Fußball: 3. Liga
Georg Krimphove schreibt sich den Frust von der Seele

Münster -

Mit einem offenen Brief an DFB-Boss Fritz Keller hat Preußen Münsters ehemaliger Club-Präsident Georg Krimphove deutlich Stellung gegen eine Saisonfortsetzung in Liga drei genommen – und jetzt die Konfrontation mit dem Dachverband gesucht, die er in Amtszeiten nach eigenem Befinden zu lange gescheut hatte.

Montag, 18.05.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 18:35 Uhr
Einst Ansprechpartner für die Fans, später Präsident – und jetzt „nur noch“ Fan des SC Preußen Münster: Georg Krimphove.
Einst Ansprechpartner für die Fans, später Präsident – und jetzt „nur noch“ Fan des SC Preußen Münster: Georg Krimphove.

Georg Krimphove ist selbstständiger Bäckermeister und leitet ein mittelständisches Unternehmen – kleine Brötchen zu backen, ist schon von Berufs wegen gar nicht seine Art. Grundsätzlich jedoch ist der 55-Jährige ein eher zurückhaltender Zeitgenosse, im Zweifel lieber leise und nach Harmonie strebend. Eigenschaften, die Krimphove in seinen langen Jahren im ehrenamtlichen Dienst für den SC Preußen Münster durchaus zu Gute kamen, ihm in seinem herausfordernden Amt als Ansprechpartner für die Fans und später als Präsident des Clubs große Glaubwürdigkeit bescherten. 2016 legte Krimphove sein Amt nieder, seither ist er den Preußen „mit viel Herzblut“, wie er sagt, „nur noch“ als Fan verbunden. „Bei Heimspielen bin ich immer dabei“, sagt er. Doch damit ist es möglicherweise bald vorbei, sobald auch in Liga drei der Geisterspielbetrieb aufgenommen werden sollte.

Gedanken vor dem Einschlafen

Doch es war weniger die persönliche Stadionbilanz, sondern das Große und Ganze, das den bekennenden Fan in den vergangenen Woche umtrieb und mitunter schlecht in den Schlaf finden ließ. „So was nehme ich dann abends mit und es beschäftigt mich. Manchmal schreibe ich das dann auch runter.“ Am Samstagmorgen schrieb sich Krimphove dann eine Menge Frust von der Seele – und hatte im Anschluss einen langen Brief vor sich liegen. „Ich habe mir den noch mal durchgelesen und gemerkt: Der ist ganz ordentlich formuliert, ich habe niemandsen beleidigt oder beschimpft, warum soll ich den nicht einfach abschicken.“ Sohn und Geschäftspartner Christopher war als Testleser beeindruckt – und ab die Post: Adressat war DFB-Präsident Fritz Keller , gleichzeitig veröffentlichte Krimphove seine Gedanken auch als „offenen Brief“ in den sozialen Medien.

Deutliche Kritik am DFB

Im Kern geht es „um die Fortsetzung des Spielbetriebes in der 3. Liga, die vom DFB ohne Rücksicht auf Verluste vorangetrieben wird.“ Krimphoves massiver Vorwurf an den DFB: „Die Gesundheit der Spieler und anderer Protagonisten wird fahrlässig und leichtsinnig aufs Spiel gesetzt und die ohnehin meist klammen Kassen der Vereine werden durch Ihre Maßnahmen weiter geleert, ohne eine seriöse Lösung der Gegen-Finanzierung zu präsentieren.“ Natürlich blieben diese Worte nicht lange unkommentiert.

„Mit so einer großen Resonanz habe ich nicht gerechnet“, so Krimphove im Nachgang, „offenbar habe ich vielen aus der Seele geschrieben.“ Sein Brief wurde oft geteilt, häufig geliket und in den Kommentarfunktionen eifrig diskutiert. „Durchaus auch mit anderen Meinungen, aber immer konstruktiv und sachlich. Das freut mich und damit kann ich gut umgehen“, so Krimphove.

Wenn Sie den folgenden Facebook Beitrag ansehen möchten, aktivieren Sie diesen bitte über den Button. Mit der Aktivierung des Beitrags erklären Sie sich damit einverstanden, dass Daten an Facebook übermittelt werden.
Der Facebook-Post wird geladen

Keller eigentlich ein Hoffnungsträger

Mit einer Antwort von Fritz Keller rechnet der Münsteraner nicht, der DFB-Präsident dürfte aktuell voll ausgelastet sein. Zumal Kritik von vielen Seiten auf ihn einprasselt. Prominentester Kritiker ist aktuell zweifellos Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, doch dessen Themen lassen Krimphove kalt. „Der Bundesligen sind eine ganz andere Geschichte und nicht vergleichbar mit dem, was da in Liga drei passiert.“

Für Krimphove war der neue DFB-Chef eine Art Hoffnungsträger: „Wie ich ein Unternehmer und kein Funktionär. Jemand von dem ich gehofft hatte, dass er echte Probleme erkennt und Probleme auch lösen kann. Jemand, der die Macht der Landesfürsten beschneiden kann.“ Dass Keller das in den Augen von Krimphove nicht tut, „ist schon eine Enttäuschung“.

Wenn ich noch in Verantwortung beim SCP wäre, würde ich ernsthaft überlegen, dieses Theater nicht mitzumachen und freiwillig in die 4. Liga gehen.

Georg Krimphove

Schon in der eigenen Funktionärszeit habe ihn die „Friss-oder-Stirb-Mentalität“ des DFB oft und massiv gestört. „Jetzt ärgere ich mich, dass ich mich damals nicht klarer positioniert habe und stattdessen die Konfrontation eher mit den eigenen Fans in Kauf genommen habe.“ Auch heute ist Krimphove noch um Ausgleich bemüht: „Es ist eine schwierige Phase, und den goldenen Weg gibt es nicht.“

Die Fortsetzung der Spielzeit „ohne Rücksicht auf Verluste“ sei jedoch inakzeptabel – und öffnet das Tor für drastische Gedankenspiele: „Wenn ich noch in Verantwortung beim SCP wäre, würde ich ernsthaft überlegen, dieses Theater nicht mitzumachen und freiwillig in die 4. Liga gehen – das Problem ist nur, dass dort wieder der DFB das Sagen hat und die weitere Zukunft des Vereins am seidenen Faden hing.“

Harmonischer Wunsch zum Schluss

Noch hofft Krimphove, dass seinem Nachfolger im Amt bei den Preußen, Christoph Strässer, „den ich sehr schätze und der gemeinsam mit Frank Westermann einen tollen Job macht“ ein solcher Schritt erspart bleibt. Und so endet auch der Brief an DFB-Boss Fritz Keller harmonisch im Krimphove-Style: „So ganz habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass beim DFB der gesunde Menschenverstand und die Verantwortung für Spieler und Mitarbeiter*innen der Vereine die Oberhand gewinnt.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7414291?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F
Nachrichten-Ticker