Derby zwischen Osnabrück und Münster
Premiere: Hund schnüffelt nach „Bengalos“

Münster/Osnabrück -

Es wird auf jeden Fall auch Fußball gespielt am kommenden Samstag. Um 14 Uhr erwartet der VfL Osnabrück den SC Preußen Münster. Das ist sowieso kein Spiel wie jedes andere in der 3. Liga, die sportliche Rivalität der beiden Clubs hat Tradition. Aber seit dem 10. September 2011 steht diese Partie bundesweit unter besonderer Beobachtung.

Mittwoch, 12.09.2012, 08:09 Uhr

Derby zwischen Osnabrück und Münster : Premiere: Hund schnüffelt nach „Bengalos“
Pyrotechnikspürhund Rockey ist im normalen Leben ein kinderlieber Golden Retriever. Im Stadion spürt er Pyro-Technik auf, ehe sie in die Luft geht. Foto: dpa

Der damals 24 Jahre alte Juri C. , Mitglied der aufgelösten Ultra-Fangruppe Curva Monasteria, warf einen sogenannten „Polen-Böller“ und verletzte 35 Menschen zum Teil schwer. Der gebürtige Neapolitaner wurde eine Woche später festgenommen und im März zu fünf Jahren Haft und der Zahlung von 39 000 Euro Schadensersatz an neun Geschädigte verurteilt.

Gerade erst wurde der Revisionsantrag seines Rechtsanwaltes zurückgezogen, damit kann der Italiener von der Untersuchungshaft in den Regel-Vollzug in Lingen überstellt werden. Eine Ausweisung nach Italien Mitte 2014, dann ist die Hälfte seiner Strafe abgelaufen, ist denkbar. Den Sprengkörper hatte Juri C. nach eigenen Angaben von einem damals 16 Jahre alten Münsteraner erhalten. Eine Anklage gegen diesen ist beim Landgericht in Münster eingegangen, verhandeln würde diesen Fall die 1. Große Strafkammer. Wie der Pressesprecher des Landgerichts, Dr. Matthias Bäumer , erklärte, gibt es bislang keine Termine. Das Verfahren würde unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, weil der Anklagte zum Zeitpunkt der Vorfälle und der Hausdurchsuchung, bei der im Übrigen Pyrotechnik gefunden wurde, noch Jugendlicher war.

Dass der SC Preußen am kommenden Samstag „nur“ 1700 Karten zur Verfügung gestellt bekommen hat, hängt natürlich mit den Ereignissen des Vorjahres zusammen, alle Anhänger aus Münster werden somit in eine Art Sammel-Haftung genommen. Neben dem Gäste-Fanblock werden Pufferzonen eingerichtet, 700 bis 800 Stehplätze auf Kosten des Preußen-Kontingents gingen dadurch verloren. Das wurde auf der Sicherheitskonferenz am Dienstag bekannt. „Der Stachel sitzt tief bei allen Verantwortlichen und Beteiligten in Osnabrück , was auch zu verstehen ist nach den Ereignissen des Vorjahres“, sagte Roland Böckmann, Sicherheits-Beauftragter des SCP. Und das kam dabei heraus:

► Erstmals werden bei dieser Partie so genannte Pyro-Schnüffelhunde eingesetzt. Vergleichbar mit Hunden, die Drogen aufspüren können, sind die beiden Vierbeiner in der Lage, bengalische Feuer und Ähnliches zu riechen. Beim Landespokalspiel in Meppen vor wenigen Tagen kamen sie erstmals zum Einsatz.

► Auf allen Zugstrecken zwischen Münster und Osnabrück sowie Rheine gilt absolutes Verbot für Wasserflaschen, Pyrotechnik und erstmals auch Getränkedosen, und zwar von 6 bis 24 Uhr am Samstag. PET-Flaschen dürfen mitgeführt werden.

► Die Mitnahme von Fan-Utensilien wird rigoros eingeschränkt. Megafone, Zaunfahnen, Doppelhalter-Fahnen oder auch Trommeln sind verboten, nur kleine Schwenkfahnen mit einer Stocklänge von 1,50 Meter sind erlaubt. Die VfL-Fans müssen auch auf ihre Zaunfahnen verzichten, ihre geplante Choreografie bleibt geheim bis Samstag. Alle Beteiligten aus Münster mussten, als das besprochen wurde, den Raum verlassen.

► Der Osnabrücker Sicherheits-Beauftragte erklärte zudem, dass Sympathie-Bekundungen für Juri C. nicht geduldet werden. In Münsters Block O wurde zum Beispiel häufiger das Transparent „Liberta Juri“ (Freiheit für Juri) hochgehalten – verboten in der Osnatel-Arena. Auch T-Shirts mit dem Aufdruck „Juri non mollare“ (Juri gib nicht auf) werden einkassiert.

► Das Sicherheitsaufgebot ist enorm. Osnabrück hat 130 Ordner verpflichtet, die auch bei Werder Bremen im Einsatz sind. Zudem stellt der Verein 70 eigene Kräfte, Münster kommt mit 20 eigenen Sicherheitsleuten. Die Polizei wird mit mindestens 300 bis 400 Beamten im Einsatz sein.

Am Dienstag gegen 15 Uhr waren jedenfalls 14 011 Karten für das Derby verkauft, die restlichen knapp 2200 Tickets werden auch noch Abnehmer finden. Tanja Eilert, Vorsitzende des Fanprojekts des SC Preußen Münster, hofft auf ein Fußballfest: „Ich wünsche mir natürlich, dass Münster gewinnt. Aber vor allem, dass Frieden herrscht auf den Rängen und nichts passiert. So etwas wie im Vorjahr darf nie wieder passieren.“

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