Fußball: 3. Liga
Elf Clubs tauschten den Coach – mal mit, mal ohne Erfolg

Münster -

In der 3. Liga geht die Angst um. Vor allem die Abstiegsangst. Das zeigt sich an der Häufung an Trainerwechseln. In dieser Woche war es beim Halleschen FC und beim 1. FC Magdeburg so weit. Nicht immer bringt dieser Schritt etwas, manchmal abere schon.

Freitag, 12.06.2020, 17:43 Uhr aktualisiert: 14.06.2020, 19:22 Uhr
Pavel Dotchev
Pavel Dotchev Foto: Jürgen Peperhowe

Die Trainerfrage in der 3. Liga wird offenbar immer hastiger und überstürzter entschieden. Die Zündschnur wird immer kürzer. Ismail Atalan blieben beim Halleschen FC gerade einmal fünf Partien, Claus-Dieter Wollitz beim 1. FC Magdeburg immerhin noch elf Spiele – dann war Schluss. Elf von 20 Drittligisten haben ihren Übungsleiter in dieser Saison mindestens einmal vorzeitig und vor Vertragsende gefeuert.

Nach dem Re-Start der Spielklasse mit einem zusammengestauchten Spielplan, in dem elf Partien in fünf Wochen absolviert werden müssen, sind die vermeintlichen Retter schneller obsolet, als man denkt. Aktionismus macht sich breit, nur nicht in Zwickau: Joe Enochs ist der einzige Trainer eines Kellerkindes, der nicht zu wackeln scheint.

Atalan zum Beispiel, 40 Jahre alter Fußballlehrer, hatte Torsten Ziegner abgelöst. Auch er konnte die 13-teilige Serie ohne Sieg nicht stoppen – Florian Schnorrenberg in seinem ersten Einsatz schon, als der HFC mit 3:0 gegen Waldhof Mannheim gewann. Erklären kann das keiner. Atalan, der den Regionalligisten SF Lotte schlagartig für das Engagement in Halle verließ, wurde ein magerer Punkt aus fünf Begegnungen zum Verhängnis.

Hoßmang macht es

Auch Wollitz warf die Brocken beim ambitionierten Nordost-Viertligisten Energie Cottbus hin, um den Zweitliga-Absteiger in Magdeburg wieder in die Spur zu bringen. Nun soll es Thomas Hoßmang, Ex-Profi und NLZ-Leiter, richten.

Alle Drittligisten werden in dieser Saison draufzahlen. Glaubt man dem DFB, dann wird der Schaden durch die Fortsetzung der Saison im Geisterspiel-Modus reduziert. Glaubt man den meisten Abstiegskandidaten, so wird der wirtschaftliche Schaden noch größer sein. Fast alle Clubs müssen Kredite aufnehmen, um den Spielbetrieb auf Dauer aufrechterhalten zu können, nicht selten werden siebenstellige Darlehen vonnöten sein. „Hire and fire“ bei den Trainern ist fast schon wie Roulette zu spielen. Kann erfolgreich sein, kann aber auch floppen.

Noch schlimmer wäre nur ein Abstieg. „Die Regionalliga ist für alle Vereine eine Katastrophe“, sagte unlängst Unterhachings Trainer Claus Schromm, als er vom „worst case“ des Saisonausgangs sprach. Fast genauso schlimm, so Schromm weiter, wäre, wenn ein Verein wie Unterhaching länger in der 3. Liga spielen würde. Der Aufstieg ins Bundesliga-Unterhaus als Flucht der Oberklasse, der Ligaerhalt als Schadensbegrenzung bei allen Abstiegskandidaten – so oder so ähnlich lautet der Tenor. Schromm ist im Übrigen seit 2015 Trainer in Unterhaching und damit dienstältester Drittliga-Coach, wobei Pavel Dotchev mit 242 Drittliga-Einsätzen der „Rekordtrainer“ dieser Spielklasse ist. Am längsten bei einem Verein ist dagegen Christian Neidhart, sieben Saisons betreut er den SV Meppen inzwischen.

Hildmann hilft

Und so kommt es, dass bereits elf Vereine in dieser Saison mindestens einmal den Trainer getauscht haben. Die vier Teams auf den Abstiegsrängen – Halle, Münster, Großaspach und Jena – natürlich auch. Atalan und Wollitz konnten den Trend nicht stoppen, Sascha Hildmann beim SC Preußen dagegen schon mit 18 Punkten aus elf Partien, in Münster ist aus der minimalen Resthoffnung der feste Glaube an die erfolgreiche Aufholjagd gewachsen. Hildmanns Ausbeute von durchschnittlich 1,64 Punkten ist über die Saison betrachtet der fünftbeste Wert in der 3. Liga.

Und Feuerwehrmann Schnorrenberg in Halle? Sein 3:0-Erfolg zum Auftakt machte aus Hoffnungslosigkeit wieder Hoffnung. Sieben Spieltage bleiben bis Anfang Juni noch, das dürfte noch für ein weiteres Trainerstuhlrücken sorgen.

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