Preußen Münsters unerklärliche Talfahrt
Ratlos, kampflos, fassungslos

Unterhaching -

1:1 in Erfurt, 0:1 gegen die Stuttgarter Kickers und jetzt ein 0:3 in Unterhaching. Quo vadis, Preußen Münster? Vermutlich nicht in Liga zwei.

Montag, 13.05.2013, 08:20 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.05.2013, 01:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 13.05.2013, 08:20 Uhr
Rat- und fassungslos schleicht Dominik Kirsch in Unterhaching vom Platz.
Rat- und fassungslos schleicht Dominik Kirsch in Unterhaching vom Platz. Foto: Jürgen Peperhowe

München. Viel tiefer konnte der Finger nicht in die Wunde gelegt werden als in Unterhaching. Das war nicht mehr der SC Preußen , der seine Anhängerschaft über Wochen und Monate verzauberte. Das war ein ratloser Haufen von Fußballern, der mit einer 0:3-Pleite die ewiglange Fahrt zurück nach Westfalen antreten musste. Vorgeführt von ein paar jungen Kerlen aus einem Vorort Münchens. Wahnsinn, oder?

Die nüchterne Bilanz: Direkter Aufstieg verpasst, Karlsruher SC und Arminia Bielefeld machten das am vorletzten Spieltag klar. Platz drei aus den Augen verloren, der 1. FC Heidenheim und der VfL Osnabrück haben deutlich bessere Chancen als der SCP. „Das war eine Charakterprüfung für meine Mannschaft und jeden einzelnen. Die Antworten habe ich erhalten. Ich bin jetzt völlig leer“, befand Trainer Pavel Dotchev nach dem Debakel am 37. und vorletzten Spieltag. Ob er sich wünschen würde, dass mit dieser Partie die Saison beendet sei, beantwortete Dotchev knapp und prägnant: „Ja, definitiv.“

Unfassbar, was sich der SCP in den letzten 270 Minuten gegen Erfurt (1:1), Stuttgarter Kickers (0:1) und Unterhaching (0:3) alles verbaute und zusammenrührte, keiner konnte das erwarten. Von Aufstiegsrang zwei auf den uninspirierten Platz fünf gefallen, es fühlt sich an wie eine rasante Talfahrt ohne Netz und doppelten Boden.

Dem SCP fehlte das, was Unterhachings Trainer Manuel Baum als „Scheißhausfliegen-Mentalität“ sehr plakativ umschrieb. Unterhaching, obwohl im Mittelfeld der 3. Liga längst zwischen Gut und Bose angekommen, bearbeitete die Gäste, schwirrte um den Gegner und agierte, als ob es um alles gehen würde. Münster vor der Pause war dagegen ein willenloser Torso, saft- und kraftlos, fast alle Spieler erstickten an der Verantwortung, schoben diese gleich mal per Querpass flugs weiter, versteckten sich auf dem Feld und wollten ja nur nicht den Ball haben. „Eine desolate Mannschaft habe ich gesehen. Allerdings kann ich mir das nicht erklären“, fasste ein bestürzter Präsident Dr. Marco de Angelis die Dinge zusammen. Aufsichtsrats-Vorsitzender Thomas Bäumer malte gleich das nächste Schreckensszenario auf: „Wenn wir so am Dienstag im Westfalenpokal in Wiedenbrück auftreten, werden wir uns nicht für den DFB-Pokal qualifizieren. Das Spiel gegen Stuttgart war schlimm, das war die nahtlose Fortsetzung. Eine Katastrophe.“

WNTV-Videoanalyse: SpVgg Unterhaching - Preußen Münster

Wenn Unterhaching so etwas wie eine Charakterprüfung gewesen sei, wie Dotchev sagt, dann weiß er jetzt eine ganze Menge von seiner Truppe. Sie hatte nicht das Zeug in der misslichen Situation zusammenzurücken und mit der Brechstange irgendwie die Wende zu erzwingen, offensichtlich fehlte die im Mannschaftssport so wichtige Aufopferung für den Teamkollegen. Der 47 Jahre alte Fußballlehrer meinte nur: „Ich habe vieles gelernt in diesem Spiel, das nehme ich mit.“ Er muss Lösungen finden.

Er selbst kreidete sich auch Fehler an. Mit Benjamin Siegert hatte er sich an einen Mittelfeldspieler erinnert, der maßgeblich in der Frühphase der Saison am Erfolg mitgewirkt hatte. Der Ex-Osnabrücker enttäuschte auf ganzer Linie. Aber auch Mehmet Kara wirkte in der Offensive erneut wie ein Fremdkörper. Münsters zentralen Mittelfeldspieler Jens Truckenbrod und Amaury Bischoff wuchs alles über den Kopf. Es gab keinen Angreifer, der über jeden Zweifel erhaben war. So ging das weiter, und machte am Ende auch vor den Defensiv-Experten keinen Halt. Ein Teufelskreis.

SPVGG Unterhaching gegen SC Preußen Münster

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Und Dotchev? Er fand in diesem Schlüsselspiel nicht den Schalter bei seiner Elf, seine Wechsel verpufften, seine Marschroute wurde nicht befolgt. Später merkte er durchaus selbstkritisch an: „Ich habe Leute spielen lassen, die es nicht verdient hatten. Vielleicht bin ich zu viele Kompromisse eingegangen.“ Es fehlte Esprit, der Überraschungseffekt beim Personal. Münster funktionierte nicht mehr, die Preußen haben ihre fantastische Ausgangsposition fahrlässig und grundlos aus den Händen flutschen lassen.

Es gibt in diesen Wochen eine Menge zu besprechen, vor allem, weil vieles schon um Klassen besser war in dieser Saison. Nun aber folgte ein Horrorfilm in drei Teilen, abgedreht in Unterhaching, hoffentlich. Gerade dieses Spiel mit Endspiel-Charakter wird für die personellen Planungen der nächsten Saison eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Das steht fest. 

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