Sprengsatzwurf beim Liga-Derby
26-jähriger Mitwisser verurteilt

Osnabrück - Ein 26-jähriger Münsteraner wurde nun verurteilt, weil er über den Sprengsatzwurf Bescheid gewusst haben soll, der vor zweieinhalb Jahren beim Derby zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück 33 Menschen zum Teil schwer verletzte.

Dienstag, 04.03.2014, 17:03 Uhr

Der Tathergang im Spiel: Von dieser Stelle flog der Sprengsatz (siehe Pfeil), der nicht größer war als eine Coladose (kleines Bild).
Der Tathergang im Spiel: Von dieser Stelle flog der Sprengsatz (siehe Pfeil), der nicht größer war als eine Coladose (kleines Bild). Foto: NOZ

Vor beinahe zweieinhalb Jahren erschütterte beim Derby der Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück und Preußen Münster eine Explosion die Osnatel Arena. 33 Menschen wurden zum Teil erheblich verletzt, als am 10. September 2011 ein Sprengsatz im alten Spielertunnel hochging, geworfen vom Preußen-Fan Juri C. , der dafür für fünf Jahre ins Gefängnis geschickt wurde.

Nicht obwohl, sondern weil er nichts getan hat, ist nun am Amtsgericht Osnabrück ein 26-jähriger Münsteraner zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Als Arbeitsauflage muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Grund: Der Preußen-Fan soll über den von Juri C. geplanten Sprengsatz-Wurf Bescheid gewusst, aber nichts getan haben, um die Tat zu verhindern.

„Wenn Sie eingeschritten wären, hätte verhindert werden können, dass so viele Menschen verletzt werden“, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung zu dem Angeklagten. Im Verlauf der Verhandlung hätte sich gezeigt, dass die Darstellung des Angeklagten, wonach er an jenem Tag keinen Kontakt zu Juri C. hatte, falsch sei. Bilder der Überwachungskamera hätten den Angeklagten mehrfach gemeinsam mit Juri C. gezeigt. Der wiederum hatte in seiner Zeugenaussage angegeben, dass er den Sprengsatz offen sichtbar in der Hand getragen hätte. „Ich habe keine Zweifel, dass Sie wussten, was das für ein Ding ist“, sagte die Richterin. Und auch, über welche Sprengkraft es verfüge.

Ein weiteres Indiz: Beide seien Mitglied der im Mai 2011 aufgelösten Ultra-Vereinigung „curva monasteria“ gewesen. Der 26-jährige Student hat nach Ansicht des Gerichts eine „hervorgehobene Stellung“ innerhalb dieser Fangruppierung gehabt. Es sei unwahrscheinlich, dass er da nichts von einer geplanten Tat gewusst habe. Dazu kommt, dass der 26-Jährige wegen Fangewalt bereits vorbestraft sei: Einmal wegen des Besitzes nicht erlaubter Sprengkörper und Bengalos, ein anderes Mal, weil er gemeinsam mit anderen Fans Polizisten bedroht hatte.

Die Verteidigung forderte einen Freispruch. Demnach habe der Student keine Kenntnis von dem Sprengsatz und dementsprechend keine Möglichkeit gehabt, die Explosion zu verhindern. Während sie auf Freispruch plädierte, forderte die Staatsanwaltschaft ein Jahr und zwei Monate Haft ohne Bewährung. Dass das Urteil milder ausfiel, begründete das Gericht unter anderem damit, dass es die erste Freiheitsstrafe des 26-Jährigen sei und er seit dem Vorfall nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten war.

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