Politisierungs-Schub im Fußball
Vortrag im Preußenstadion: „Münster hat kein Naziproblem“

Münster -

„Linke“ gegen „rechte“ Ultras, rechtsextreme Hooligans und „Hooltras“ – in den Kurven der deutschen Fußballstadien rumort es. Am Mittwoch fanden sich angesichts dieser Entwicklung zahlreiche Ultras in den Farben des SC Preußen Münster im Fanport am Preußenstadion ein.

Freitag, 15.03.2013, 10:03 Uhr

Politisierungs-Schub im Fußball : Vortrag im Preußenstadion: „Münster hat kein Naziproblem“
Polizisten bereiten sich auf das Derby zwischen Preußen Münster gegen den Vfl Osnabrück vor. Foto: dpa

„Linke“ gegen „rechte“ Ultras, rechtsextreme Hooligans und „Hooltras“ – in den Kurven der deutschen Fußballstadien rumort es. Ein fast vergessenes Phänomen der 80er und 90er-Jahre kehrt zurück: Die „Hooligans“ sind wieder da und heizen den Politisierungs-Schub auf den Rängen an. Große Sorge erregt, dass „Hools“ mit Verbindungen ins neonazistische Milieu in einigen Städten brutal gegen Fans vorgehen, die keine rechtsextremen Umtriebe dulden wollen.

Rückkehr der Hooligans

Am Mittwoch fanden sich angesichts dieser Entwicklung zahlreiche Ultras in den Farben des SC Preußen Münster im Fanport am Preußenstadion ein. Referierte doch Peter Römer , Mitarbeiter des Fußball-Magazins „Transparent“, über die Rückkehr der Hooligans – einer Renaissance, der bereits einige Ultra-Gruppen in Deutschland zum Opfer gefallen sind. Für Schlagzeilen sorgten die Geschehnisse in Dortmund und Aachen.

Beim Deutschen Meister erregten Neonazis in Ordnerkluft und brutale Überfälle auf Fans und Fanbetreuer durch Rechtsextreme Aufsehen. In Aachen verfolgten Beobachter einen auch mit Fäusten ausgetragenen Verdrängungsprozess. Die „Karlsbande“, die sich unpolitisch gibt, jedoch bekennende Rechtsextreme in ihren Reihen weiß, spaltete sich von den „Ultras“ ab und bekämpfte die ehemaligen Mitstreiter auch mit Gewalt.

Rechtsextreme suchen Kontakt

Anfang dieses Jahres lösten sich die „Aachen Ultras“ auf. Römer berichtete, dass viele der Rechtsextremen in deutschen Arenen den Kontakt zu „Alt-Hooligans“ suchen und mit diesen eine hohe Gewalt-Affinität teilen würden. Die heterogenen Ultra-Gruppen, in ihrem Selbstverständnis eher Pyro-Aktionen und Stadion-Choreografien denn Gewalt zugetan, sind so in einigen Arenen auf dem Rückzug.

Eine Entwicklung, die auch in Münster droht? Keine Sorge, beruhigte Edo Schmidt, Mitarbeiter des Fanport: „Münster hat kein Naziproblem. Die Stadt ist keine linke Hochburg, aber es gibt eine Szene, die darauf hingearbeitet hat.“ Die münsterische Ultra-Szene, viel gescholten für Pyro und Co. sowie die Spaltung in Deviants und Ex-Curva, erscheint so in positivem Licht – Neonazis kann man lange suchen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1560220?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F
Mehr Glanz für die Promenade
Münsters grünes Glanzstück, die Promenade, soll nach einer umfassenden Bestandsaufnahme komplett saniert werden. Dafür will die Stadtverwaltung im kommenden Jahr ein Gesamtkonzept vorstellen.
Nachrichten-Ticker