Fußball: Regionalliga West
Preußen Münster in Köln: nichts Halbes und nichts Ganzes

Köln -

Sechstes Saisonspiel, erste Niederlage, Preußen Münster hat das Auswärtsspiel beim 1. FC Köln II mit 0:1 (0:1) verloren. Auf Trainer Sascha Hildmann wartet noch eine Menge Arbeit, eine felsenfeste Hierarchie hat er noch nicht. Aber mit Osman Atilgan, Neuzugang von Dynamo Dresden, scheint der Fußball-Regionalligist einen vielversprechenden Griff getan zu haben.

Sonntag, 04.10.2020, 16:38 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 16:45 Uhr
Riesige Möglichkeit zur Führung durch die „Mutter aller Chancen“, wie sie SCP-Coach Sascha Hildmann nannte: Nach dem Foul von Torwart Julian Krahl an Osman Atilgan vergab Julian Schauerte den fälligen Strafstoß.
Riesige Möglichkeit zur Führung durch die „Mutter aller Chancen“, wie sie SCP-Coach Sascha Hildmann nannte: Nach dem Foul von Torwart Julian Krahl an Osman Atilgan vergab Julian Schauerte den fälligen Strafstoß. Foto: Jürgen Peperhowe

Nun gut, keiner hatte damit gerechnet, dass der SC Preußen Münster ohne Niederlage durch die Saison kommen würde. Aber nach fünf ungeschlagenen Partien bestand keine zwingende Notwendigkeit für eine Niederlage beim 1. FC Köln II. Als aber abgerechnet wurde, hatten die Kölner durch den Siegtreffer von Tim Lemperle nach 34 Minuten fast alles richtig gemacht. Münster dagegen nicht, Trainer Sascha Hildmann sprach von einem „gebrauchten Tag“, und legte den Finger in die entscheiden Wunde: „Unsere Doppel-Sechs war nicht wiederzuerkennen.“ Es war ein Rüffel für die zentralen Mittelfeldspieler, für seine Schlüsselspieler, für Dennis Daube, Okan Erdogan und den eingewechselten Gianluca Przondziono.

Vielleicht waren die Dinge am Anfang, in der ersten Viertelstunde, etwas zu leicht von der Hand gegangen. Nach nicht einmal zwei Minuten drosch Julian Schauerte einen Foulelfmeter gen Bergisches Land, als Kölns ansonsten überragender Tormann Julian Krahl Münsters Angreifer Osman Atilgan zu Fall gebracht hatte. Joel Grodowski hatte in Straelen beim 2:1-Sieg bereits verschossen, nun folgte Schauerte, dieses mal durchaus mit Konsequenzen für die Adlerträger am Ende des Tages. „Ich hatte keine Rangfolge festgelegt. Wer Selbstvertrauen hat, der schießt. Julian ist der Kapitän, ich habe ihm das zugetraut“, sagte Hildmann nach der Partie, vermutlich wird er nicht umherkommen, das Thema „Elfmeter und seine Schützen“ ins Trainingsprogramm zu integrieren. Doch statt der frühen Führung blieb es beim 0:0. Als wenig später Grodowski mutterseelenallein an Krahl scheiterte, hatte der SCP viel von seinem Pulver verschossen.

„Die erste Halbzeit war nicht gut von uns. Köln hat uns beschäftigt, die haben schon Qualität, aber wir waren nicht gut“, analysierte Torwart Max Schulze Niehues aus seiner Sicht die Partie. Der „ruhige Max“ blieb aber nicht der „nette Max“ nach dem Tor zum 0:1. Er tobte, als der Ball im Netz lag, faltete seine Vorderleute lautstark zusammen. Geschehen war das: Justin Möbius griff nicht ein, als Julian Petermann praktisch unbedrängt das Spielgerät zu Tim Lemperle chippte, der zur Führung nach 34 Minuten einköpfte. Schulze Niehues: „Es kann nicht sein, dass wir nur nebenher traben.“

Möbius schwach, aber auch Münsters Mittelfeldzentrale funktionierte nicht. Die notwendige Spielkon­trolle fehlte in einer umkämpften, aber alles anderen als hochklassigen Partie im Dauerregen. Hildmann: „Das war zu wenig. Was Justin Möbius macht, geht gar nicht. Und die Doppel-Sechs . . .“

Frust beim Coach. Gegen einen Gegner der gehobenen Regionalliga-Kategorie wurde deutlich, dass die Hierarchie beim SCP noch nicht ausgereift ist. Verlass ist auf die Innenverteidigung und Torwart Max Schulze Niehues, alle anderen Bereiche befinden sich noch weiter in einer Findungsphase.

Erst spät, in den letzten zehn Minuten, häuften sich Ausgleichschancen für die Preußen, was zumindest für die Moral des SCP und dessen Kraftreserven sprach. Gerade Neuzugang Osman Atilgan, der kurzfristig für den verletzten Alexander Langlitz in die Startelf gerückt war, überzeugte. Sein Heber in der Nachspielzeit klatschte auf die Latte, es wäre der Federstrich unter ein vielversprechendes Debüt gewesen. Hildmann lobte den agilen und bissigen Ex-Dresdner: „Er war unser gefährlichster Mann.“

Was aber nicht wirklich weiterhalf, weil Schauerte (89.) und mehrfach Grodowski beste Chancen vergaben. Die erste Saisonniederlage war in nassen Tüchern und Trikots.

Der Stürmermarkt ist abgegrast

Am Montag läuft die offizielle Wechselfrist ab, der SC Preußen Münster ist dabei auf der Suche nach einem Mittelstürmer – bislang erfolglos. Was wohl damit zusammen hängt, dass mindestens die Hälfe aller Drittligisten versucht, den Markt abzugrasen. Nur da wächst im Moment wenig bis gar nichts. Der SCP als Viertligist hat in diesem Kanon schlechte Karten. Offenbar hatte der SCP Interesse an Anthony Roczen, einem 21 Jahre alten Angreifer vom 1. FC Magdeburg. Der gebürtige Berliner kommt auf 20 Einsätze in der 3. Liga mit einem Tor. interessanter waren seine elf Treffer in 19 Partien der Regionalliga Nordost für Hertha BSC II. Als nun die Vertragsauflösung beim FCM bekannt wurde, standen interessierte Drittligisten Schlange. Auf dem Transfermarkt in der Kragenweite Münsters befinden sich wenige Akteure wie zum Beispiel Steven Lewerenz (Viktoria Köln), der auf Vereinssuche ist. Eine Rückholaktion auf Leihbasis von Cyrill Akono vom FSV Mainz, der in der Regionalliga Südwest auf 21 Einsätze und drei Tore im Reserveteam seit 2018 kam, ist eher unwahrscheinlich.

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