Atmosphärischer Scherbenhaufen
Georg Krimphove gesteht Fehler ein und sucht neue Kommunikationswege

Münster -

Die Abteilung Dribbeln, Passen und Schießen ist am Sonntag zu einem Kurztrip nach Mallorca aufgebrochen. Bei Betrachtung aller sportlich messbaren Maßgaben ein hoch verdientes Bonbon zum Abschluss einer erfolgreichen Spielzeit. Klassenerhalt in der Premierensaison und Einzug in den DFB-Pokal – viel mehr geht nicht. Mannschaft und beide Trainer haben ihre Schuldigkeit getan – und doch lassen die Preußen in Münster zwei Großbaustellen zurück, die mit sportlichen Mitteln nicht zu beheben sind.

Montag, 07.05.2012, 09:05 Uhr

Atmosphärischer Scherbenhaufen : Georg Krimphove gesteht Fehler ein und sucht neue Kommunikationswege
Björn Kluft (l.) sorgte dafür, dass auf dem Platz alles in Ordnung war. Daneben war auch er machtlos Foto: pp

Während der Preußen-Acker mit schwerem Gerät vergleichsweise problemlos in ein bespielbares Fußballfeld verwandelt werden kann, benötigt es für das zweite Problem weitaus mehr Fingerspitzengefühl. Hier wartet viel Arbeit – aber noch weiß keiner so recht, wo und wie er anfangen soll. Nie waren die Fronten zwischen Vorstand und einigen Fangruppen so verhärtet wie im Mai 2012. „Das muss man sich mal vorstellen“, wirft Preußen-Sicherheitschef Roland Böckmann einen wehmütigen Blick zurück: „Vor einem Jahr haben wir hier mit 18500 Leuten gemeinsam eine riesige Party veranstaltet. Jetzt ist das ein Scherbenhaufen , wir sind am absoluten Tiefpunkt angekommen.“ Vor dem Pokalspiel am Mittwoch fasste der Vorstand einen Entschluss, der wohl nur mit akuter Rat-, Hilf- und wohl auch Ahnungslosigkeit zu erklären ist – und der in der Nachbetrachtung zweifellos als Bärendienst gewertet werden muss. Ein privater Sicherheitsdienst hatte angeboten, private Kontakte und kurze Drähte in die Szene einzusetzen, um damit, „rein verbal“ wie Sportchef Carsten Gockel nachdrücklich betont, die Zurschaustellung von Schmähplakaten und die dazugehörigen Parolen zu unterbinden. Der martialische Auftritt der Sicherheitskräfte im Kurvenblock O und die offensiv zur Schau gestellten Quarzsandhandschuhe, in Insiderkreisen als brutale und alles andere als verbale Schlagverstärker bekannt und gefürchtet, sprachen eine andere Sprache. „Deeskalation sieht anders aus“, stellte Böckmann süffisant fest. Der offizielle Sicherheitsdienst sei nicht gefragt worden. Rücktrittsgerüchte wollte Böckmann am Samstag nicht kommentieren, kündigte aber dringenden Gesprächsbedarf mit dem Vorstand an. „Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen. Der Vorstand, die Fans und auch ich.“ Am Mittwoch blieben Eskalationen aus, der Schaden im Innenverhältnis allerdings war auch am Samstag noch spürbar. Die Fans kümmerten sich erfreulich laut und vernehmlich um die Mannschaft, doch die Anzahl der „Bäumer raus“-Plakate, die sich namentlich gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden und Hauptsponsor Thomas Bäumer richten, hatte sich vervielfacht. Preußenvorstand Georg Krimp­hove bat offiziell um Entschuldigung. „Da kann man nur sorry sagen. Das war so nicht geplant und das war so nicht gut.“ Am Freitagabend kam die überfällige Weisung aus dem Vorstand, dass von einem weiteren Einsatz des Sicherheitsdienstes am Samstag abgesehen werde. Es muss, davon ist Krimphove überzeugt, andere Wege geben, die Gesprächsblockade seitens der Ultras zu durchbrechen. „Das ist unsere schwere Aufgabe in den nächsten Monaten. Wir müssen einen Weg aufeinander zu finden.“ Ein erster Schritt fand noch am Samstag beim Abschlussgrillen am Fanport statt, als Krimphove, Präsident Marco de Angelis und Siggi Hoeing den Vorstand vertraten. | Kommentar

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