Matthew Taylor vor ungewisser Zukunft
Preußen bleiben erste Wahl

Münster -

Matthew Taylor fühlt sich wohl in Münster: Er ist Pate eines Kamels im Allwetterzoo, wurde 2012 zum Sportler des Jahres gewählt und hat als doppelter Pokalheld ein Stück Fußballgeschichte mit den Preußen geschrieben. Doch gerade da läuft es im Moment alles andere als rund. Im Sommer macht Taylor Heimaturlaub mit der Familie in den USA. Noch ist nicht sicher, ob der 32-Jährige auch wieder zurückkommt.

Dienstag, 08.04.2014, 18:04 Uhr

Autogramme von Matthew Taylor waren vor dem Saisonstart sehr gefragt, inzwischen ist es ruhiger um den Preußenstürmer geworden. Bei den Fans steht er aber weiter hoch im Kurs.
Autogramme von Matthew Taylor waren vor dem Saisonstart sehr gefragt, inzwischen ist es ruhiger um den Preußenstürmer geworden. Bei den Fans steht er aber weiter hoch im Kurs. Foto: Jürgen Peperhowe

Matthew Taylor muss sich im eigenen Haus gleich mit drei Frauen auseinandersetzen. Das kann mitunter zermürbender sein, als auf fremden Platz eine komplette Abwehr, gibt der Mittelstürmer des SC Preußen Münster lachend zu: „Das ist manchmal sehr anstrengend“, sagt Taylor, „aber auch schön“. Gattin Julia und die Töchter Lilyan (2) und Carlotta (viertel vor eins) halten Münsters Sportler des Jahres 2012 fit, auf dem Platz reicht es für den 32-Jährigen derzeit nur für eine Nebenrolle. Unter Trainer Ralf Loose firmiert Taylor in der Hierarchie der Angreifer im Jahr 2014 nur als Nummer drei – das sichert einen Startplatz auf der Bank, mehr nicht. „Für die Mannschaft ist es sehr gut, dass wir in den letzten Wochen die Punkte gemacht haben, die uns in der Tabelle Sicherheit geben. Da haben wir unter Ralf Loose große Schritte nach vorne gemacht“, sagt Taylor, der mit der eigenen Rolle dabei alles andere als zufrieden ist: „Für mich persönlich ist das eine blöde Situation. Ich bin nicht der Mann, der gerne auf der Bank sitzt. Als Spieler will man auf dem Platz stehen.“

Warum Münsters überragender Torschütze der Vorsaison derzeit nicht so richtig auf die Beine kommt, kann er selbst nicht erklären: „Ich weiß, was ich kann. Aber ich weiß auch, dass ich besser spielen könnte. Andererseits habe ich die erste Hälfte der Saison gespielt, mit Höhen und Tiefen. Aber sechs Tore und sechs Assists – wenn man das hochrechnet, dann ist das auch nicht die schlechteste Bilanz für einen Stürmer. Leider habe ich im Moment nicht so viele Chancen, diese Tore zu schießen.“ Der US-Amerikaner ist lange genug im Profigeschäft, um mit dem aktuellen, widrigen Umständen professionell umzugehen: „Zufrieden bin ich damit nicht, aber es ist die Entscheidung des Trainers, wer spielt und wer nicht. Ich kann nur sagen, dass ich fit bin.“

Vor knapp zwei Jahren haben die Preußen Taylor aus Paderborn nach Münster geholt. Ein Transfer, der sich schon mit den spektakulären DFB-Pokaltoren des Stürmers gegen Werder Bremen (4:2, drei Mal Taylor) und den FC St. Pauli (1:0) bezahlt gemacht hat. Allein damit hat er einen wesentlichen Beitrag zur Entschuldung des Clubs geleistet, weitere 22 Punktspieltore haben den Goalgetter zum Publikumsliebling gemacht.

In der Sommerpause macht sich Familie Taylor nun auf den langen Weg nach Hause in die USA. „Endlich“, sagt Vater Mat­thew. Im vergangenen Jahr war die Sommerpause zu kurz, Weihnachten war Töchterchen Carlotta noch nicht reif für ihren Jungfern-Flug. Jetzt wollen die Taylors abheben – wohin die Reise anschließend führt, weiß Vater Matthew noch nicht. „Ich habe einen Rückflug gebucht, ob ich den brauche ...? Ich weiß es nicht.“ Der Mann aus Columbus/Ohio kann sich durchaus vorstellen, seine Karriere in den USA fortzusetzen. Genauso gerne bliebe er aber auch in Deutschland und „am liebsten natürlich in Münster“. Hier ist Töchterchen Carlotta geboren, hier schätzen ihn die Fans – und hier hört ein Kamel im Allwetterzoo auf seinen Namen. „Hier fühlt sich die Familie sehr wohl“, betont Taylor – hier läuft allerdings im Juni der Kontrakt mit den Preußen aus. Konkrete Gespräche über eine Verlängerung habe es noch nicht gegeben. „Und deswegen macht es auch keinen Sinn zu spekulieren. Noch hat mich niemand vom Verein angesprochen. Ich werde aber auch nicht hinterherrennen. Ich bin niemand, der viel redet. Wenn man mir einen Vertrag anbietet, gucke ich drüber und entscheide“, sagt Taylor. „Leute, die den Ball ins Tor schießen, werden immer gebraucht.“ Zukunftsängste plagen den Stürmer nicht – zumal der Nachwuchs im Hause Taylor ohnehin den Ton angibt.

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