Fußball: Regionalliga West
Preußen Münster mit Rückstand in die Vorbereitung

Münster -

Sollten die Letzten tatsächlich wie im Sprichwort am Ende die Ersten sein, dann steht dem direkten Wiederaufstieg des SC Preußen Münster in Liga drei nichts mehr im Wege. Allemal sind die Preußen im Regionalliga-Feld noch auf der Suche nach den führenden Köpfen, während die Konkurrenz bereits mitten im Training steckt.

Donnerstag, 16.07.2020, 16:06 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 12:00 Uhr
Der SV Rödinghausen bejubelte 2017 den Pokalsieg gegen den SC Preußen. Bald kommt es zum ersten Ligatreffen beider Teams.
Der SV Rödinghausen bejubelte 2017 den Pokalsieg gegen den SC Preußen. Bald kommt es zum ersten Ligatreffen beider Teams. Foto: Jürgen Peperhowe

Vermutlich wird der SC Preußen Münster als letzter von 21 Vereinen in der Regionalliga West den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. Das ist etwas, also der späte Einstieg in das Übungsprogramm, was den designierten SCP-Coach Sascha Hildmann nicht aus der Balance werfen wird, wie er nur wenige Tage nach dem Drittliga-Abstieg kundtat. Fünf Wochen Vorbereitung, das sollte reichen, erklärte der Fußballlehrer.

Corona-Pause Vorsprung

Erwartungsgemäß sind die anderen 20 Vereine in der Regel deutlich weiter, sie hatten durch die Corona-Pause Zeit, sich auf die neue Saison einzustellen. Aufsteiger RW Ahlen nahm am 15. Juni bereits das Training auf, die Hälfte aller Clubs ist wieder auf dem Rasen. Die Preußen dagegen werden sich mit dem Bonner SC rangeln müssen, wer als Letzter ins Training einsteigt. Der Club aus dem Rheinland plant das für den 1. August.

Es dürfte dabei eine durchaus interessante Liga werden, die der SC Verl als Tabellenzweiter nach dem Aufstieg in die 3. Liga verlassen hat. Als die Ostwestfalen 2007 in die damals dritte Liga aufgestiegen waren, krebste der SCP noch eine weitere Saison in der Oberliga rum, ehe 2008 Meisterschaft und Regionalliga-Qualifikation gelangen – wobei die Regionalliga damals zur vierten deutschen Spielklasse degradiert worden war.

Meister Rödinghausen mächtig gerupft

Regionalliga West bedeutet auch, dass der Meister SV Rödinghausen auf sein Anrecht auf die Relegationspartien verzichtete. Nun ist der Aderlass da, Trainer Enrico Maaßen übernahm Borussia Dortmund II. Zudem verließen fast alle Leistungsträger den Verein, mit Felix Backszat ist einer davon noch zu haben auf dem Transfermarkt – er ist eine heiße Aktie für die West-Staffel.

Top-Favorit RW Essen

Traditionsclubs in dieser Liga sind Meisterschaftsfavorit RW Essen, RW Oberhausen, Alemannia Aachen und Fortuna Köln – alles ehemalige Erstligisten wie auch der SC Preußen. Regionalliga West ist aber auch Tummelbecken für die Zweitvertretungen aus Schalke, Köln, Düsseldorf. Mönchengladbach und Dortmund. Letztgenannter Verein ist neben Essen ein Top-Anwärter auf die Meisterschaft. Allerdings verlor der BVB II mit Joseph Boyamba (24 Tore in zwei Saisons) seinen besten Stürmer.

Preußen-Saisonstatistik 2019/20

1/20
  • Einsätze: Kapitän Julian Schauerte verpasste nur eine Partie (in Mannheim) gelbgesperrt. 34-mal am Ball waren Heinz Mörschel und Torhüter Max Schulze Niehues. Auf 33 Einsätze kam Luca Schnellbacher, auf 32 Simon Scherder, Okan Erdogan und Seref Özcan, auf 31 Kevin Rodrigues Pires. Insgesamt wurden 26 Akteure eingesetzt. Ugur Tezel, Naod Mekonnen (1 Spiel) und Marcel Hoffmeier (2) firmierten als Kurzarbeiter. Im Schnitt waren die Profis auf dem Feld 26,1 Jahre alt. Zehn Teams waren aber noch jünger.

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  • Spielminuten: Die 3330 von Schauerte sind natürlich unübertroffen. Stolze Werte liefern aber auch Schulze Niehues (3060) und Scherder (2806). Der Abstand auf Schnellbacher (2246), Mörschel (2215), Fridolin Wagner (2193), Rodrigues Pires (2120) und Özcan (2036) ist schon gehörig.

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  • Tore: Wer hätte das gedacht? Mörschel war mit acht Treffern bester Schütze, der im Winter abgebrauste Rufat Dadashov und Maurice Litka erzielten jeweils sechs, Schnellbacher und Lucas Cueto je fünf Tore.

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  • Assists: Nicht schlecht für einen Abwehrspieler – acht Treffer bereitete Schauerte vor. Schnellbacher und Özcan legten sechsmal auf, Rodrigues Pires viermal, Cueto und Ole Kittner dreimal.

