Leichtfertig den Sieg verschenkt
Fascher-Elf kassiert in der Nachspielzeit das 2:2 gegen Chemnitz / Kühne trifft doppelt zur 2:0-Führung

Münster -

Dann war Feuer unter dem Dach. „Kindergarten“, schimpfte Thomas Bäumer, der Aufsichtsrats-Vorsitzende des SC Preußen Münster. Und jagte gleich noch eine Trainer-Schelte hinterher: „Wie kann man so dilettantisch auswechseln.“ Diesen Schuh sollte sich Marc Fascher anziehen nach dem 2:2 (1:0) seiner Mannschaft gegen den Chemnitzer FC. Der Kritisierte stellte sich dann auch nicht bedingungslos hinter seine Mannen, etwas, was er sonst ausnahmslos zu tun pflegt. „Die Frage nach der individuellen Qualität darf gestellt werden.“ Das ist in Faschers Welt fast schon ein höchstoffizieller Tadel. Zwei Minuten Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Eduard Beitinger angezeigt, sieben Sekunden vor Ablauf köpfte Bastian Henning zum Endstand ein. Abpfiff. Fascher: „Das geht im Grunde gar nicht. Wir haben Geschenke verteilt.“

Sonntag, 11.12.2011, 17:12 Uhr

Das war eine unglaubliche Adventsgeschichte, dass dieser Chemnitzer FC irgendetwas aus Münster mitnahm. Denn 45 Minuten war der SCP die deutlich überlegene Mannschaft, weitere 30 Minuten hatte Münster zumindest die Kontrolle inne, in der letzten Viertelstunde lief praktisch alles aus dem Ruder. Mittendrin in der Kritik: Jürgen Duah. Sein fahrlässiges Eingreifen ermöglichte Chemnitz das 1:2. Von da an wackelte Münsters Rechtsverteidiger bedrohlich, Fascher ließ ihn aber weiter auf dem Feld. Als das 2:2 fiel, war Duah allerdings wegen einer Verletzung ausgewechselt. Münsters rechte Seite war zu diesem Zeitpunkt dennoch längst als Ansatzpunkt der Gäste aus Chemnitz ausgespäht worden. Wenn noch etwas gehen sollte für den Mitaufsteiger, dann da. So sollte es sein. „Ein katastrophales Resultat, ein Schlag ins Gesicht ist das, aber wir haben die Kugel einfach nicht mehr wegbekommen“, meinte Abwehrchef Patrick Kirsch später zum desaströsen Finale. „So ein Spiel müssen wir gewinnen, manchmal muss man einen Ball auch einfach über die Tribüne kloppen. Das waren zwei Geschenke“, moserte Innenverteidiger Clement Halet. „Das war wie beim 0:3 in Offenbach. Jeder Ball, der bei uns aufs Tor kam, war drin. So ein Spiel müssen wir gewinnen, sonst finden wir uns bald im Niemandsland der Tabelle wieder“, lautete von Torwart Daniel Masuch der Fingerzeig.

Ein Doppelpack von Kapitän Stefan Kühne hatte dabei für die verdiente 2:0-Führung gesorgt. Nach einer guten Frühphase – wieder mal – mit exquisiten Chancen für Kühne (2.) und Björn Kluft (9.) war es der Spielführer, der in einer eher mäßigen Partie die klaren Vorteile der Hausherren mit einem fulminanten Weitschuss (25.) zur Führung belohnte. Sonst passierte lange nicht viel, der SCP kontrollierte das Geschehen und war dann vorentscheidend mit dem 2:0 zur Stelle. Toni Wachsmuth konnte Björn Kluft im Strafraum nur per Foulspiel bremsen, Kühne verwandelte den Strafstoß zum verdienten 2:0 (61.).

Den Gästen fiel so gut wie gar nichts ein. Als Trainer Gerd Schädlich später davon sprach, dass seine Elf nach der Pause „Gas gegeben hätte“, wunderten sich die Beobachter. Ohne Duahs Wiederbelebungs-Maßnahme hätte der CFC weiter Winterschlaf gehalten. „Ich habe Jürgen bis zum 1:2 nicht so schlecht gesehen“, lautete Faschers Analyse letztlich.

Diese Meinung teilten nicht viele, schon gar nicht Thomas Bäumer. Er ließ seinem Frust freien Lauf, da war ihm zu viel Larifari in den Aktionen der Preußen gerade nach der Pause. Wenige Meter weiter entfernt konnte Marc Fascher diese Kritik nicht kontern, vielmehr stimmte er selbst in diesen Kanon ein: „Vielleicht hatten die Spieler das Gefühl, wir machen das schon irgendwie.“ Am Ende war es eine gefühlte Niederlage, das 2:2, die Chemnitzer freuten sich wie Schneekönige mit der kleinen mitgereisten Fankolonie. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Bei den Preußen fühlte sich das anders an, die Weihnachtsfeier am gleichen Abend hätte einen netteren Rahmen haben können. Selbst schuld.

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