Fußball: Regionalliga West
Starke Preußen siegen im Sensationsfinale

Münster -

Die ersten Gegentore des Jahres, der vierte Sieg des Jahres – und das im vielleicht besten Spiel des Jahres: Auch das ist Fußball. Preußen Münster gewinnt in einem dramatischen Match mit 3:2 (1:1) gegen die Amateure des 1. FC Köln.

Samstag, 27.02.2021, 16:21 Uhr aktualisiert: 27.02.2021, 17:09 Uhr
Fußball: Regionalliga West: Starke Preußen siegen im Sensationsfinale
Der Wahnsinn: In der 93. Minute traf Lukas Frenkert für den SC Preußen zum sensationellen 3:2. Foto: Jürgen Peperhowe

Ende gut, alles super: Joel Grodowski trifft nach 90 Minuten zum 2:2, Lukas Frenkert in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 3:2. Nach 90 Minuten Chancenwucher zeigen die Preußen gegen die Amateure des 1. FC Köln plötzlich die Kaltschnäuzigkeit, die Sieger ausmacht. „Weiter, weiter“, brüllte Trainer Sascha Hildmann nach dem Ausgleich vom Spielfeldrand – und seine Schützlinge setzten tatsächlich noch das Krönchen auf diese Partie. „Ganz ehrlich, ich habe wirklich daran geglaubt“, sagte der Trainer, „und höre erst damit auf, wenn abgepfiffen wird.“ Am Samstag war der letzte Pfiff der schönste.

Als die Teams um 14 Uhr den ramponierten Preußen-Rasen betraten, hatte Preußen-Trainer Sascha Hildmann sein Tageswerk zum größten Teil bereits erledigt. Der 48-Jährige musste sich im Vorfeld sprichwörtlich quälen, um seine reichhaltige Trainingstruppe zunächst auf den 18er-Spieltagskader und anschließend auf die Startelf zusammenzuschrumpfen: Qual der Wahl, nennt man das im Volksmund. Für Trainer grundsätzlich ein Fest, aber auch das Ende aller möglichen Ausreden: Der SC Preußen konnte alles aufbieten, was er in dieser Spielzeit zu bieten hat. Und so standen neben den arrivierten und unumstrittenen Dauerbrennern, angefangen bei Keeper Max Schulze Niehues über Innenverteidiger Simon Scherder und Kapitän Julian Schauerte, auch die wiedergenesenen Leistungsträger Alexander Langlitz und Joshua Holtby auf dem Platz. Dazu die explosive Mischung aus den routinierten Neuzugängen Dennis Daube und Jules Schwadorf mit den aufstrebenden Talenten Marcel Hoffmeier und Nicolai Remberg – mittendrin Startelf-Debütant Lukas Frenkert, der mit Niklas Heidemann den einzigen angeschlagenen Preußen ersetzte.

Allerdings hielt die Aufstellungslotterie elf aus 25 naturgemäß auch einige Nieten parat: So mussten beispielsweise Okan Erdogan, Joel Grodwoski und William Möller die Partie zunächst von der Bank beobachten – Osman Atilgan und Gianluca Przondziono mussten gar einen Parkettplatz auf der Tribüne beziehen.

28. Spieltag, Saison 2020/21: SC Preußen Münster – 1. FC Köln II

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  • Preußens Nicolai Remberg kämpft mit dem Kölner Robert Voloder um das Leder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das 1:0 für den SCP durch Alexander Langlitz.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Torschütze verbirgt seine Freude über den Führungstreffer nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marcel Hoffmeier im Duell mit Tim Lemperle.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torschütze Langlitz in Aktion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Obenauf: Preußens Gerrit Wegkamp.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Vor der Partie: Max Schulze Niehues wird für 200 Spiele im Preußen-Dress geehrt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dennis Daube gegen Kölns Justin Petermann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Fotos aus dem Preußenstadion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
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    Foto: Jürgen Peperhowe
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    Foto: Jürgen Peperhowe
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  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe

Hildmann hatte somit seine persönliche Best-of-Formation auf den Platz geschickt. Da konnte gegen die Kölner Amateure eigentlich nichts mehr schiefgehen – es sei denn, die Rheinländer hätten ihren eigenen Matchplan mitgebracht.