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  • Scorer: Die Scorer-Wertung führen die Königstransfers Schnellbacher und Schauerte mit elf Punkten an, es folgen Mörschel (9), Litka, Cueto, Dadashov (je 8) und Rodrigues Pires (7).

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  • Joker: Am letzten Spieltag setzte sich Litka hier mit zwei Toren nach Einwechslung noch an die Spitze. Auch Grodowski, Dadashov, Cueto, Schnellbacher, Mörschel und Özcan trafen, nachdem sie zunächst auf der Bank gesessen hatten.

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  • Karten: Die häufigsten Gelbsünder waren Scherder und Fridolin Wagner (je 9). Auch Jan Löhmannsröben, Litka, Mörschel (je 8), Rodrigues Pires, Erdogan (je 7), Schauerte (6) und Schnellbacher (5) handelten sich eine Sperre ein. Rot sahen Wagner und Niklas Heidemann, die Ampelkarte erhielten Scherder, Kittner und wiederum Wagner, der damit ligaweit auf Platz zwei in der Wertung der „Bösen Buben“ liegt.

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  • Noten: Top-Preuße – wen wundert es – ist Keeper Max Schulze Niehues (Schnitt 2,76). Die Winter-Zugänge Löhmannsröben (3,00) und Oliver Steurer (3,16) folgen dahinter. Scherder (3,22), Özcan (3,28), Wagner (3,38), Cueto (3,39), Alexander Rossipal (3,45) und Erdogan (3,46) liegen außerdem noch im passablen Bereich.

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  • Teilzeitkraft I: Häufigster Joker war Joel Grodowski mit 14 Einwechslungen bei 15 Einsätzen (1 Tor). Elfmal kam Philipp Hoffmann rein, zehnmal Erdogan und Marco Königs, neunmal Heidemann, Özcan und Mörschel.

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  • Teilzeitkraft II: 19-mal ausgewechselt wurde Litka, 15-mal Özcan und Rodrigues Pires, elfmal Schnellbacher, zehnmal Mörschel.
    Zuschauer: In der Coro

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  • Zuschauer: In der Corona-Saison eigentlich keine messbare Größe, zumal einige Vereine sechs Geisterspiele zu Hause austragen mussten, andere (wie Münster) nur fünf.  91 716 Besucher kamen in den 14 Partien an die Hammer Straße (Schnitt 6551). Das reicht ligaintern nur für Platz elf hinter Krösus Braunschweig, Kaiserslautern, Magdeburg, 1860 München, Duisburg und Rostock, aber auch hinter Mannheim, Halle, Meppen und Ingolstadt. 

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  • Elfmeter: Vier Strafstöße erhielt der SCP in dieser Saison, alle waren drin. Mörschel verwandelte zweimal, Cueto und Dadashov einmal. Vier Elfmeter bekamen die Preußen gegen sich. Einen davon hielt Schulze Niehues.

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  • Positivserie: Zwei Siege am Stück gab es für Münster nur einmal: Kurz vor der Corona-Pause kam nach dem 2:0 beim KFC Uerdingen der 1:0-Heimsieg gegen Hansa Rostock.

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  • Negativserie: Zwischen Anfang August und Mitte Dezember warteten die Adler dagegen 13-mal auf einen Erfolg.

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  • Tabellenplätze: Beste Position war Rang vier nach dem zweiten Spieltag. Seit Runde zehn, also Ende September, steht Münster unterhalb der roten Linie. Schlechteste Position war vom 14. bis 21. Spieltag Rang 19, seitdem war der SCP mit einer Ausnahme immer 18.

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  • Heimbilanz: Im Preußenstadion holten die Westfalen sieben Siege und sechs Unentschieden, was bei 27:30 Toren zu 27 Punkten und Rang zwölf in diesem Ranking führt.

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  • Auswärtsbilanz: Sie ist grauenhaft. Nur zwei Siege in 19 Anläufen, insgesamt 13 Zähler, vorletzter Platz bei 22:32 Treffern.

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  • Halbzeit: Neunmal führte Münster zur Pause, nur fünfmal langte das zum Sieg. Nur einer von zehn Rückständen zum Seitenwechsel konnte anschließend noch zu einem Erfolg umgebogen werden. Insgesamt steht nach der ersten Hälfte Rang 14 mit 46 Punkten (21:24 Tore) zu Buche. Halbzeit zwei hingegen sieht die Preußen mit 40 Punkten auf dem 19. Rang (28:38 Tore).

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  • Ewige Tabelle: Hier steht Preußen weiter auf Rang sechs. Diese Position dürfte der Club zumindest für eine Saison auch verteidigen, da von hinten nur der Hallesche FC anrauscht (66 Zähler weniger). Münster kommt nach neun Drittliga-Jahren auf 342 Spiele, 125 Siege, 98 Unentschieden, 119 Niederlagen, 450:421 Tore und unterm Strich 473 Punkte.

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  • Die Saisonbilanz im Überblick.

    Foto: Manfred Krieg
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