand Fußball spielt, darf bezweifelt werden.

Donnerstag, 14.05.2020, 17:14 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 18:06 Uhr
Müssen ab jetzt laut und deutlich sprechen: SCP-Physiotherapeut Lukas Brüggemann (links) und Preußen-Teammanager Harald Menzel beim Masken-Talk.
Müssen ab jetzt laut und deutlich sprechen: SCP-Physiotherapeut Lukas Brüggemann (links) und Preußen-Teammanager Harald Menzel beim Masken-Talk. Foto: SC Preußen Münster

Wer auch immer in den Mittagsstunden des Donnerstags nach vorn schaute, der konnte mit Fug und Recht behaupten: Das mit dem Re-Start des SC Preußen Münster in der 3. Liga mit einem heimischen Geisterspiel gegen den Halleschen FC am 26. oder 27. Mai kann nicht klappen. Nein. Niemals. Never. Das gilt ganz sicher für den Fall, dass der Fußball-Drittligist die Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes befolgen muss. Der nationale Verband fordert mittlerweile mit dem Habitus einer Dampframme den Wiedereinstieg in das Spieltags-Geschehen ein.

Ein Meer an offenen Fragen

Der SCP hat a) keinen Hygienebeauftragten, b) keinen Diagnostikbeauftragten, c) deshalb keine erste Testreihe absolviert, d) natürlich auch keine zweite Testreihe erledigt, e) damit ist kein Mannschaftstraining erlaubt, f) das siebentägige Quarantäne-Trainingslager weder terminiert noch einen Ort dafür gefunden. Und dies sind nur sechs wesentliche Aspekte für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Dazu gesellt sich ein Meer an offenen Fragen größerer und kleinerer Natur.

Trainerteam von morgens bis abends auf dem Platz

Am Donnerstag bestritt der SCP seinen zweiten Trainingstag, sechs Fünfer-Gruppen, von denen zwei gleichzeitig jeweils eine Platzhälfte nutzen durften, waren im Einsatz. Bereits – für Fußballer ungewöhnlich früh – um 8.45 Uhr ging es los, Coach Sascha Hildmann und sein Trainerteam sind von morgens bis abends auf dem Platz gefordert.

Im Hintergrund geht die schwierige Suche nach einem Hygienebeauftragten, besser gesagt einem approbierten Arzt, weiter. Es gibt Interessenten, Kandidaten wurden angesprochen, wieder andere meldeten sich, fast alle waren wohl überrascht, dass das fast ein Fulltime-Job ist. Und dann wäre da auch noch die Haftungsfrage, bei der dann praktisch jeder zurückschreckt. Zudem müsste der SCP noch einen Diagnostik-Beauftragten anstellen, eine Person, die die Abstriche durchführt. Die Physiotherapeuten des SCP dürfen das nicht machen – außer sie hätten eine Zusatzausbildung und mindestens schon 50 Abstriche gemacht. Das ist Realität in Zeiten von Corona.

Desinfizierte Bälle und Handyverbot

Beim SCP-Training sind für den so genannten „Staff“ weitere Aufgaben dazu gekommen. Die Physiotherapeuten Lukas Brüggemann und Matthias Sieme messen, solange die Testreihen nicht gestartet sind, bei jedem Einzelnen bei Betreten der Anlage die Körpertemperatur per Fiebermesser. Zeugwart Helge Dahms muss regelmäßig die Trainingsbälle desinfizieren. Ansonsten ist es ein rhythmisches Ankommen, Trainieren, Abfahren der Spieler, noch nicht einmal das Handy soll auf den Trainingsplatz mitgenommen werden – wozu auch?

Noch kein Quarantäne-Trainingslager in Sicht

Harald Menzel, eine Art Urgestein im Club seit 2006, hat derweil anderen Sorgen. Der Teammanager muss einen Ort für das Trainingslager finden. In der Region fallen da in der Regel die Sportschule Kaiserau oder die Sportschule der Bundeswehr in Warendorf ins Auge. Aber auch ein Hotel mit angeschlossenem Spielfeld wäre eine Alternative, dafür kommen die mit dem DFB kooperierende NH-Hotels in Betracht. Zumindest eines benötigt der finanziell in einer angespannten Lage befindliche SCP nicht: einen eigenen Koch für die Zeit des Corona-Geisterspiel-Fußballs anzustellen.

Preußen zahlen die Zeche

„Absoluter Drahtseilakt“, umreißt Menzel auch die Planung für das Auswärtsspiel beim FC Bayern München II am 30. oder 31. Mai. Will der SCP mit dem Bus anreisen, benötigt er davon gleich zwei – Abstandsregel, 1,50 Meter. Entweder heißt die Reiseroute Münster – München, oder vom Flughafen in München müssen zwei Busse her. Apropos fliegen: Alle in einer Maschine mit Mundschutz? Muss der Drittligist tatsächlich eine eigene Maschine chartern, weil es keine Linienflüge gibt? Müssen die Spieler auf zwei Linienflüge oder gar zwei Charterflüge verteilt werden, weil der Mundschutz nicht genügt als Hygienemaßnahme? Ach ja, neben den vielen offenen Fragen, ist diese geklärt: Die Kosten trägt der SC Preußen.

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