Erfreulich sehenswerte Regionalliga-Partie

Tatsächlich entwickelte sich von Beginn an eine erfreulich sehenswerte Regionalliga-Partie, mit sehr selbstbewussten Gästen und höchst kreativen Gastgebern. Die Preußen konnten sich nach kurzer Findungsphase aus dem Kölner Anfangsdruck lösen und Akzente setzen. Hinten brachte Hoffmeier die schnörkellosen Ballstaffetten in Gang, in der Mitte übernahm meist Schwadorf die Regie, vorne sollte Gerrit Wegkamp für den Feinschliff sorgen. 20 Minuten lang wurde der Ernstfall noch geprobt, als Wegkamp den Holtby-Lupfer knapp verfehlte (11.) und Schwadorf frei vor Kölns Keeper Julian Krahl scheiterte (14.). Fünf Minuten später war das Meisterstück dann abgabereif: Wegmann verlängerte Holtbys Eckball per Kopf auf Langlitz, der aus kürzester Distanz den Ball nur noch zur verdienten 1:0-Führung über die Linie drücken musste (20.). Doch die Freude über den Führungstreffer währte exakt sieben Minuten, ehe Justin Petermann die Gäste – zu diesem Zeitpunkt überraschend – zurück ins Spiel brachte. Nach einem Freistoß fehlte im Preußenstrafraum kurz die Zuordnung, und Schulze Niehues musste in seinem 200. Pflichtspiel im Preußendress den ersten Gegentreffer im Jahr 2021 zulassen – nach zuletzt 312 störungsfreien Minuten.

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Nach 20 Minuten markierte Alexander Langlitz den Führungstreffer für die Münsteraner. Foto: Jürgen Peperhowe

Bis zur Pause blieb es auf dem Feld abwechslungsreich und auf der Anzeigetafel ausgeglichen. Auch weil Joshua Holtby freistehend aus 13 Metern der Ball über den Schlappen rutschte (35.), weil Rembergs Abschluss nach energischem Solo an der falschen Seite des Pfostens vorbeitrudelte (43.) und weil Wegkamp Sekunden vor dem Halbzeitpfiff ein wenig die Orientierung verlor.

Überharte Strafe für den Chancenwucher

Hildmann dürfte mit der Vorstellung bis dahin zufrieden gewesen sein – mit der Chancenauswertung einmal mehr nur bedingt, zumal die junge Kölner Mannschaft den Münsteranern zwar Gestaltungsfreiraum ließ, aber dafür auch stets brandgefährlich war.

Somit ging es ohne jeden Puffer in den zweiten Durchgang, in dem prompt die überharte Strafe für den Chancenwucher in Halbzeit eins folgte. Nach einem Zweikampf zwischen Remberg und Tim Sechelmann im Preußen-Strafraum zeigte Schiedsrichter Florian Visse auf den ominösen Punkt. Kölns Petermann ließ sich die Chance auf seinen zweiten Treffer nicht entgehen (53.) und sorgte für eine aus Preußensicht bedauerliche Schieflage zwischen Spielanteilen und Spielstand. Dieses Gefälle galt es jetzt schleunigst wieder in die Waage zu bringen – doch weder Daubes Dropkick (57.) noch die Direktabnahme von Holtby eine Minute später fanden ins Ziel.

Feiertagsaufschlag durch Frenkert

Nach einer Stunde schickte Hildmann dann Joel Grodowski als Problemlöser aufs Feld, Nicolai Remberg machte Platz. Der neue Mann sorgte direkt für Schwung und Druck, während Köln fortan auf Konter lauerte. Im Zentrum des Geschehens blieb jedoch Kölns Keeper Krahl, der Bälle von Wegkamp, Scherder und Holtby auf sich zu kommen sah – und allesamt entschärfte. Für den glücklosen Holtby wurde schließlich noch ein Däne auf die Reise geschickt (73.): William Möller verdichtete das Stürmeraufkommen vor dem Gästetor noch weiter, der erlösende Schlusspunkt blieb indes Grodowski vorbehalten, der in der 90. Minute dem großen Arbeitsaufwand der Preußen mit dem 2:2 zumindest den Mindestlohn bescherte – denkste. Drei Minuten später gab es den Feiertagsaufschlag durch Frenkert, der eine Ecke von Jules Schwadorf über die Linie bugsierte. Der letzte Ballkontakt blieb dann dem Trainer vorbehalten, der das Leder nach dem Abpfiff jubelnd auf die Tribüne schoss.

Preußen Münster: Schulze Niehues – Schauerte, Scherder, Hoffmeier, Frenkert – Holtby (72. Möller), Daube – Langlitz, Schwadorf, Remberg (61. Grodowski)– Wegkamp

Köln II: Krahl – Höffler (67. Olesen), Voloder, Nottbeck, Sechelmann – Sponsel, Schlax, Schmitt, Lemperle, Obuz (72. Obuz)– Schmitt (81. Castrop), Petermann (67. Hwang)

Tore: 1:0 Langlitz (20./Wegkamp), 1:1 Petermann (27.), 1:2 Petermann (53./FE), 2:2 Grodowski (90.), 3:2 Frenkert (90.+3./Schwadorf)

Gelbe Karten: -/Höffler, Nottbeck

Schiedsrichter: Florian Visse

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