Fußball: Preußen Münster
Fairplay-Preis für Preußen-Fans

Münster -

Die Saison 2019/2020 hat sich in der Vereinschronik des SC Preußen Münster einen exponierten Eintrag gesichert – mit dem Abstieg in die Regionalliga keinen guten. Doch es gab in dieser Spielzeit auch lichte Momente, sogar einen echten Leuchtturm mit Strahlkraft, der weit über die Stadion- und Stadtgrenzen hinaus wirkte – und jetzt mit dem deutschen Fairness-Preis für die Preußenfans belohnt wurde.

Mittwoch, 10.02.2021, 11:28 Uhr aktualisiert: 10.02.2021, 14:24 Uhr
Versöhnlich: Leroy Kwadwo bedankte sich direkt nach Spielschluss für die Reaktion des SCP-Anhangs.
Versöhnlich: Leroy Kwadwo bedankte sich direkt nach Spielschluss für die Reaktion des SCP-Anhangs. Foto: imago-images

Plötzlich drehte sich Leroy Kwadwo beim Einwurf um und schaute auf die Haupttribüne des Preußenstadions. Irgendwo zwischen Block A und B kam sie her, diese Anfeindung, diese Beleidigung. Affenlaute, dazu noch die Aufforderung, „zurück in dein Loch“ zu gehen. Der Spieler der Würzburger Kickers ließ sich das an diesem 14. Februar 2020, die 86. Minute in diesem Drittliga-Spiel war angebrochen, nicht gefallen. Und er war nicht allein, denn Volkes Stimme in den Blöcken A und B war ohne Wenn und Aber auf seiner Seite. Wirklich nur Sekunden später skandierten die Besucher: „Nazis raus, Nazis raus.“

Beste Gesellschaft mit Kimmich und Goretzka

Dafür haben die Fans des SC Preußen Münster den Fair-Play-Preis des deutschen Sports 2020 gewonnen. Die Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka und Joshua Kimmich wurden mit dem Sonderpreis für ihre Charity-Aktion #wekickcorona als weitere Preisträger gekürt. Sie hatten fünf Millionen Euro gesammelt.

Aber Münsters Anhang feierte vielleicht den größten Sieg in einer Saison, in der der Abstieg aus der 3. Liga Realität wurde. Der damals 29-jährige Täter aus dem Kreis Steinfurt wurde von der Polizei festgehalten, als er versuchte, das Stadion im Angesicht seiner Schandtat zu verlassen. Wenig später entschuldigte sich der Mann für seine verbalen Ausbrüche beim SC Preußen. Der Club aus Münster schickte den Brief weiter nach Würzburg. Der Täter erhielt ein dreijähriges Stadionverbot, die Maximalstrafe für Fans, hier verläuft sich auch seine Spur. Inwieweit er sich vor Gericht wegen Volksverhetzung verantworten musste, ist ungeklärt.

Der Preußen-Anhang wurde für seine Solidarität und sein schnelles Handeln im Sinne des Gäste-Spielers Leroy Kwadwo gefeiert. Die Tribünengäste nutzten das Momentum für eine besondere Stellungnahme. „Wir sind sehr stolz auf unsere Fans, die an dieser Stelle toll und richtig reagiert haben. Da saßen im richtigen Augenblick die richtigen Leute an dieser Stelle“, sagt Burkhard Brüx, Präsidiumsmitglied des SCP und da mit Fan-Angelegenheiten betraut.

Beste Werbung für den Verein

Ja, die Anhängerschaft der Preußen hätte das „super geregelt, das war ein Super-Statement gewesen“. Aber Brüx sagt auch, dass es für ein stetes Verhalten dieser Art keine Gewähr gibt. Aber damals, an diesem kalten Freitagabend habe Münsters Anhang alles richtig gemacht. Es war die beste Werbung für einen Verein. Reaktionen, nur positive, kamen auch aus den USA oder Brasilien.

Juri-Laudatio

„Fair Play, Zivilcourage und respektvoller Umgang miteinander gehören zu den Werten des Sports – auf und neben dem Platz. Genau das haben die Fans von Preußen Münster eindrucksvoll gezeigt. Dieses Verhalten ist Ausdruck eines beispielhaften Zusammenhalts...“, so Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, die als Vizepräsidentin den Preisstifter DOSB in der Fair-Play-Preis-Jury vertritt. Frühere Preisträger sind u.a. der Tauziehclub Allgäu-Power Zell, Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, der Kreisligist SC Lauchringen oder Speerwerfer Bernhard Seifert, der aufgrund von Formschwäche seinen WM-Startplatz abtrat.

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Selbst die Fans aus Osnabrück und Bielefeld, normalerweise in unverbrüchlicher Abneigung dem SCP zugewandt, zollten Respekt. Es ist jetzt doch ein Alleinstellungsmerkmal der Preußen-Fans bis auf Weiteres. Wer weiß, wie es beim nächsten Mal sein wird. Kwadwo sagt: „Leider wird es immer wieder solche Vollidioten geben.“ Das ist Münster, die smarte Dom- und Universitätsstadt, wo gegen Rechte und Nazis gelassen und gleichermaßen resolut demonstriert wird. Und wer nach einem hellen und auch tiefgehenden Augenblick der Saison 2019/20 sucht, etwas, was Identität stiftet und vielleicht auch ein Grund ist, den SC Preußen zu mögen, der muss nur den letzten Satz aus dem Twitter-Post von Leroy Kwadwo an die Zuschauer lesen: „Danke für Eure Menschlichkeit.“

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